Haben Senioren überhaupt eine Chance?

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Unter den Augen des Bauausschusses und der Polizei versuchte Maria Weber bei dem Ortstermin, mit ihrer Gehhilfe die Staatsstraße zu überqueren - und gab schließlich auf.

Wasserburg - Ein Altenheim mitten in der Altstadt ist eine schöne Sache. Weniger schön, dass die Senioren von der Burg aus das Zentrum nur sehr beschwerlich erreichen. Die Lösung ist weiter offen.

1995 stellte die damalige Seniorenreferentin Anne von Loewenfeld zum ersten Mal einen Antrag, den Weg der Senioren von der Burg in die Stadt zu erleichtern. Seither wurden mehrere Konzepte erstellt - und immer wieder verworfen.

So auch das letzte: Ein Zebrastreifen sollte von der Burg über die Staatsstraße zum Gehweg auf der Stadt- also Nordseite führen, der mit relativ wenigen Stufen an der Schmidzeile entlang in die Altstadt verläuft. Gleichzeitig wollte die Stadt den Gehweg von der Rampe her auf der Südseite verlängern. Die Schüler aus der Burgau, deren offizieller Schulweg hier entlang führt, hätten dann ebenfalls sicher queren können.

Nachdem die Planung grundsätzlich erstellt war, kam nun das Aus aus dem Landratsamt: Für einen Zebrastreifen gebe es eindeutig zu wenig Fußgängerfrequenz, so die Verkehrsbehörde.

Bei einem Ortstermin wurde andererseits schnell klar: Ohne Unterstützung sind die meisten der älteren Heimbewohner chancenlos. Zu viele Autos - rund 4500 am Tag - kommen zu schnell und aus zwei Richtungen, von denen eine kaum einsehbar ist. Selbst fitte Fußgänger müssen an der Burg-Ausfahrt gut schauen, wenn sie über die Straße wollen. Heimbewohnerin Maria Weber demonstrierte mit ihrem Rollator eindrucksvoll die Schwierigkeit - und das außerhalb der Stoßzeit und obwohl derzeit wegen einer Baustelle die Fahrtrichtung stadtauswärts sogar gesperrt ist.

Von den Heimverantwortlichen wurde daher klar gemacht, dass man derzeit in vielen Fällen die Spaziergänge der Senioren in die Stadt aus Sicherheitsgründen gar nicht gerne sehe, und das, obwohl viele von ihnen hier ihre Wurzeln und Beziehungen haben und grundsätzlich natürlich "unter die Menschen" gehen sollen und wollen.

Dieses Problem sah auch Horst Zantner als Vertreter des Straßenbauamtes - aber gleichzeitig noch viele andere. So ist der Weiterweg der Senioren in die Stadt bisher auch nicht rollstuhlgerecht, und wird es nie sein: Die Schmidzeile hat neun Prozent Gefälle, für Rollstühle dürften es nur sechs Prozent sein. Und in der Kurve gilt es derzeit, einige Stufen zu überwinden. Hier denkt allerdings die Stadt an eine andere Lösung mit Verengung der Fahrbahn. Auch derzeit sei ja schon in der Praxis der Verkehr nur wechselweise möglich, so Stadtbaumeister Manfred Förtsch-Menzel.

Zantner wies außerdem auf die Vorgaben der Straßenverkehrsordnung hin: Für Zebrastreifen oder Bedarfsampeln seien Mindestfrequenzen erforderlich, die hier sicher nicht gegeben seien. "Es geht doch um Lösungen, nicht um Vorschriften", wurde dem aus dem Kreis des Bauausschusses entgegen- gehalten. Eine Bedarfsampel beispielsweise würde den Verkehr nur dann "stören", wenn sie in Betrieb ist, der Übergang also wirklich genutzt wird.

Trotz aller Bedenken will die Stadt aber nun vorangehen. Es wurde ein Planungsauftrag für eine Fahrbahnverengung an der Burg-Ausfahrt als Minimal-Lösung gegeben. Dabei soll praktisch nur eine Fahrspur frei bleiben, die dann abwechselnd genutzt werden müsste. Mit dieser Verlangsamung hätten die Senioren vielleicht eine Minimal-Chance. Außerdem soll der Planer untersuchen, ob der Gehweg in der Schmidzeile seniorenfreundlich verbessert werden kann. Und er soll einen Entwurf für eine Querungshilfe für Fußgänger am oberen Ende der Rampe erstellen. Diese Kreuzung, so wurde am Rande des Ortstermins kritisiert, würde man ja heute wohl auch nicht mehr so fußgängerunfreundlich planen.

Entscheidend wird nun die Haltung der Verkehrsbehörde im Landratsamt, deren Fehlen bei dem Termin bedauert wurde. Auf Nachfrage der Redaktion machte Amtssprecher Michael Fischer allerdings keine große Hoffnung. Für einen Zebrastreifen beispielsweise sei eine Frequenz von 50 Fußgängern pro Stunde erforderlich. Ausnahmen gebe es, aber die Zahlen müssten zumindest "annähernd" in dieser Dimension liegen.

koe/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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