Wer war der Unfallfahrer?

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Wasserburg - Eine vermeintlich entlastende Falschaussage kann erheblich bestraft werden. Für einen 24-Jährigen ging es gerade noch einmal glimpflich ab.

Möglicherweise zu oft genickt hatte der Industriemechaniker bei den polizeilichen Vernehmungen zu einem Verkehrsunfall, der sich im Oktober 2009 auf der Münchner Straße ereignet hatte. Nach Ansicht der diensthabenden Beamten hatte der Wasserburger damit den Ausführungen seines Bruders nicht widersprochen, beziehungsweise indirekt zugestimmt.

Der Bruder hatte am Unfallort, vermutlich um den Verdacht von einem gemeinsamen Spezl abzulenken, einen anderen beschuldigt, das Unfallfahrzeug gefahren zu haben. Dies hatte sich aber schnell als falsch herausgestellt und als tatsächlicher Unfallverursacher wurde ein junger Wasserburger ermittelt. Der hatte mit 1,49 Promille im Blut erst gegen 5.20 Uhr mit seinem Pkw in der Bürgermeister-Neumaier-Straße einen Mercedes A-Klasse touchiert und Unfallflucht begangen, ehe er dann gegen 6.30 Uhr seinen BMW 320 bei den Serpentinen in den Graben gefahren und an einen Baum gesetzt hatte. Der Unfallverursacher wurde mittlerweile rechtskräftig zu einer Geldstrafe und einem 16-monatigem Fahrverbot verurteilt.

Nur "mit Polizei geratscht"

Doch auch für seine beiden Spezeln hatte das Ganze ein Nachspiel und der Jüngere der beiden musste sich nun wegen versuchter Strafvereitelung in Tateinheit mit falscher Verdächtigung vor dem Amtsgericht Wasserburg verantworten. Der Angeklagte bestritt die ihm zur Last gelegten Tatbestände und sagte aus, stets nur betont zu haben, nicht selbst am Steuer gesessen zu haben. Gut angetrunken habe er sich ansonsten weitgehend aus der Angelegenheit rausgehalten und vermehrt mit einem der beiden Polizisten geratscht. Von den Gesprächen der anderen habe er nichts mitbekommen und sich auch nicht darum gekümmert.

Zuvor sei er nach einer feuchtfröhlichen Zechtour gerade zu Bett gegangen gewesen, als ihn der Unfallverursacher angerufen und gebeten habe, an die Unfallfallstelle zu kommen. Gemeinsam mit seinem Bruder habe sich das Trio am ehemaligen Spar getroffen, ehe es dann etwa zeitgleich mit der Polizeistreife an der Unfallstelle eintraf.

Der zuständige Sachbearbeiter der Polizeiinspektion Wasserburg sagte vor Gericht, dass er und sein Kollege beim Eintreffen am Unfallort zuerst nur das stark beschädigte Fahrzeug vorgefunden hätten. Erst danach habe er die drei Männer gesehen und gefragt, wer von ihnen gefahren sei. Daraufhin sei untereinander getuschelt worden und der Bruder des Angeklagten habe auf den gemeinsamen Freund eingeredet und dann einen anderen als Unfallverursacher beschuldigt, sagte der Polizeibeamte.

Entsprechend der Vorschriften habe er die Männer, gerade auch im Hinblick auf eine mögliche Strafvereitelung, belehrt und anschließend getrennt. Dabei habe er den Eindruck gewonnen, dass der Angeklagte eher den passiven Part inne hatte und auch keine eigenen Versionen präsentiert habe. Zudem habe er sich relativ ruhig und kooperativ verhalten. Nach Ansicht des Beamten habe es sich beim Bruder des Angeklagten um den eigentlichen Wortführer gehandelt.

Freiheitsstrafe bis fünf Jahre

Nach einem Rechtsgespräch zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung wurde das Verfahren im gegenseitigen Einvernehmen gegen eine Geldauflage von 400 Euro vorläufig eingestellt. Das Verfahren gegen den Bruder steht noch aus. Wer laut Paragraf 258 StGB absichtlich oder wissentlich ganz oder zum Teil vereitelt, dass ein anderer dem Strafgesetz gemäß wegen einer rechtswidrigen Tat bestraft oder einer Maßnahme unterworfen wird, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Allerdings darf die Strafe nicht schwerer sein als die für die Vortat angedrohte Strafe.

ca/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © pa

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