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Neues Jahr, neue Chance für jungen Mann mit Handicap

Für Dominik Liedl aus Griesstätt geht eine Odyssee zu Ende

Fasste beruflich Fuß: Dominik Liedl, unterstützt von seinem Chef, dem Griesstätter Bürgermeister Robert Aßmus, und seiner Mutter Marion. Im März geht es nach zwei Jahren in der Griesstätter Verwaltung zum Landratsamt München.
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Fasste beruflich Fuß: Dominik Liedl, unterstützt von seinem Chef, dem Griesstätter Bürgermeister Robert Aßmus, und seiner Mutter Marion. Im März geht es nach zwei Jahren in der Griesstätter Verwaltung zum Landratsamt München.

Neues Jahr, neues Glück: Dominik Liedl hat besonderen Grund zur Freude, denn dem jungen Griesstätter, der ein Handicap hat, ist es gelungen, auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Dabei hat ihm auch seine Heimatgemeinde geholfen.

Griesstätt – „Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf“, sagt ein nigerianisches Sprichwort, das auch für Dominik Liedl gilt. Der heute 25-Jährige erlitt im Alter von sechs Monaten nach einem Unfall eine Halbseitenlähmung. Bis heute muss er eine Handschiene zur Unterstützung tragen. Von klein auf war sein Leben von Klinikaufenthalten, Arztbesuchen und Therapien geprägt. Doch Dominik ließ sich nicht unterkriegen – auch weil seine Familie alles unternahm, was möglich war, um ihn zu fördern. So gelang sogar der Mittelschulabschluss mit Förderschwerpunkt an der Schule der „Pfennigparade“ in München. Danach folgte eine von der Arbeitsagentur geförderte Ausbildung im Münchener Berufsbildungswerk ICP. Hier bestand Dominik Liedl 2019 die IHK-Prüfung zum Fachpraktiker für Bürokommunikation.

Ohne Arbeit keine Wohnung

Doch danach gab es zum ersten Mal in seinem Leben einen Rückschritt. Der Griesstätter, der während seiner Ausbildung im Berufsbildungswerk gewohnt hatte, konnte seinen Traum von einem Berufsstart in der Landeshauptstadt nicht erfüllen. Er musste zurückziehen in seinen Heimatort. Auch im Rosenheimer Land hagelte es Absagen auf seine Bewerbungen. Hinzu kam ein weiteres Problem: Dominik Liedl kann nicht alleine leben und keinen Führerschein machen. Er benötigt auch eine ambulant betreute Wohnmöglichkeit und gute Bus- und Bahnverbindungen für die Mobilität. Außerdem müssen in den Alltag des jungen Griesstätters dauerhaft notwendige Ergo- und Physiotherapien integriert werden.

Dominik Liedl stehen seine Eltern und Schwester Lorena hilfreich zur Seite, doch sie wünschen sich, dass er sein Leben möglichst selbstständig gestalten kann – unabhängig vom Familientaxi, betreut, aber autark in einer eigenen Wohnung. Das ist auch Dominik Liedl wichtig: Abhängig sein, das mag er nicht.

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2019 hat die Wasserburger Zeitung sein Schicksal in einem Bericht dargestellt – und danach einen Anruf vom Griesstätter Bürgermeister erhalten. Robert Aßmus erklärte sich spontan bereit, zu helfen. Und auch der Gemeinderat zog mit: Einstimmig beschloss er, den damals 23-Jährigen einzustellen. Das hat Tradition in Griesstätt: Hier sind vier weitere Mitarbeiter mit Handicap beschäftigt – unter anderem auch im Kindergarten und im Bauhof. Gelebte Inklusion, von der auch Dominik Liedl profitiert hat. Gut zwei Jahren hat er das Gemeindearchiv digitalisiert, den Posteingang bearbeitet sowie Telefondienst gemacht.

Der Rathauschef ist mit seinem Mitarbeiter auf Zeit, dessen Anstellung von der Arbeitsagentur finanziell gefördert wurde, sehr zufrieden. „Um es in der bei mir beliebten Seefahrersprache zu sagen: Ich glaube, wir in Griesstätt haben mitgeholfen, den Dominik ins richtige Fahrwasser zu schiffen“, sagt Aßmus stolz.

Das hat der Griesstätter nicht nur dem Bürgermeister und Gemeinderat zu verdanken, die ihm die erste berufliche Chance gaben, sondern auch seiner Familie. Mutter Marion hat in den vergangenen zwei Jahren nicht locker gelassen im Bemühen um einen Arbeitsplatz in München. Denn trotz der guten familiären Einbindung in Griesstätt: Die Landeshauptstadt kann einem jungen Menschen mit Behinderung wie Dominik Liedl mehr bieten als das Heimatdorf. Hier gibt es U- und S-Bahn für die Mobilität, hier hat der junge Mann viele Freunde mit Handicaps.

Mutter Marion hat nicht aufgegeben

Marion Liedl hat Briefe geschrieben, Behörden kontaktiert, sich tief eingearbeitet in das Themenfeld Inklusion, „Klinken geputzt“, immer wieder nachgefasst, nie aufgegeben. „Man muss wollen“, sagt sie, „wenn wir was öffnen wollen, gibt es auch eine Tür.“

Gewollt hat nach ihrer Erfahrung die Gemeinde Griesstätt, gewollt haben auch viele Mitglieder der Familie, vor allem ein Cousin aus Norddeutschland, der Dominik für die Bewerbungen coachte. So vorbereitet durfte er sich auf eine Ausschreibung der Stadt Rosenheim online vorstellen, ein anderer Bewerber setzte sich durch. Im September folgte ein Praktikum beim Landratsamt München, danach – nach über einem Jahr Suche, erschwert durch die Pandemie – der Durchbruch: Die Schwerbehindertenvertretung des Landratsamtes München setzte sich intensiv für die Einstellung im Medienzentrum ein. Am 25. Geburtstag bekam Dominik Liedl außerdem die Zusage für ein Zimmer in einer WG mit Studenten. „Für mich ist eine Odyssee zu Ende gegangen“, sagt er überglücklich.

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