Taubenmarkt lockte viele Gäste

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Männchen für den Fotografen: Jan Fischer und seine lohfarbigen Kaninchen.

Wasserburg - Den strengen Auflagen zum Trotz lockte der Taubenmarkt zahlreiche Händler und Besucher nach Wasserburg. Sie kamen aus dem gesamten süddeutschen Raum.

Wer den Anfang miterleben will, muss früh aufstehen. Lange vor dem offiziellen Beginn um 7 Uhr gurren in Ledererzeile, Hofstatt und Färbergasse die Tauben und krähen stattliche Gockel. An den auf mehrere Eingänge verteilten Kassen wird es bei noch frostigen Temperaturen hektisch und von der üblichen sonntäglichen Ruhe in der Altstadt ist wenig zu spüren.

...und damit auch Käufer.

Während einige Besucher extra mit Bussen nach Wasserburg anreisen und von der Feuerwehr zu ihren Parkplätzen geleitet werden, schaffen die Händler auf Anhängern, in Leiterwägen oder mit kräftigem Handgriff Käfige und Holzsteigen mit den verschiedensten Tieren heran. Hinein kommt allerdings nur, wer auch die notwendigen Formulare, wie etwa Impfzeugnisse und amtstierärztliche Bescheinigungen vorweisen kann.

"Das macht viele Märkte auf Dauer einfach kaputt", ist der Rosenheimer Josef Kastl überzeugt. Seit 40 Jahren züchtet er Rebhühner und ist wegen der einzigartigen Atmosphäre in Wasserburg ein Stammgast auf dem Taubenmarkt. Diesmal hat er einen Stand zusammen mit seinem Bruder Martin, der eigens aus Ingolstadt angereist ist. Die beiden hängen sich abwechselnd einen buntes Schild "Zahme Rebhühner aus 2010er Naturzucht" um den Hals und locken damit Interessierte an.

Auch der Edlinger Jan Fischer findet die vielen Vorschriften für die Züchter einschränkend. Er züchtet als einer unter ganz wenigen in Bayern lohfarbig-schwarze Hasenkaninchen und beklagt sich über die unübersichtlichen Tierschutzrichtlinien. "Gerade in den vergangenen drei, vier Jahren wurde vieles immer weiter verschärft und diejenigen Züchter, die die Vorgaben nicht so genau beachten, sorgen dafür, dass Märkte wie dieser irgendwann verboten werden könnten", ärgert sich Fischer. Er selbst will sich im Falle einer Kontrolle nichts vorwerfen lassen und hat seine Käfige vorschriftsmäßig auf Tischen aufgebaut, denn Kaninchen dürfen nicht mehr auf dem Boden stehen. Außerdem ist rumherum blickdichte Schutzfolie angebracht.

Perfekte Transportmittel für das Marktgetümmel haben die Profis dabei.

Verantwortlich für den reibungslosen Ablauf und die Einhaltung aller Regularien ist der Kleintierzuchtverein Wasserburg als Veranstalter. Vorsitzender Rudolf Schreyer pendelt ständig zwischen Markt und der Kleintierausstellung im Parkhaus an der Überfuhrstraße hin und her, nimmt Anrufe entgegen und kümmert sich um die einzelnen Händler. "Die Stimmung ist sehr gut und es herrscht reger Marktbetrieb mit vielen Besuchern", ist sein Resümee aus den Gesprächen.

Eingreifen bei "groben Verstößen"

Kurz vor 8 Uhr treffen Dr. Michael Helbing und seine Kollegen vom Veterinäramt ein und starten zu ihrem Kontrollgang. Er habe in der Vergangenheit die unterschiedlichsten Erfahrungen gemacht, hin und wieder gebe es schon Probleme mit Ausstellern, räumt er ein. "Wir schreiten genau in dem Moment ein, wenn es grobe Verstöße gegen den Tierschutz gibt", erklärt er. Dabei gebe es vieles zu überprüfen, etwa, ob die Tiere genug Trinkwasser haben, ob die Käfige ausreichend groß und abgedeckt sind, ob sich zu viele Tiere darin befinden oder schlichtweg das Schild mit dem Namen des verantwortlichen Züchters fehlt.

Beim Streifen durch die dicht bevölkerten Straßen lassen sich neben unzähligen Tauben, Hühnern und Vögeln auch Kaninchen, Pfauen oder Enten entdecken. Allen Orts wird eifrig gefachsimpelt und um den passenden Preis gefeilscht, in den verschiedensten Sprachen und Dialekten. Neben Züchtern aus Bayern und Baden-Württemberg sind auch viele Österreicher, Italiener, Schweizer und Osteuropäer an den Inn gekommen. Zwei Familien von der Insel Föhr machen extra wegen des Taubenmarktes drei Tage Urlaub in Wasserburg.

Wohl auch das ideale Wetter bescherte dem Taubenmarkt 2011 wieder mehr Besucher...

Wenn Italienisch auf tiefstes Oberbayerisch trifft und selbst Zeichensprache nicht mehr weiterhilft, dann wird kurzerhand zu Stift und Zettel gegriffen: "1 + 1 = 25." Für den Fachmann ist das klar: Tauberer gibt es an diesem Stand nur zusammen mit einem Weibchen und zwar für 25 Euro. Ein kurzes Beratschlagen der italienischen Delegation und der Handel ist perfekt, sehr zur Freude des bayerischen "Taubenlackls". So mancher Aussteller ist innerhalb kürzester Zeit ausverkauft und klappt schon nach einer Stunde zufrieden seine Tische zusammen, um den Heimweg anzutreten oder sich selbst ein wenig umzusehen.

Ein besonderer Blickfang unter all den Käfigen sind die überdimensionalen Taubenhäuser von Franz Wallner. Er hat sein Hobby vor vielen Jahren als Zubrot neben dem Beruf entdeckt und ist bereits zum wiederholten Male auf dem Wasserburger Markt. "Ich habe zwar auch ein paar Hühner zu Hause, bin aber selbst kein Züchter, das überlasse ich lieber anderen", meint er schmunzelnd und zeigt stolz ein zwei Meter hohes "Schloss" für Tauben.

Hoffnung für die Zukunft des Marktes

Einigkeit herrscht bei Polizei und Veranstaltern am Ende darüber, dass der diesjährige Taubenmarkt, wohl auch dank des sonnigen Wetters, deutlich mehr Besucher angelockt hat als 2010. Die Zahl der Händler und angebotenen Tiere habe sich nur minimal verändert, angemeldet waren etwa 10 000 Tiere, so Rudolf Schreyer. "Wenn wir uns künftig auf diesem Niveau einpendeln, dann würde mich das sehr freuen, und unser Markt würde auch weiterhin ein überregionales Großereignis bleiben."

Georg Reinthaler/Wasserburger-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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