Große Offenheit gegenüber dem Kindergärtner

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Christian Neef mit seinen Kindern.

Soyen - Bayerische Kindergärten werden zu 98 Prozent von Frauen geleitet. Einer der wenigen männlichen Leiter ist Christian Neef - er lenkt die Geschicke des Soyener Integrationskindergartens.

Drei Erzieherinnen, eine Kinderpflegerin, eine Heilpädagogin sowie eine Praktikantin arbeiten im Soyener Integrationskindergarten mit 18 bis 20 Kindern, fünf bis sieben sind Integrationskinder. Der Kindergarten wird über den "Verein zur Förderung der Kinder im Vorschulalter" geführt, Entscheidungen können direkt im Haus schnell und unkompliziert gefällt werden.

Nach mehreren Wechseln der Leiterinnen in kurzer Folge hat sich nun Christian Neef seit einem Jahr als neuer Chef etabliert und er zeigt sich recht zufrieden.

Neef gehört zu den zwei Prozent der männlichen Erzieher in den bayerischen Kindertagesstätten, in Norddeutschland sind es immerhin schon elf Prozent. Christian Neef kennt drei weitere Kollegen in der Umgebung, da sie zufälligerweise anfangs zusammen in einem Kindergarten in Grafing arbeiteten. Dort hatte Neef nach seiner Ausbildung 2003 die Leitung übernommen und leistete "Aufbauarbeit", wie er sagt, bis er schließlich nach Soyen kam.

Wird ein Mann in einer eher frauentypisch besetzten Rolle eher skeptisch aufgenommen? "Nein, ich bin mit ganz großer Offenheit empfangen worden", antwortet Christian Neef, "Kinder und Eltern waren begeistert." Beim Thema, dass in Kindergärten fast nur Frauen arbeiten, an Grundschulen auch immer weniger Lehrer unterrichten und bei Alleinerziehenden oft der Vater fehlt, sieht der Leiter kein Problem. "Männer und Frauen können den Kindern gleich viel mitgeben", meint Neef. Momentan seien Erzieher und Erzieherinnen gleichermaßen willkommen, da seit drei Jahren ein großer Mangel auf dem Arbeitsmarkt herrsche. Neef sieht hier auch die Arbeitsämter und die weiterführenden Schulen in der Pflicht, denn sie böten generell zu wenig Praktika an, beziehungsweise für junge Männer nur selten ein Praktikum in frauentypischen Berufen.

Neef selbst wechselte in diesen Beruf nach der Geburt der ersten Tochter, die heute 13 Jahre alt ist. Vorher war der dreifache Vater kaufmännisch tätig. "Insgesamt kann man sagen, kriegt man für die Verantwortung, die ein Erzieher für die Kinder trägt, zu wenig Geld, aber man hat auch gute Möglichkeiten nebenbei andere Tätigkeiten anzunehmen", beurteilt Neef die finanzielle Situation der Erzieher, deren Ausbildung normalerweise fünf Jahre dauert. Der Leiter ist nebenher noch als qualifizierter Basketballtrainer in Rott und Edling beschäftigt und gibt auch Nachhilfestunden in Wasserburg, seine Frau ist ebenfalls als Erzieherin beschäftigt.

Bei der Erziehung der Kinder in der Einrichtung sieht Neef die Hauptaufgabe darin, die Kinder auf das Leben gut vorzubereiten, ihr Selbstvertrauen zu stärken und das Sozialverhalten zu fördern. Kinder sollen im späteren Schulalltag und zu Hause gut zurechtkommen und es soll ihnen Hilfe zur Selbsthilfe gegeben werden. So ergeben sich viele Programmpunkte der Einrichtung situationsbezogen, zum Beispiel ein Spaziergang und Besuch bei einer Kindergartenmutter, bei der Maibaumaufstellung teilzunehmen. Es gibt Waldwochen und die christlichen Feste und Traditionen wie Ostern und Weihnachten werden gepflegt.

Auf die Frage, was er am liebsten mit Kindern macht, sagt er "Eigentlich alles, aber es gibt schon die klassische Rollenverteilung. Während zwei der weiblichen Erzieherinnen gerne basteln, werde ich von den Kindern eher darauf angesprochen, in die Werkstatt zu gehen oder Fußball zu spielen" - was dem sportbegeisterten Christian Neef sicher auch zusagen dürfte.

mbe/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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