Grobe Unsportlichkeit im eigenen Sportverein

Wasserburg - Chaotische Zustände herrschten bei der Abrechnung von Getränken in einem Sportverein aus dem Raum Wasserburg. Am Ende fehlten mehrere tausend Euro in der Kasse.

"Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!" ist eine Redewendung, die sich auch ein Sportverein aus dem Raum Wasserburg zu Herzen nehmen hätte sollen. Denn am Ende fehlten dem Verein nach eigenem Empfinden mehrere tausend Euro in der Vereinskasse. Verantwortlich gemacht wurde eine 24-jährige Küchenhilfe, die mit einem mündlichen Arbeitsvertrag im März 2008 eingestellt worden war, um die Bewirtung sowie die Reinigung des Vereinsheims zu übernehmen, die Einkäufe zu tätigen und die überschüssigen Einnahmen auf ein Vereinskonto einzuzahlen.

Bis Mitte Mai 2009 funktionierte das Arrangement auch weitgehend zur Zufriedenheit der Vereinsbosse, doch dann stellte der Kassier fest, dass keine Zahlungen mehr auf das betreffende Konto eingingen und das, obwohl mit Saisonspielen, Meisterschafts- und Saisonabschlussfeiern nachweislich viel Betrieb auf dem Sportplatz geherrscht hatte. Nachdem die Situation nicht geklärt werden konnte, erstattete der Kassier Anzeige.

Nun musste sich die 24-Jährige erneut vor dem Amtsgericht Wasserburg wegen des Verdachts auf Untreue und Unterschlagung von 4000 Euro verantworten. Das erste entsprechende Verfahren war gegen eine Geldauflage von 800 Euro eingestellt worden, die hatte die Frau aber nicht bezahlt.

Im Rahmen der Beweisaufnahme stellte sich dann heraus, dass die Situation zwischen den Beteiligten ziemlich verfahren war. Die Angeklagte hatte aufgrund finanzieller Engpässe telefonisch versucht, mit dem Vorsitzenden des Vereins eine Ratenzahlung zu vereinbaren. Laut ihrer Aussage habe der Mann jedoch nicht mit ihr reden wollen und im Gegenzug zusätzlich in mehreren Schreiben 3200 Euro Schadenersatz gefordert.

Wie die Verantwortlichen auf diese Summe gekommen waren, erschloss sich dem Gericht auch nach der Beweisaufnahme nicht. Denn es gab keine konkreten Zahlen. Anhand der Einkäufe habe man mögliche Umsätze hochgerechnet und gewisse Abschläge zu Gunsten der Angeklagten vorgenommen, erläuterte der Kassier dem Gericht. Eine Bestandsaufnahme habe er aber nicht vorgenommen. Auch der Vorsitzende konnte nicht viel Konkretes zum Sachverhalt beitragen. Er habe der Angeklagten am Anfang des Arbeitsverhältnisses die Schlüssel und einen Geldbeutel mit 300 Euro Wechselgeld in die Hand gedrückt und die Frau angewiesen, Einzahlungen auf das Konto zu leisten, wenn zu viel Geld im Geldbeutel sei. Es hätten keine weiteren Kontrollen stattgefunden und man habe auch darauf vertraut, dass Abteilungen des Vereins, die sich im Getränkelager bedienten, dies auch sorgfältig aufschrieben.

Die fehlenden Einnahmen berechnete er mit Erfahrungswerten, Hochrechnungen und dem Zielumsatz und räumte ein, dass er selbst den Warenbestand nicht überprüft habe. Möglicherweise habe dies der Abteilungsleiter Fußball getan, der das Sportheim im Anschluss bis zu einer Neuvergabe bewirtschaftet hatte. Allerdings sei der Getränkebestand überschaubar. In der Kühlzelle hätten 20 bis 30 Getränkekisten Platz. Teilweise seien noch einige Kisten im Vorraum gelagert.

Die Angeklagte wollte eingangs keine Angaben machen, rechnete dann aber doch noch mit den Verantwortlichen des Vereins ab. Sie räumte ein, dass sie 1200 Euro einbehalten hatte, weil sie den letzten Lohn und die Arbeitspapiere nicht erhalten habe. Deshalb sei sie sauer gewesen. Außerdem habe sie zu diesem Zeitpunkt nichts zum Leben gehabt. Immer wieder habe sie beanstandet, dass das Schloss am Getränkelager kaputt sei und öfter auch Flaschen fehlten, doch das habe keinen interessiert. Zu Fußballübertragungen im Vereinsheim habe ein Spieler immer ihren Geldbeutel und die Schlüssel geholt, und bei Heimspielen habe die Fußballabteilung Getränke aus ihrem Lager am Spielfeld verkauft. Dabei habe sie den Überblick verloren.

Sowohl das Gericht als auch die Staatsanwaltschaft sahen den Tatbestand der Veruntreuung und Unterschlagung erfüllt, wobei es laut Gericht nicht nur an der Angeklagten gelegen habe, dass das Verfahren nochmal aufgenommen werden musste. Die Staatsanwaltschaft forderte eine Geldbuße von 50 Tagessätzen zu je 25 Euro, sah die Höhe des Schadens aber nicht bestätigt, da der Verein die Vorgänge nicht genau genug protokolliert und die vorhandenen Warenbestände dokumentiert habe.

Das Gericht war derselben Ansicht, und verurteilte die Angeklagte, die bisher noch nicht mit dem Gesetz in Konflikt geraten war, zu einer Geldbuße von 30 Tagessätzen zu je 25 Euro und den Kosten des Verfahrens. Dafür bekomme sie eine Rechnung von der Staatsanwaltschaft, ansonsten müsse sie nichts bezahlen, betonte das Gericht. Da es keine Einsprüche gab, wurde das Urteil bereits rechtskräftig.

ca/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

Zurück zur Übersicht: Region Wasserburg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser