Hakendes Ehrenamt statt Teilzeitprofi

Wasserburg - Vor sieben Jahren hat die Stadt "nein" zu einem "Stadtmanager" gesagt. Und es wird weiterhin die ehrenamtliche Lösung bevorzugt. Auch wenn's da hakt.

Prien hat eine, Bad Aibling auch, Rosenheim sowieso. Wasserburg aber hat vor sieben Jahren "nein" zu einer hauptamtlichen Kraft an der Nahtstelle zwischen Verwaltung und Gewerbe, einem "Stadtmanager", gesagt. Und es wird weiterhin die ehrenamtliche Lösung bevorzugt. Auch wenn's da hakt.

Völlig diskussionslos stimmte der Haupt- und Finanzausschuss jüngst einem Zuschuss an den Wirtschaftsförderungsverband (WFV) über 15.000 Euro für das Stadtmarketing zu. Eine Erhöhung dieses jährlichen Zuschusses wurde dem WFV im Frühjahr 2009 in Aussicht gestellt. Voraussetzung wären die Abstimmung der Imagewerbung und die Entwicklung von Aktivitäten mit der Stadt und dem Fremdenverkehrsverein.

"Da hat sich nicht viel getan, die Bewegung beim WFV und beim Fremdenverkehrsverein lässt zu wünschen übrig", so Bürgermeister Michael Kölbl auf Nachfrage. Einen hauptamtlichen "Stadtmanager", und sei es als Teilzeitkraft, hält Kölbl trotzdem nicht für nötig. Er setze nach wie vor auf die ehrenamtliche Lösung, "und mit dem Aiblinger Marketing können wir auch so mithalten."

Es sei in jüngster Zeit niemand mit dem Anliegen eines Stadtmanagers auf ihn zugekommen, so Kölbl. "Außerdem würde das die Kosten für die Stadt ganz sicher nicht senken." Der Markt Prien beteiligt sich an den Kosten für eine Halbtagskraft mit etwa 20.000 Euro, da sind allerdings neben dem Gehalt auch Veranstaltungskosten mit drin. Den Rest finanzieren die "PrienPartner", der Gewerbeverband. Auch in Bad Aibling teilen sich Stadt und wirtschaftliche Verbände die etwa 30.000 Euro für die Halbtagsstelle der "Wirtschaftsförderin", wie der Posten dort heißt.

Genau an dieser 50/50-Finanzierung scheiterte das Projekt in Wasserburg: "Wir haben uns aktuell dazu keine Gedanken gemacht, da unsere finanziellen Verhältnisse relativ beengt sind", so der WFV-Vorsitzende Thomas Schmeling. Deswegen sei der WFV auch auf den Zuschuss der Stadt angewiesen. Den sehe er ohnehin als Kompensation für die 20.000 Euro, die der WFV als Miete für den Frühlingsfestplatz zahlt.

Dass die Zusammenarbeit mit dem Fremdenverkehrsverein, die eine Voraussetzung für die Erhöhung des Zuschusses wäre, nicht gut ist, das räumt Schmeling ein. Es habe ein Treffen gegeben, aber die Interessen seien doch recht verschieden und man sei sich auch nicht ganz grün. "Außerdem wollen wir uns nicht vorschreiben lassen, mit wem wir zusammenarbeiten", so der WFV-Vorsitzende.

Damit ist konsequenterweise auch die von der Stadt formulierte Zielsetzung vom Tisch, einen Stadtmarketingausschuss mit Mitgliedern aus dem WFV, dem Fremdenverkehrsverein und der Stadtverwaltung zu etablieren. Gegen den oder eine andere Art der Zusammenarbeit hätte Jürgen Häuslmann, der Vorsitzende des Fremdenverkehrsvereins, nichts einzuwenden. Schließlich ergänzten sich die Ziele von WFV und Fremdenverkehrsverein durchaus, beiden sei schließlich daran gelegen, Gäste in die Stadt zu holen. Und ohne eine gewisse Institutionalisierung wäre es bei lauter Ehrenamtlichen schwierig mit der Zusammenarbeit, "da sind wir mit uns, ist der WFV mit sich beschäftigt." Und für viel mehr bleibe kaum Zeit.

Mehr Information über das, was die anderen vorhaben, das fände auch Andreas Hiebl, für die Öffentlichkeitsarbeit zuständiger Mitarbeiter der Stadtverwaltung, sinnvoll. Überschneidungen habe es bisher zwar noch nicht gegeben, "aber zumindest Einladungen zu den Werbeausschusssitzungen wären gut, damit man im Bilde ist, was sich tut." Und was ihm am Herzen liegt: "Bei Werbung für Großveranstaltungen, die über Wasserburg und die direkte Umgebung hinaus geht, wäre eine Einigung mal sinnvoll."

Sylvia Hampel (Wasserburger Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

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