Große Summen, wenig Probleme

Wasserburg - Ohne große Aufreger geht es derzeit in der Stadtpolitik ab. Das ist zumindest der Eindruck nach der ersten Bürgerversammlung. Dort ärgerten sich die Bürger vor allem über nächtliche Ruhestörung.

Eine politische Wertung konnte man aus der Reihenfolge der Themen ablesen, die Bürgermeister Michael Kölbl diesmal wählte. Am Beginn stand der Klimaschutz, es folgte der Sozialbereich.

Der "Energiedialog Wasserburg 2050" hat das Thema auch in den zurückhaltenden zwei Jahren lebendig gehalten, als die übermächtige Wirtschaftskrise die allgegewärtigen Klimaveränderungen und ihre Folgen plötzlich zur Nebensache werden ließen. Michael Kölbl sah aber nach wie vor Stadt und private Haushalte gefordert, an den ehrgeizigen Zielen zur CO2-Reduzierung festzuhalten. Die Stadt hatte neben der Informationsarbeit dabei beispielsweise Gebäudesanierungen im Auge, außerdem über die Stadtwerke die Umstellung auf regenerative Stromquellen.

Zuschussbetrieb Kindergärten

Mit Beispielen für die hohen Ausgaben im Sozialbereich untermauerte der Bürgermeister den Anspruch Wasserburgs, vor allem auch Familien zu unterstützen. 507 Kinderbetreuungsplätze gebe es in Wasserburg, jedes Kind werde dort im Schnitt mit 1761 Euro pro Jahr unterstützt - plus die Investitionen. 900 000 Euro Zuschüsse pro Jahr für die Kindergärten, Krippen, den Hort: "Das tut uns nicht leid, das ist uns sogar wichtig", betonte Kölbl.

Beispiele für indirekte Subventionen waren das Badria, wo jede Eintrittskarte mit rund fünf Euro bezuschusst wird, die Bücherei (125 000 Euro Zuschuss) oder der Stadtbus: Auch nach der Tariferhöhung kostet eine Kinder-Jahreskarte 100 Euro, der tatsächliche Wert ist 349,80 Euro. In der Vorbereitung ist außerdem ein Familienpass, der einkommenschwächere Familien umfassend unterstützen soll.

Um enorme Summen ging es auch bei den städtischen Liegenschaften: Brucktor-Sanierung für fünf Millionen, Bahnhof Reitmehring 1,8 Millionen und 2011 der größte Brocken Hauptschul-Sanierung. Die hat sich etwas verzögert wegen des komplizierten Ausschreibungsverfahrens.

Bei den Infrastruktur-Projekten wird das Jahr 2011 vom Kanalbau nach Attel (2,5 Millionen) und dem Bau des Busbahnhofes am ehemaligen Bahnhofsgelände (1,7 Millionen) dominiert. Dort wird es auch gründliche Umgestaltungen geben, die auf weitere 800 000 Euro geschätzt werden.

Damit ist jetzt schon klar, dass 2011 für den Haushalt der Stadt ein schwieriges Jahr wird - vor allem auch, weil die Kreisumlage als Nachholeffekt von 2009 besonders hoch ausfallen wird.

Eine ausführliche Zusammenfassung des Gutachtens zur Altstadt-Bahn stimmte dann auf die Frage-Runde mit den rund 40 Altstadt-Bewohnern ein, eine im Vergleich zu den Vorjahren relativ hohe Zahl. Das eindeutig negative Ergebnis zur Wirtschaftlichkeit der Bahn-Reaktivierung sorgte für ein paar Anmerkungen aus dem Publikum. So wurde die Frage gestellt, ob denn ein dieselbetriebener Zug umweltfreundlicher sei als ein Bus. Andererseits wurden die im Gutachten errechneten Kosten relativiert: Der Busbahnhof koste ja auch eine Menge, und 400 000 Euro jährlicher Betriebskostenzuschuss seien deutlich weniger als beispielsweise das Badria-Defizit.

Insgesamt legten die anwesenden Altstadt-Bürger - die ja in erster Linie profitieren würden - aber offensichtlich wenig Wert auf eine Bahnverbindung, zu der es parallel in jedem Fall weiter den Stadtbus geben müsse, wie Kölbl betonte. Kritik an den 60 000 Euro für das Gutachten ließen die Stadträte nicht gelten. Man brauche einfach eine gesicherte Entscheidungsgrundlage.

Die Wortmeldungen beschäftigten sich vor allem mit der Wohnsituation in der Altstadt: Am Wochenende sei es beispielsweise am Palmano-Block "eine Katastrophe" mit randalierenden und wild urinierenden Jugendlichen.

Wohnen in der Altstadt schwierig

Alkoholkonsum auf der Straße, Besäufnisse am Inn-Grillplatz, wildes Parken in der Landwehrstraße, Nacht-Raser in der Tränkgasse, Parküberwachungsprobleme und verdreckte Container in der Überfuhrstraße waren weitere kritische Anmerkungen.

Vor allem das Alkohol-Problem sei nicht einfach zu lösen, bedauerte der Bürgermeister. "Wir haben da rechtlich nur ein sehr stumpfes Schwert. Wenn jemand weiß, wie man das vernünftig regeln kann, bitte melden."

koe/Wasserburger-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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