Ewiger Ärger um 100 Meter

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Seit 45 Jahren kennt Gertrud Bruchner den traditionellen Weg zwischen Altenhohenau und Griesstätt. Dass sie nun unvermittelt vor einer Absperrung stand, ärgerte sie massiv.

Griesstätt - Um den Fuß- und Radweg zwischen Griesstätt und Altenhohenau, gleichzeitig Stück des Inntal-Radweges, ist sich Gemeinde und Besitzer weiter uneins.

Jetzt ist er erst einmal wieder ganz zu, der Fuß- und Radweg zwischen Griesstätt und Altenhohenau, gleichzeitig Stück des Inntal-Radweges. Bereits vor einigen Jahren hatte es gerichtliche Auseinandersetzungen zwischen dem Grundbesitzer und der Gemeinde wegen der rund 100 Meter gegeben.

Idyllisch am Hang südlich von Kloster und ehemaliger Wirtschaft Altenhohenau liegen zwei Privatanwesen. Dazwischen verläuft ein Weg, der früher befahren wurde, dann immerhin noch von Fußgängern und Radlfahrern benutzt werden konnte - bis dem Grundeigentümer und Anlieger Dr. Thomas Stauffert jetzt der Kragen platzte.

Die Sache ging schon bis zum Verwaltungsgerichtshof und endete mit einer Niederlage der Gemeinde Griesstätt. Seither ist klar, dass der Weg auf Privatgrund läuft und nicht öffentlich gewidmet ist.

Immerhin duldete der Besitzer danach aber noch die Radlfahrer, die beispielsweise auf dem Inntal-Radweg hier durchkamen, und die Fußgänger: Der Weg ist der traditionelle Prozessionsweg nach Altenhohenau, vor wenigen Wochen zog hier noch eine Gruppe Gläubiger zur Andacht in die Klosterkirche.

Mit Beginn der Radsaison standen dann plötzlich die Radfahrer vor der Absperrung, mussten zurück zur Hauptstraße und über einen Umweg wieder auf den Radweg. Eine auswärtige Gruppe beklagte sich in der Gemeindeverwaltung anschließend darüber, unfreundlichst vom Weg verwiesen worden zu sein. Und auch in Griesstätt und Umgebung steigt der Unmut über den andauernden Wegestreit, wie Anrufe in der Redaktion zeigen.

"Hat ein Eigentümer nicht auch eine Verpflichtung gegenüber der Öffentlichkeit?" fragt beispielsweise Gertrud Bruchner aus Rott. Sie kennt den Fußweg schon seit 45 Jahren und hat den Radlweg immer benutzt, so auch vor zwei Wochen, als sie von Norden kommend plötzlich an der neuen Absperrung stand. Nach einer über 70 Kilometer langen Tour ärgerten sie das Umdrehen und der Umweg natürlich. "Aber noch schlimmer war es für eine Mutter mit ihren drei Kindern, die nach uns kam und auch auf die Hauptstraße ausweichen musste."

Professor Dr. Stauffert selbst kann die Verärgerung ansatzweise verstehen, fühlt sich aber nicht in der Verantwortung: "Ich habe das Grundstück mehrmals der Gemeinde zum Kauf angeboten und sogar zur Pacht." Die niedrigen Preisvorstellungen der Gemeindeverwaltung aber könne er nicht nachvollziehen.

Dort ist man über die Situation alles andere als glücklich, hat die Hoffnung auf eine einvernehmliche Lösung im Streit um die geschätzt 400 Quadratmeter aber fast aufgegeben. Bürgermeister Franz Meier sieht keine Möglichkeit, mehr als das ortsübliche Angebot zu machen.

Überhaupt setzt man in Griesstätt nicht mehr auf die Kooperationsbereitschaft der Eigentümer. Zu viele Konflikte gab es da schon mit Stauffert, so dass der Bürgermeister nicht mehr an fruchtbare Gespräche glauben mag. Tatsächlich gibt Stauffert zu, dass er "nicht traurig ist, wenn es die Radlfahrer in Altenhohenau nicht mehr gibt." Müll in den Gärten und fremde Leute auf der Terrasse seien die unerfreulichen Begleiterscheinungen des Radltourismus. Und dem - derzeit geschlossenen - Gasthaus in Altenhohenau, das der Familie ebenfalls gehört, hätten die Radlfahrer ebenfalls nichts gebracht.

Dass er jetzt erst zugemacht hat, sieht Dr. Stauffert eher als Zugeständnis: Er habe warten wollen, bis sich die Radfahrer an eine neue Strecke gewöhnt haben. Nachdem ihn die Gemeinde aber auch nicht von der Wegehaftung freistellen wollte, "wird jetzt eben zugemacht. Ich lasse mir nicht meinen Grund von der Öffentlichkeit besetzen."

Tatsächlich hat das Landratsamt schon vor gut einem Jahr die offizielle Inntalradweg-Beschilderung hier abgebaut. Als "Umleitung" werden die Radler jetzt in einer Schleife über Kettenham und Thalham nach Kerschdorf geleitet, weit weg vom Inn, der dem Weg den Namen gibt - und auch ein deutlicher Umweg.

Die Radlfahrer, die den ursprünglichen Weg kennen, ärgert das. "Und viele haben ja auch ältere Karten, wo das anders eingezeichnet ist", so Andreas Hiebl von der Wasserburger Stadtverwaltung. Bei dem gab es in der Anfangszeit der Umleitung "fast täglich Beschwerden" von Radtouristen. Deutlichere und rechtzeitige Hinweise auf die Sperre wünscht sich auch Gertrud Bruchner: "Eine Werbung für den Inntal-Radweg ist das alles nicht."

In Griesstätt hofft man derweil auf eine andere Lösung: Der Geh- und Radweg soll auf der ehemaligen Staatsstraße, die jetzt wenig befahren ist, durch den Ort Richtung Norden geführt werden, so die Vorstellung von Bürgermeister Meier. Dann müsste man nur noch 800 Meter Radweg als Lückenschluss bauen. Hier gebe es "hoffnungsvolle Gespräche" mit den Grundanliegern, deren Zustimmung man zumindest für die Bauzeit brauche, so Meier. Der Grund selbst sei weitgehend schon in öffentlichem Eigentum.

Karl Königbauer/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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