Geschenk mit Folgen

Wasserburg - Knapp zehn Jahre ist es her, dass "Donum Vitae" in Wasserburg ein Büro eröffnete. Die Nachfrage bei den Beratungen wächst: 250 neue Klientinnen waren es im vergangenen Jahr.

Eigentlich ist das Büro in der Schustergasse eine Außenstelle von Donum Vitae ("Geschenk des Lebens") Rosenheim. Im Gegensatz zu anderen Gemeinden, zum Teil auch größeren, haben die Beraterinnen hier ein eigenes Büro, nicht einmal in der Woche einen halben Tag Sprechzeit im Rathaus, "der Bedarf ist einfach da", so Susanne Mittermair-Johnson. Als Gründe dafür vermutet sie das Einzugsgebiet, das den ganzen Altlandkreis umfasst, und die Tatsache, dass Wasserburg ein sozialer Brennpunkt ist. 80-mal musste 2010 die Landesstiftung "Kinder in Not" eingeschaltet werden, weil das Geld so knapp war, dass dringend Unterstützung zum Beispiel für die Baby-Erstausstattung nötig war.

523 Beratungskontakte hatte Donum Vitae Wasserburg im Jahr 2010. Zum Teil waren das nur kurze Telefonate, zum Teil betreut Susanne Mittermair-Johnson Frauen auch über Jahre hinweg. "Einige Frauen begleite ich hier von Anfang an, durch mehrere Schwangerschaften hindurch und darüber hinaus", so Susanne Mittermair-Johnson. Zum Teil haben die ältesten Töchter dieser Langzeit-Klientinnen schon wieder Kinder.

Donum Vitae hat drei klassische Aufgabengebiete. Das ist zum einen die Schwangeren-Konfliktberatung, die zum Bruch mit den katholischen Beratungsstellen und zur Vereinsgründung führte. Die liegt in Wasserburg deutlich unter dem Durchschnitt. "Entweder gehen die Frauen aus Anonymitätsgründen nach Rosenheim oder wir sind eine Insel der Seligen."

Die allgemeine Schwangerenberatung verlangt den Mitarbeiterinnen von Donum Vitae das meiste Wissen ab. Da gehe es um finanzielle, gesundheitliche, steuerliche Fragen, um das Studium mit Kind oder die Belastung in der Partnerschaft. Die Elterngeld-Beratung wird stetig mehr, "ich kann die Zahl der Anträge kaum noch zählen und die Bögen fast schon auswendig ausfüllen", sagt Susanne Mittermair-Johnson.

Ständig steigende Zahlen gibt es bei der nachgehenden Beratung, die bis zum dritten Lebensjahr eines Kindes angeboten wird. "Da werden die Problemlagen einfach immer komplexer." Zumeist erwachsen die Probleme aus der beruflichen und damit finanziellen Basis der Familie. Es gebe immer weniger Frauen, die nach der Geburt drei Jahre aus dem Beruf aussteigen könnten, die meisten wollen oder müssen spätestens im zweiten Jahr wieder Teilzeit arbeiten. Und wohin dann mit dem Zwerg? Die Zahl der Krippenplätze in Wasserburg wäre ausreichend, da sei die Stadt hinterher, aber die Öffnungszeiten reichten oft nicht. "Für eine Alleinerziehende, die um 6 Uhr Schichtbeginn hat, sieht es finster aus." Bisher ist die Firma Schletter in Kirchdorf mit ihrer betriebsinternen Kita mit entsprechenden Zeiten die rühmliche Ausnahme in der Region.

Im Laufe der Jahre kam einiges hinzu, zum Beispiel die Beratung bei während der Schwangerschaft festgestellten Behinderungen des Kindes. Das seien zwar wenige, aber sehr zeitintensive Fälle, ebenso wie bei einem Verlust des Kindes, so Susanne Mittermair-Johnson. Einmal im Jahr gibt es eine Trennungsberatung, denn die Kinder sollen nicht unnötig unter dem Bruch der Eltern leiden.

Wasserburg mag ein sozialer Brennpunkt sein, aber die Vernetzung derer, die sich beruflich oder ehrenamtlich damit befassen, die klappt laut Susanne Mittermair-Johnson super: Gleich, ob mit der Familienberaterin, der Stadtverwaltung, den Hebammen, dem Elternnetz oder der Romed-Klinik, Kommunikation und gegenseitige Unterstützung funktionieren.

syl/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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