Bedarf nicht gedeckt

Wer pflegt uns in zehn Jahren?

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Franz Winkler und Petra Gropp im Gespräch mit der Redaktion zum Thema Kräftemangel in der Altenpflege
  • schließen

Griesstätt - Gehen uns in einigen Jahren die Altenpfleger aus? Franz Winkler befürchtet es. Der Schulleiter der Altenpflegeschule in Altenhohenau warnt vor einem Personalnotstand schon in einem Jahrzehnt.

Das Pflegeangebot in Altenheimen könnte äußerst knapp werden, ist sich Franz Winkler sicher.

In etwa 10 Jahren würden geburtenstarke Jahrgänge von 1950 bis hinein ins Jahr 1964 in ein Alter kommen, das eine Pflegebedürftigkeit mit sich bringen könne.

Zwar seien aktuell die Klassen an seiner Schule mit Trägerschaft durch die Caritas gut gefüllt, doch das Interesse für den Beruf des Altenpflegers müsse mehr geweckt werden. „Gesellschaftlich schießt der Bedarf an ausgebildeten Pflegekräften nur so auf uns zu. Die demographische Entwicklung wird uns in einem Jahrzehnt wahrlich überrollen. Momentan lässt sich das Gleichgewicht noch herstellen, doch was ist später?“

Immer wieder versuchen sich Pflegeschulen wie die aus Altenhohenau in Schulen wie etwa der Realschule Wasserburg zu präsentieren, doch die Schüler haue es wahrlich nicht vom Hocker, bemerkt der Leiter der Altenpflegeschule frustriert.

„Die jungen Menschen müssen mehr für diesen Beruf begeistert werden, Ideen sind gefragt“. Vorurteile gegen diesen Job im Pflegefach gäbe es Zuhauf. Schüler, die Gelegenheit hätten, sich über ein Praktikum auf diesen Alltag einzulassen, erfahren jedoch oftmals eine Bereicherung, sich einer solchen Aufgabe zu widmen. „Wenn jemand einen Zugang zu diesem Kommunikationsberuf findet, dann lebt man in auch gern“, heißt es aus der Pflegefachschule weiter. „Wenn ein Auszubildender eines Pflegeberufs verstanden hat, dass es belohnend sein kann, sich beruflich mit einem erfahrenen Senior auseinander zu setzen und dem Schüler klar wird, dass eine Pflegekraft sehr viel praktische Fähigkeiten einbringen kann, dann entflammt er meist schon“. Die Bereitschaft, des Ausbildungsstarts in diesem Metier fehle noch.

Mit dem aktuellen Bewerberaufkommen sei er noch zufrieden, so Winkler weiter. Doch es müssten zukünftig noch deutlich mehr rekrutiert werden, um den Gesamtbedarf zu decken.

Die idyllisch gelegene Schule in Altenhohenau wird vom Caritasverband der Erzdiözese München und Freising betrieben.

Durch die Caritas selbst werden im Gebiet 28 Altenheime geleitet. Der Eigenbedarf an Pflegekräften ist dadurch bereits sehr hoch.

Auf Nachfrage der Redaktion sei das Thema des höheren Kräftebedarfs bereits in der Führungsebene des Verbandes verankert, es werde viel dafür getan, Jugendliche zu gewinnen und ausgebildete Kräfte zu halten. Ein Schlüssel zum hoffentlich eintretenden Erfolg, dass sich Jugendliche für diesen spannenden Beruf begeistern lassen, könnte die Öffnung von Einrichtungen sein, klingt es aus dem Direktorat weiter.

Bereits im Alter zwischen 15 und 17 werde Teenagern angeboten, Praktika oder Begegnungen zu durchlaufen, um sich Einblick zu verschaffen.

Hier fände die Grundorientierung statt, es müsse die Schwellenangst überwunden werden, die oft in der Altenpflege einhergehe.

Flyer auszugeben, sei hingegen der falsche Weg, nur durch das praktische Erfahren dieser sozialen Richtung könne sich jemand angesprochen fühlen, dies als seinen zukünftigen Arbeitsalltag zu bestimmen, sieht Franz Winkler klar den weiteren Schritt. „Unsere Schüler sagen immer, es ist der persönlich schönste Beruf, den sie sich vorstellen können. Das große Thema vorneweg muss auch immer sein, dass es eine Tätigkeit ist, in der man aufgehen kann, ohne sich aufzugeben“.

Kräftezehrend sei es nur bedingt, denn es werde gelehrt, wie man mit verschiedensten Situationen gut umgehen könne. Wichtig sei eine Status-Veränderung, sind sich Franz Winkler und Petra Gropp einig.

Beruf nicht toll genug?

Petra Gropp vom Kinderschutzbund sieht in den unterschiedlichsten sozialen Berufen ein großes Anerkennungsproblem durch die Gesellschaft. „Es wird schlichtweg abwertend auf Menschen reagiert, die sich einen solchen Beruf aussuchen“, so Gropp. Auch die Bezahlung für diese wichtige Tätigkeit sei noch nicht auf ein Level geschraubt worden, das es aus diesem Hinblick spannend mache.

Doch der Wandel der Zeit werde eine Veränderung der allgemeinen Bedingungen zugunsten des Pflegeberufs ansteuern, sind sich die beiden Experten sicher. Damit im Bedarfsfall genug Pflegekräfte in Altenheimen auf die Menschen zugehen können.

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Griesstätt

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser