"Flyer-Panne" vor Bürgermeisterwahl am Sonntag

Aßmus: "Will Schiff wieder in ruhigere Gewässer bringen!"

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Dieser Flyer sorgt für Ärger in der Gemeinde - schafft Bürgermeisterkandidat Robert Aßmus, am Wahlsonntag die Mehrheit der Stimmen trotz der Verwirrung durch das Flugblatt?  
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Griesstätt - Aktuell herrscht Sturmflut in der kleinen Gemeinde. Bürgermeisterkandidat Robert Aßmus lässt nichts unversucht, damit endlich Ruhe einkehrt und plädiert an die Bürger, am kommenden Sonntag zur Wahl zu gehen. So kurz vor der Entscheidung legt ihm aber ausgerechnet ein Flyer Steine in den Weg: 

Robert Aßmus (SPD) ist der einzige Bürgermeisterkandidat für die Wahl am kommenden Sonntag, 25. Juni. Der Gemeinderat, der aus CSU, Parteiefreie Wähler und der SPD besteht, steht geschlossen hinter Aßmus. Trotzdem sorgte jetzt ein Flyer von vier engagierten Bürgern, der an die Grisstätter Haushalte verteilt wurde, für große Aufregung:

Christian Selbertinger, Helmut Noppl, Florian Obermayer und Günther Lindner sind die Verantwortlichen für den Flyer, den die Griesstätter nur eine Woche vor dem Wahltermin im Briefkasten fanden und der jetzt für ordentlich Wirbel in der Gemeinde sorgt. "Jeder kann am Sonntag bei der Wahl ein Zeichen setzen, wie er über die Ereignisse, die überhaupt erst zu dieser Neuwahl geführt haben und wie die Suche nach einem neuen Bürgermeister-Kandidaten abgelaufen ist, denkt", schreiben sie in ihrem Flugblatt. Eine Hetzkampagne? Ein Aufruf zu Alternativkandidaten? 

Der heiß diskutierte Wahl-Flyer wirbelte reichlich Staub auf in der kleinen Gemeinde. 

Heiße Diskussionen beim Bürgerstammtisch

Hier geht's zum April-Gemeindeblatt auf der Griesstätter Gemeindeseite.

Beim Bürgerstammtisch am gestrigen Donnerstag wurde der Flyer heiß diskutiert. Dessen Inhalt stößt bei den Bürgern auf Unverständnis. "Braucht's das so kurz vor der Wahl? Glaubt ihr im Ernst, wir könnten nicht lesen und schreiben oder wüssten nicht, wie eine demokratische Wahl abläuft?", wollten die aufgebrachten Griesstätter von Christian Selbertinger wissen, der als einziger der vier Verfasser beim Jagerwirt vertreten war. Das Ganze sei mitnichten als "Anti-Aßmus-Kampagne" geplant gewesen, verteidigte der sich. "Wir wollten mit der Aktion vielmehr ein Zeichen setzen, wie es überhaupt soweit kommen konnte." Das Ganze sei als "Aufklärungsaktion" gedacht gewesen, um den Leuten klar zu machen, dass auch die Möglichkeit eines Alternativkandidaten bestehe. 

Genau dieser Wahl-Vorgang mit nur einem Bürgermeisterkandidaten sei aber in der Ausgabe des April-Gemeindeblatts mitsamt der Abbildung eines Musterzettels auf Seite 3 detailliert erklärt worden, entgegnete der Gemeinderat geschlossen. "Erklärt ja, aber unverständlich", war Selbertinger überzeugt. Zudem hätten sich weder die CSU-Fraktion noch die Parteifreien Wähler ernsthaft um einen Gegenkandidaten bemüht. 

"Wir wollten mit dem Flyer nur aufklären." Die Aktion von Christian Selbertinger und Kollegen sorgt für Ärger. 

CSU & Parteifreie Wähler: "Die Kürze der Zeit war das Problem" 

Georg Weiderer, Fraktionsvorsitzender des CSU-Ortsverbands, erwiderte, die CSU habe lange beraten und Gespräche mit mehreren Kandidaten, die in Frage gekommen wären, geführt. "Es muss aber auch alles zusammenpassen - ein Bürgermeisteramt macht man nicht einfach mal so. In dem begrenzten Zeitrahmen, der uns von Seiten des Landratsamts zur Verfügung stand, war es uns schlicht und ergreifend nicht möglich, einen Gegenkandidaten aufzustellen." Man könne nicht immer einen Plan B in der Tasche haben und jetzt gebe es eben nur einen Kandidaten

Auch bei den Parteifreien Wählern war die Kürze der Zeit laut Martin Fleidl das Problem: "Für die kommenden drei Jahre Bürgermeisteramt hat sich neben Robert Aßmus kein geeigneter Kandidat von Seiten unserer Partei zur Verfügung gestellt. Deshalb stehen wir aber trotzdem hinter dem SPD-Kandidaten." Alexander Maier, ehemaliger CSU-Gemeinderat, ergänzte: "Für mich ist Robert Aßmus klar die erste Wahl, das sage ich ganz ehrlich.

