Trotz Hagel-Sommer gibt's heut ein Schmankerl

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Plattgewalzt und niedergemäht: Solche Bilder von zerstörten Maisäckern gab es im Juni zuhauf. Doch trotz der Wetterkapriolen fällt die Ernte im Landkreis Rosenheim heuer zufriedenstellend aus.

Rosenheim - Trotz des Hagel-Sommers 2011 werden am Freitag auf der "Schmankerlstraße" Milch, Obst, Honig und Brot aus dem Raum Rosenheim kredenzt.

Dabei stellt sich die Frage: Wie ist es den heimischen Landwirten im Hagel-Sommer 2011 eigentlich ergangen? Im Gespräch mit unserer Zeitung zogen BBV-Vorsitzender Josef Bodmaier und Kreisbäuerin Rosalinde Riepertinger jetzt Erntebilanz - und sie fällt längst nicht so schlecht aus wie im Frühjahr befürchtet.

"Den Strukturwandel kann auch ein stabiler Milchpreis nicht bremsen": BBV-Chef Bodmaier

Erst die Dürre im April, dann die verheerenden Hagelwalzen und Orkanböen im Juni - die Wetterkapriolen machten vielen Bauern anfangs schwer zu schaffen. "Es war deprimierend, die nach dem ersten Grünlandschnitt gerade mal halbvollen Silos zu sehen", erinnert sich Bodmaier, Chef des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) im Landkreis Rosenheim, an einen Stotter-Start ins Erntejahr 2011. Die erste Mahd - also der erste von drei bis fünf Grünschnitten - war nämlich dürftig ausgefallen. Dafür wurden die Bauern im Juli und August entschädigt. Da hat es in ausreichenden Mengen geregnet und zwischendrin sorgte die Sonne wieder für trockene Verhältnisse - "ideales Heuernte-Wetter", so Bodmaier. So werden viele Landwirte die anfänglichen Verluste mehr als wettgemacht haben, wenn sie im Oktober den letzten Schnitt silieren.

Weil Futtermais ein hochwertiger Energielieferant für Kühe ist, gibt es im Raum Rosenheim kaum einen Milchbauern, der nicht auch Mais erntet. Diejenigen, die ihre Äcker in den Unwetterschneisen haben, standen im Juni vor hektarweise niedergemähten Jungpflanzen. Drei Monate später erklären Bodmaier und Riepertinger: "Die Maisbestände sind gut bis sehr gut." Selbst die vom Hagel betroffenen Bauern, die ein zweites Mal sähten, dürften noch auf eine zufriedenstellende Maisernte hoffen - auch wenn den Pflanzen Sonnenstunden fehlen und sie damit weniger Energie liefern.

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Auch was den Literpreis betrifft, hat der Milchviehstandort Rosenheim schon schlechtere Zeiten gesehen. Zwischen 60.000 und 65.000 Kühe, die sich auf etwa 1900 Betriebe im Landkreis verteilen, liefern im Jahr rund 375.000 Tonnen Frischmilch. Der Erzeugerpreis bewegt sich mit 40 Cent pro Liter (inklusive Steuer) seit Monaten auf einem stabilen Niveau, nachdem er vor Jahren sogar auf unter 30 Cent abgesackt war. Doch auch ein guter Milchpreis könne den Strukturwandel in der Landwirtschaft nicht mehr aufhalten, so Bodmaier. Zwischen zwei bis vier Prozent der Höfe werden jährlich aufgegeben. Weniger Milch wird deshalb aber nicht produziert, weil sich gleichzeitig die Bestände der anderen Betriebe vergrößern.

So mancher Milchbauer investiert kräftig, um wettbewerbsfähiger zu werden. Alte Anbindeställe werden durch effektivere Laufställe ersetzt, und vor allem die jungen Landwirte setzten auf modernste Technik und legen sich für viel Geld (100.000 bis 150.000 Euro) einen Melkroboter zu, der den Alltag auf einem Hof revolutioniert.

Mit Rindfleisch lassen sich derzeit gute Preise erzielen - nicht aber mit Schweinefleisch. "Sehr zufrieden", so Bodmaier, sind die Imker und Obstbauern, die sich über viel Honig beziehungsweise Äpfel und Birnen in höchster Qualität freuen dürfen - zumindest dort, wo der Hagel nicht zugeschlagen hat. Sorgen bereitet Bodmaier und Riepertinger aber der Preisverfall beim Bienenhonig. Wenn das Glas im Supermarkt-Regal förmlich für drei Euro "verramscht" werde, sei das bedenklich.

Auch die Änderungen in der Biogasförderung im Zuge der Neufassung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes erwarten die Landwirte mit Skepsis. Viele kleinere Anlagen in der Region könnten dadurch unrentabel werden, so wird befürchtet.

Ludwig Simeth (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: rosenheim24.de

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