"Pro Bahn" kämpft gegen endgültige Stilllegung

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In der Luft hingen die Gleise der Altstadtstrecke heute vor 25 Jahren. Niederschläge hatten für einen Dammrutsch gesorgt. Ein Vierteljahrhundert später will "Pro Bahn" die Wiederherstellung der Trasse erreichen.

Wasserburg - Aus Sicht von Bahnfreunden war der 2. März 1987 katastrophal: Ein Dammrutsch unterbrach die Strecke zwischen der Altstadt und Reitmehring.

Es schien alles klar zu sein: Am 28. Juli 2011 stimmte der Stadtrat mit 18:7 Stimmen gegen eine Reaktivierung der Altstadtstrecke und beauftragte die Verwaltung, die Entwidmung der Trasse zu beantragen, sie also rechtlich von der Bahntrasse zu anders nutzbaren Flächen zu machen. Seither wird die Auseinandersetzung eher hinter den Kulissen geführt, angetrieben von Wasserburger "Bahnfreunden", die sich unter dem Dach des Fahrgastverbandes "Pro Bahn" zusammengefunden haben. Gegen die endgültige Stilllegung fährt Pro Bahn juristische Geschütze auf.

Ihre Hoffnung, die "drohende Entwidmung noch verhindern zu können", wie der Wasserburger Pro Bahn-Sprecher Bernd Meerstein das erste Ziel formuliert, beruht auf dem Eisenbahnrecht. Das hat vor die endgültige Stilllegung bestehender Trassen eine hohe Hürde gestellt. Gibt es einen Interessenten, der auf dieser Trasse Bahnverkehr bestellt und damit ein "Verkehrsinteresse" dokumentiert, ist die Entwidmung fast nicht möglich.

Besteht noch eine Trasse?

Juristischer Streitpunkt im Fall der Wasserburger Altstadtbahn ist, ob überhaupt noch eine Trasse besteht. Denn nachdem seit dem 2. März 1987 keine Züge mehr gefahren sind und die Gleise in der Realität nicht mehr bestehen oder nicht mehr betriebsfähig sind, ist die Stadtverwaltung nach Rücksprache mit der Staatsregierung davon ausgegangen, dass ein förmliches Stilllegungsverfahren gar nicht mehr erforderlich ist.

"Das ist auch derzeit noch unsere Position, wir haben daher die Entwidmung in die Wege geleitet", so Bürgermeister Michael Kölbl. Allerdings habe man hilfsweise auch ein Stilllegungsverfahren beantragt, denn: "Von der Absicht des Stadtrates her gesehen ändert sich ja durch die juristischen Fragen erst einmal nichts."

Für die Bahnbefürworter aber ist genau diese Rechtsfrage der momentan entscheidende Hebel. Denn im Zuge eines Stilllegungsverfahrens müsste die Strecke allen Interessenten angeboten werden. Und so hat man mit der Deutschen Museums-Eisenbahngesellschaft in Darmstadt und der Bayern Bahn GmbH zwei Eisenbahnverkehrsunternehmen gewonnen, die tatsächlich erst einmal ihr Interesse angemeldet haben, an den Wochenenden regelmäßig zwischen Reitmehring und der Altstadt zu fahren - "und die Sache auch juristisch anzugehen", so Norbert Moy, Vorsitzender des Regionalverbandes Oberbayern von Pro Bahn.

Bahnfreunde zweifeln Gutachten an

Dieser Regionalverband hatte mit dem Kampf um den "Filzenexpress" Wasserburg-Ebersberg vor 25 Jahren sein erstes großes und letztlich erfolgreiches Projekt. Schon deshalb will er sich nun bei der Altstadtbahn wieder engagieren. Das eigentliche Ziel dabei: Es soll nicht nur die endgültige Stilllegung verhindert, sondern die Wiederherstellung der Trasse erreicht werden.

In diesem Zusammenhang zweifeln die Bahnfreunde das Gutachten an, das Grundlage für die Meinungsbildung im Stadtrat war. Der prognostizierte Verkehr sei massiv zu niedrig angesetzt, die Kosten für die Wiederherstellung deutlich zu hoch. So habe "beispielsweise die Reaktivierung Endorf-Obing letztlich nur etwa ein Prozent der ursprünglichen Gutachter-Prognose gekostet", heißt es in einer Pressemitteilung.

So optimistisch ist man zwar im Fall der geologisch komplizierten Altstadttrasse nicht. Aber dass es nur "eine Million plus x" statt der berechneten zehn Millionen Euro kosten könnte, sei nicht ausgeschlossen. Außerdem komme diese Investition ja über die Streckenentgelte wieder herein, wird argumentiert.

"Wir werden von einer Wut-Welle getragen"

Jedenfalls will Norbert Moy nicht akzeptieren, dass Wasserburg "im Münchener Speckgürtel die am schlechtesten mit Bahnverkehr versorgte Stadt ist." Daher ist Pro Bahn hier sogar einen neuen Weg gegangen und hat eine eigene Tochtergesellschaft "Tragerverein FX" (Filzenexpress) gegründet, um den Zugverkehr zu bestellen. "Das ist ja eigentlich nicht unsere Aufgabe", so Moy.

Dass Pro Bahn sich im letzten Jahr nicht eher in die Diskussion um die Altstadtbahn eingeschaltet hat, habe persönliche Gründe, immerhin seien die Aktiven ehrenamtlich. "Jetzt werden wir aber fast von einer Wut-Welle getragen", so Bernd Meerstein.

Und so soll es auch bald eine öffentliche Begehung der alten Trasse geben. Daran sollen mögliche Zugbetreiber und Sanierungsfachleute teilnehmen und ihre Sicht darlegen. Die Stadt sei informiert, das Gespräch mit ihr sachlich.

Das bestätigt auch Michael Kölbl. "Wir haben jeden Interessenten sofort gefragt, ob er die Infrastruktur übernehmen will." Bisher habe aber niemand geantwortet.

Karl Königbauer/Wasserburger Nachrichten

Quelle: rosenheim24.de

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