"Was haben wir denn davon, wenn wir durch den Flyer in der Stichwahl landen? Außer Mehraufwand und verlorener Zeit springt dabei für uns nichts heraus", polterte Charly Beinrucker, ehemaliges Gemeinderatsmitglied. "Wenn ich keine Alternativkandidaten habe, brauche ich das nicht noch künstlich aufbauschen." 

Der Gemeinderat steht hinter Robert Aßmus - sowohl Alexander Maier, ehemaliger CSU-Gemeinderat (links vorne), als auch CSU-Fraktionsvorsitzender Georg Weiderer (Zweiter von rechts). 

Aßmus: "Die Leute eine Woche vor der Wahl verunsichern - muss das sein?"

Der aktuell Zweite Bürgermeister, Robert Aßmus, kam in der Hitze des Gefechts kaum zu Wort, versuchte zu schlichten. "Ich sehe den Flyer nicht als Angriff auf meine Person und habe auch großen Respekt davor, dass ihr in dieser sommerlichen Hitze überhaupt Flugblätter in den Haushalten verteilt habt", erklärte der 55-Jährige in Richtung Selbertinger. "Allerdings frage ich mich schon, ob das sein musste, die Leute eine Woche vor der Wahl derart zu verunsichern. Ich habe größtes Vertrauen in die Griesstätter, sie wissen genau, wen und wie sie am Sonntag wählen. In dem Flyer kam das aber leider gegenteilig rüber, wenn ich ehrlich bin." Dabei sei die Aktion gar nicht negativ gemeint, entgegnete Selbertinger erneut. "Uns war nicht bewusst, welche Wellen der Flyer schlagen wird - wir wollten nur aufklären." 

Aßmus ging daraufhin zurück zum eigentlichen Thema, dem Wahlsonntag: "Ich bin ein Griesstätter und ich stehe voll hinter den Griesstättern. Die Gemeinde ist für mich eine kleine Wohlfühloase und dort möchte ich nach den vergangenen turbulenten Wochen wieder hin." Gerade weil Aßmus mehr "geradeaus" sei und "gerne erst rede und danach das Hirn einschalte" wolle er an sich arbeiten und sich für die verschiedenen Anliegen der Bürger einsetzen. Es sei ihm aber bewusst, dass er es nicht immer jedem Recht machen könne. "Ich bin zwar nur ein einfacher Lastwagenfahrer", so Aßmus, der seit 22 Jahren bei der Firma Rudolf Gruber in Schonstett beschäftigt ist, "aber selbst als solcher habe ich einen gesunden Menschenverstand: Ich fühle mich wohl als Bürgermeister-Kandidat und denke, ich bin dem Amt mit 15 Jahren Gemeinderatserfahrung gewachsen." Außerdem würden die Karten bei der Kommunalwahl 2020 eh wieder neu gemischt. 

Bürgermeisterkandidat Robert Aßmus: "Ich stehe als Griesstätter voll und ganz hinter der Gemeinde." 

Die Zusammenarbeit mit Gemeinderat und Verwaltung funktioniere laut Aßmus reibungslos: "Ich habe viele helfende Ratgeber". Und Griesstätt bleibe nicht stehen, es gebe eine Menge Investitionen bis hin zu einem soliden Finanzplan, mit dem die Gemeinde langfristig Rücklagen schaffen möchte. Einige der anstehenden Projekte in Griesstätt: 

  • Straßensanierungen - darunter die Staatstraße Richtung Halfing
  • eine siebte Kindergartengruppe
  • ab 2018 ein neues Einsatzauto für die Feuerwehr 
  • Nach dem tödlichen Unfall bei Griesstätt hat die Gemeinde beim Straßenbauamt eine Geschwindigkeitsbegrenzung für die Umgehungsstraße beantragt.

Am Ende zählt das Kreuzl

Die Bürgermeisterwahl geht in den Endspurt. Aßmus möchte "das Schiff Griesstätt künftig wieder in ruhigere Gewässer bringen." Gerüchten zufolge könnte die Wahlbeteiligung am 25. Juni bei unter 30 Prozent liegen. Aßmus erklärt dazu: "Ich kann nur an jeden der etwa 2.100 wahlberechtigten Bürger appellieren, am Sonntag zur Wahl zu gehen und den Gerüchten damit den Garaus zu machen. Jede Stimme zählt!

Wir berichten am Sonntag, 25. Juni, aktuell aus der Gemeinde zur Neuwahl des Griesstätter Bürgermeisters. 

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