Kritisch, politisch, an Werten orientiert

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"Lean on me", lehn dich bei mir an - so sang die Garser K 13-Band am Ende befreit, und die Abiturienten fühlten sich offensichtlich entsprechend.

Gars - Der Glaube an den Kapitalismus ist dahin im Gymnasium Gars: Kritische Töne und die Betonung menschlicher Werte jenseits von Profitdenken gab es in fast allen Ansprachen bei der Abiturfeier.

102 Kollegiaten traten am Garser Gynmasium zum Abitur an und 102 bekamen gestern auch ihr Reifezeugnis überreicht im Rahmen einer von den Schülern musikalisch anspruchsvoll umrahmten Feier, wie es hier Tradition ist.

Schulleiter Gunter Fuchs hatte für seine Absolventen Untersuchungen über die Jugend und ihre Einstellungen ausgewertet, die zu einem recht kritischen Resumee führten: Vielleicht, so seine Überlegung, wollten Politik und Banken gar nicht, dass sich Jugendliche wirklich so intensiv mit Geld- und Finanzthemen beschäftigten und politisch aktiv würden, wie dies eine der Studien fordere. Ansonsten würde möglicherweise beispielsweise das Ungleichgewicht zwischen Bildungsausgaben und der Subvention von Großbanken zu politischen Konsequenzen führen, die so vermutlich nicht erwünscht wären.

"Lassen Sie sich die Butter durch nichts und durch niemanden so ohne Weiteres vom Brot nehmen", so sein Apell. Gleichzeitig erinnerte Fuchs aber auch daran, wie privilegiert gut gebildete Jugendliche auf dieser Welt sind: Nur ein Prozent der Weltbevölkerung habe einen akademischen Abschluss.

Einen Rat in ähnliche Richtung hatte Kurt Wapler, der Vorsitzende des Elternbeirates, parat: Die Abiturienten sollten bei der Berufswahl auf ihr Herz hören. "Geld ist da wirklich nicht das Wichtigste", vielmehr gehe es zuerst um Lebens-Zufriedenheit.

Und Abiturientensprecher Christian Greilmeier meinte nach einigen launigen Erinnerungen an die Schulzeit: "Werte müssen Materiellem übergeordnet sein. Das war auch an unserer Schule immer wichtig."

Landrat Georg Huber erinnerte daran, dass das Abitur nur eine Momentaufnahme sei. Lebenslanges Lernen erwartete er selbstkritisch aber nicht nur von den Schülern, sondern auch und gerade von der Politik. Die Garser Schüler hätten dafür das Rüstzeug auch in Form von sozialer Kompetenz vermittelt bekommen, war er überzeugt.

Schließlich warb als letzter offizieller Gratulant Josef Jäger als Vorsitzender des Fördervereins darum, die teils intensiven Bindungen an das Gymnasium Gars nicht einfach abreißen zu lassen. Jäger lieferte auch geschickt verpackt eine von zwei kritischen Anmerkungen der Feier: Sein Verein würde gerne einen Beachvolleyballplatz finanzieren, wenn ihn das Landratsamt endlich genehmigen würde.

Zuvor hatte Christian Greilmeier vielen Schulverantwortlichen gedankt, dabei aber auch den Wunsch geäußert, den Schülern "etwas mehr politische Unterstützung zu geben" - offensichtlich eine Anspielung zu Diskussionen um die Schülerstreiks des letzten Jahres, die auch Gunter Fuchs in seiner Ansprache erwähnt hatte.

Nach der Überreichung der Abiturzeugnisse, bei der die Schüler von ihren Kollegen mit kurzen Videoclips vorgestellt wurden, gab es eine Anzahl von Ehrungen für die besten und besonders engagierte Schüler, vom Sanitätsteam über Orchester und Chor bis zu SMV und Schülerzeitung. Ausgezeichnet wurden auch die besten Facharbeiten und einige Theaterspieler. Erstmals wurde am Garser Gymnasium auch der "Schletter-Preis" vergeben.

Schließlich bildete ein reichhaltiges Buffet im Schulhof für die Absolventen nach neun Jahren den Rahmen für die letzten offiziellen Schulstunden in Gars.

koe/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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