3.600 Euro wegen „Sonne“: Griesstätter Bäckerei Zeilinger von „Hofpfisterei“ verklagt

„Haben die in der Corona-Krise nichts Besseres zu tun, als kleine Bäcker abzuzocken?“

Alois Zeilinger junior gehört die gleichnamige Bäckerei in Griesstätt
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Alois Zeilinger junior, Inhaber der gleichnamigen Bäckerei in Griesstätt, wurde von der Münchner Großbäckrei „Hofpfisterei“ abgemahnt - wegen der Markennennung „Sonne“ in seinem Dinkelbrot.

Griesstätt - Alois Zeilinger junior staunte nicht schlecht, als er eines Tages plötzlich ein über 50-seitiges Päckchen in seinem Briefkasten vorfand. Der Inhalt: Eine Unterlassungsklage der „Hofpfisterei“ wegen der Markennennung „Sonne" in seinem Brot. Damit war er einer der ersten Bäcker in der Region, dem eine saftige Rechnung ins Haus trudelte.

Wie kann man sich als Unternehmer davor schützen, dass einem Unterlassungsklagen wie im Fall der beiden Bäcker aus Reit im Winkl und Griesstätt, ins Haus flattern? Wir haben uns erkundigt.


Anfang September 2020: „Haben die in der Corona-Krise nichts Besseres zu tun, als kleine Bäcker abzuzocken?“

Erst per Mail, eine Woche später im Briefkasten: Die Unterlassungsklage der Münchner Großbäckerei „Hofpfisterei“ war ein Schock für Zeilinger. „Zunächst dachte ich noch, das sei womöglich ein Scherz. Ich wusste nicht, was die überhaupt von mir wollen“, schildert der Bäcker im Gespräch mit wasserburg24.de. „Und nach der Mail kam ohne Vorwarnung gleich so ein Packerl mit einer saftigen Rechnung hinterher“.


Das liegt nun ein Jahr zurück. Im August 2019 erleichterte die „Hofpfisterei“ den kleinen Bäcker aus Griessätt um einen vierstelligen Betrag. Damit war er wohl einer der ersten regionalen Bäcker, dem eine Unterlassungsklage der Firma aus München ins Haus flatterte. Erst kürzlich traf es einen Bäcker aus Reit im Winkl: Josef Pretzner bekam eine Rechnung von 800 Euro. Zeilinger hat es schlimmer erwischt: Er musste insgesamt 3.617 Euro und einen Cent an die „Hofpfisterei“ zahlen. „Vom Umsatz her gerechnet hätte ich 9.050 Semmeln oder 952 Brote verkaufen müssen, um den Verlust wieder ausgleichen zu können“, erklärt der Griesstätter immer noch kopfschüttelnd.

Griesstätter Bäckerei Zeilinger von „Hofpfisterei“ abgemahnt: „Menschlich unter aller Sau“

In der Unterlassungklage ist ein Screenshot der Website der Bäckerei abgebildet, das auf die Verletzung der Markennennung „Sonne“ hinweist. Im Fall Zeilinger betraf dies das Brot „Dinkelsonne“, das er nun unter dem Namen „Dinkelsonnenblumenkernbrot“ verkauft. Weil „Sonnenblumenkern“ ein zusammenhängendes Wort darstelle, sei dies legitim. Einspruch einzulegen hätte nach Rücksprache mit einem Anwalt zu keinem Erfolg geführt - mitsamt der Anwaltskosten stand Zeilinger am Ende vor Gesamtkosten von rund 4.500 Euro, die ihm diese Geschichte eingebrockt hatte. „Ich hatte keine Chance“, resümiert der Bäcker mit gesenktem Kopf. Freilich sei die Großbäckerei mit ihrem Patent im Recht, wie sie auch in ihrer Stellungnahme betont, „aber menschlich ist das unter aller Sau.“

Dass rund ein halbes Jahr später die Corona-Krise mit aller Gewalt zuschlug, machte die Sache nicht leichter: Auch die Bäckerei Zeilinger mit seinem 14-köpfigen Team hatte über Monate nur einen Teilbetrieb geöffnet, das dazugehörige Café läuft inzwischen langsam wieder an. „Das war eine Katastrophe“, betont Zeilinger. Dass die „Hofpfisterei“ munter weiter verklagt kann er ganz und gar nicht nachvollziehen: „Haben die in der Corona-Krise nichts Besseres zu tun, als kleine Bäcker abzuzocken? Jeder kämpft ums Überleben - gerade jetzt, und dann verklagen die gnadenlos ihre Kollegen.“

Zeilinger hat damals sofort seine Bäckerkollegen, mit denen er in engem Austausch steht, gewarnt, dass sie ihr Angebot und vor allem ihre Websites prüfen sollen. „Wer weiß, was denen noch einfällt? Da müsste man ja jedes Wort hinterfragen“, unterstreicht der Bäcker und erklärt in dem Zusammenhang, warum der hauseigene Brotaufstrich „Zwiebelstreich“ heißt und nicht „Obatzda“ - denn der „Obatzda“ ist ebenfalls geschützt.

Die Bäckerei Zeilinger befindet sich in der Ortsmitte von Griesstätt und existiert seit 1918 im Familienbetrieb.

Wir Bäcker halten zusammen und wir kämpfen seit Jahren für den Erhalt unseres Traditionshandwerks“, unterstreicht Zeilinger, dessen gleichnamige Bäckerei seit 1918 im Familienbetrieb im Ortskern besteht und 2015 zum Café umgebaut wurde. „Wir sehen uns untereinander nicht als Konkurrenten sondern als Kollegen. Doch die ‚Hofpfisterei‘ legt uns nur Steine in den Weg. Das sind keine Kollegen, die nicht.“

Hintergrund: „Hofpfisterei" verklagt kleine Bäckerei-Betriebe

Die Münchner Großbäckerei „Hofpfisterei“ hat sich vor über 40 Jahren beim Deutschen Patent- und Markenamt Namensbegriffe schützen lassen, darunter Wörter mit dem Zusatz „Sonne". Nun wird die Firma nicht müde, Unterlassungsklagen an diverse Bäckereien zu senden, die in ihrem Sortiment Backwaren mit dem Begriff "Sonne" im Namen verkaufen.

In den sozialen Netzwerken hat sich seit der Bekanntmachung der Vorkommnisse ein Shitstorm über die Großbäckerei ergossen. Von plumpen Beleidigungen bis hin zu Hinweisen auf künftige Boykottierung der Backwaren sind die Unmutsbekundungen mannigfaltig.

mb

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