Haager trotzten auch Reinheitsgebot

Detektivische Fähigkeiten verlieh offensichtlich das Moy Special von der größten Haager Brauerei. Die hätte man in früheren Zeiten auch bei der Bier-Verkostung brauchen können, als sich die Haager Brauer nicht an das Reinheitsgebot halten wollten.

Haag - In die Welt des "Bieres im Haager Land" führten den Haager Rudolf Münch seine neuesten Forschungen. Das Manuskript des Buches liegt vor, für die Publikation wird noch ein bierfreundlicher Sponsor gesucht.

Haag - Herausgeber des neuen Werkes soll die "Kanzlei der Grafschaft Haag" sein. Die alten Pläne von Brauereien stammen aus dem Hauptstaatsarchiv, die Raritäten mit Bildern vom historischen Bierfilzl bis zu Krügen und Etiketten stellten die Brauereien zur Verfügung. Jetzt geht nur noch der Sponsor ab, der alles für eine solide Buchausgabe finanziert.

Rudolf Münch macht sich über die Zukunft seines neuesten Werkes keine Sorgen: "Das wird ein Bestseller." Bier habe nach wie vor einen hohen Stellenwert. So könnte es etliche Interessenten für eine "Kulturgeschichte des edlen Gerstensaftes" geben.

Von 41 blieben noch drei übrig

Untersucht wurden 41 Brauereien des Haager Landes im ehemaligen Grafschaftsbereich. Das sind neun große Braustätten und 31 Hausbrauereien. Drei davon sind heute noch aktiv: Stierberg, Loh und Unertl Haag.

Der Index der knapp 80 Seiten umfassenden Buchvorlage listet alle Brauereien auf. Ihnen folgen die "Tafernen", Wirtshäuser und Schankstätten. Der umfangreiche Bildteil zeigt neben den Bauplänen des gräflichen Haager Brauhauses einiges, was nicht einmal die Alten noch kennen. "Moy Bier - Mein Bier" ist noch vielen im Ohr. Wer aber kannte schon ein Bierfilzl "In jedem Fall Moy spezial" mit Detektiv und Lupe?

Die Filzl lassen den Stier von Stierberg aufleben, das extrige Hochzeitsbier, den alten Unertl-Laster und weise Sprüche wie "Zuhause rat ich dir, trinke Bauer Flaschenbier!" Etiketten weisen das Flaschenpfand von 20 Reichspfennigen aus. Biermarken galten einst zum Haager Volksfest für einen Liter Festbier oder als Kontrollkarte für 60 Pfennige "Lustbarkeits-Abgabe". Als "wirklich wertvoll" stuft Rudolf Münch die abgebildeten Beispiele für das Haager Biergeld ein.

Erst Klima führte vom Wein zum Bier

Im Rückblick auf die Trinkgewohnheiten der Vorfahren im Haager Land stellt der Historiker Rudolf Münch fest, dass man zumindest im Mittelalter vor allem Wein genoss, teils aus Südtirol, teils aus eigenen Anbaugebieten bei Ramsau und Diezmanning. Auf Grund einer Klima-Abkühlung habe man dann ab etwa 1500 die Produktion von Bier bevorzugt. Dabei verwendete die gräfliche Brauerei in Haag anfangs nur Gerste zur Malzgewinnung und stellte nur dunkles Bier her.

Das helle Bier, früher wegen der Farbe Weißbier genannt, folgte, darf aber nicht mit dem in der Neuzeit erst eingeführten "Weißen" aus Weizen verwechselt werden.

Für das allgemein gültige deutsche Reinheitsgebot waren die Haager laut Münch nicht zu gewinnen: Die Bewohner der freien Grafschaft lehnten es ab, ein Gebot von Bayern zu befolgen. Erst der Landrichter Pettenbeck, nach dem heute noch der Baum am Hofgarten benannt ist, verdonnerte auch seine Landsleute dazu, "bei höchster Strafandrohung" nur Wasser, Malz und Hopfen zu gebrauchen. Der "Pierprew" (Bierbräu) hatte in seinen Sud bisher auch Kräuter und Wurzeln gerührt.

"Merzenpier"

So durchstreift Rudolf Münch mit seinen Recherchen das ganze Haager Land und wird beim "Haustrunk", bei den "Nothwirten", beim "guten Pier", "Merzenpier" und "Speispier", dem berühmten "Scheps", fündig.

Abenteuerlich war übrigens nicht nur die Haager Braumischung, sondern auch das Maß jener Zeit: Man rechnete nach Eimern, 60 Mass.

Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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