Gülle erhitzt weiter die Gemüter

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Die Sperrzeit ist vorbei: Gülle ist wieder auf den Wiesen und Äckern in der Region sichtbar. Dabei ist nicht jeder Dung auf Schnee oder gefrorenem Boden ordnungswidrig. Hier gelten Richtlinien: Entscheidend ist die Bodensättigung, ob der Schnee über fünf Zentimeter hoch ist oder ob es tagsüber taut.

Landkreis - Seit einer Woche dürfen die Bauern wieder Gülle auf die Felder fahren. Die "Winterpause" ist vorbei. Doch die braun-gefärbten Felder in der Region erhitzen weiter die Gemüter.

Bürger befürchten Verunreinigungen der Gewässer. Dabei sind die Richtlinien fürs Ausfahren von Gülle streng festgesetzt. "Schwarze Schafe" werden von den Behörden mit Bußgeldern und Kürzungen der staatlichen Betriebsprämien belangt.

Die Güllegruben sind voll. Die Landwirte freuen sich über die milden Temperaturen der vergangenen Tage und düngen Wiesen und Äcker. Etliche Anzeigen sind bereits bei Polizei, Landratsamt und dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten eingegangen. Zahlreiche Bürger meldeten sich dort, kritisierten das Odeln und befürchten, dass die Gülle das Grundwasser oder anliegende Bäche und Flüsse verunreinige.

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Zwar gibt es "schwarze Schafe", doch die Mehrheit der Landwirte hält sich an die geltende Düngeverordnung. Diese besagt nach Angaben von Landratsamtsprecher Oliver Winter, dass in der Kernzeit - meist von 1. Dezember bis Ende Januar - nicht gedüngt werden darf. Aufgrund von Frost und Schnee kann, wie heuer auch notwendig, das Ausbringverbot bis Mitte Februar verlängert werden. "Viele Landwirte haben mit dieser langen Sperrfirst ein Problem, denn ihre Güllegruben haben nicht so ein großes Fassungsvermögen", weiß Landesbäuerin und CSU-Landtagsabgeordnete Annemarie Biechl. Sie verwies gegenüber unserer Zeitung auf die wertvolle und für die Landwirte wichtige Düngung der Äcker und Wiesen. "Ein Problem ist, dass viele Laien sich nicht mit den genauen Vorgaben für Gülle auskennen und meinen, hier würden Fehler gemacht", so Biechl. Sie warnte eindringlich davor, anhand vereinzelter "schwarzer Schafe" den gesamten Bauernstand über einen Kamm zu scheren.

Die Verordnung besagt nach Angaben des Bayerischen Bauernverbands, dass bei schneebedecktem (höher als fünf Zentimeter), tiefgefrorenem oder wassergesättigtem beziehungsweise überschwemmtem Boden keine Gülle ausgebracht werden darf. "Die Bezeichnung gefroren bezieht sich dabei darauf, dass der Boden tagsüber nicht auftauen darf. Dies ist derzeit aber der Fall", so Winter vom Landratsamt. Das bestätigte auch Landwirtschaftsdirektor Konrad Krenzler vom Landwirtschaftsamt in Ebersberg. Bis Oktober vergangenen Jahres - damals erfolgte eine Verlagerung des Fachzentrums für Agrarökologie nach Pfaffenhofen an der Ilm - war er für die Überwachung des Gülleausbringverbots in der Region zuständig. "Wird eine Zuwiderhandlung gemeldet, wird diese von uns geprüft und gegebenenfalls mit einem Bußgeld geahndet", so Krenzler. 200 bis 250 Euro seien dabei schnell fällig. Hinzu kämen Kürzungen bei Betriebsprämien. "Dies kann weitere 500 bis 1000 Euro ausmachen." Anders liege der Fall bei Verunreinigungen des Wassers. Da würde das zuständige Landratsamt beziehungsweise Wasserwirtschaftsamt tätig werden. Ein flächendeckendes Ausbringverbot gebe es außerhalb der Kernsperrfrist nicht. Dies hänge schließlich von zahlreichen örtlichen Faktoren wie Schmelzwasser oder Regenfällen ab.

Landesbäuerin Biechl will zudem beim nächsten Treffen des zuständigen Arbeitskreises im Landtag erneut den Antrag einbringen, auf die Kernsperrzeit für Gülle zu verzichten. "Ich bin zwar schon einmal mit diesem Anliegen gescheitert, es ist aber brisanter denn je", betonte Biechl. Denn: Die Erfahrung aus den vergangenen Jahren habe gezeigt, dass die Sperrzeit verzichtbar ist. So könnte dann beispielsweise in einem milden Januar gedüngt werden - ganz regelkonform.

re/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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