Im Vollrausch ausgerastet

Wasserburg - Ein Aggressionsproblem beim Genuss von Alkohol brachte einen 43-jährigen Schreiner zum wiederholten Mal in die Bredouille.

In seinem Vollrausch rastete er völlig aus und machte auch vor den Gesetzeshütern nicht Halt. Das brachte ihm schließlich eine Bewährungsstrafe von vier Monaten und eine ambulante Psychotherapie ein.

Ob der Handwerker das Urteil annehmen wird, bleibt jedoch noch abzuwarten, denn vor dem Wasserburger Amtsgericht, wo er sich wegen fahrlässigem Vollrausch verantworten musste, war er ohne Anwalt erschienen, weil er es versäumt hatte, rechtzeitig einen Verteidiger zu beauftragen.

Laut Anklageschrift soll der Schreiner im Mai mit der Faust die Scheibe der Eingangstür eines Geschäfts in der Färbergasse in Wasserburg eingeschlagen haben. Passanten hatten den Vorfall beobachtet und wiesen eine Polizeistreife auf den Vorfall hin. Da sich der Angeschuldigte noch am Tatort befunden hatte, wurde er von der Streifenbesatzung aufgefordert, sich auszuweisen.

Doch da ließ der 43-Jährige nicht mit sich reden und allen Bemühungen der Beamten, an die Ausweispapiere zu kommen, widersetzte er sich vehement. Zur weiteren Untersuchung konnten ihn die beiden Polizisten schließlich überwältigen und zu Boden bringen. Doch der Angeschuldigte war völlig außer Rand und Band und setzte sich nach Leibeskräften zur Wehr. Laut Aussage der beiden Streifenbeamten habe man sich am Boden gekugelt und deswegen Unterstützung angefordert. Zu viert sei es dann schließlich gelungen, den Angeschuldigten zum Auto zu tragen und auf das Revier zu bringen. Um den renitenten Zeitgenossen während der Fahrt zu fixieren, habe sich ein Kollege auf seinen Rücken gesetzt. Diesen habe der Angeschuldigte dann auch prompt als "Arschloch" beschimpft.

Auch auf der Dienststelle habe sich der Schreiner widersetzt und wild um sich getreten. In der Zelle habe er dann weiter randaliert und geschrien, warum er denn überhaupt da sei. Als ihm ein Beamter den Vorfall geschildert habe, habe er sich sofort entschuldigt und sich dann hingelegt und geschlafen. Eine Atemalkoholmessung hatte 2,66 Promille ergeben. Damit konnte eine Einsichts- und Steuerungsunfähigkeit des Handwerkers nicht ausgeschlossen werden.

Der Angeschuldigte räumte den ihm zur Last gelegten Sachverhalt vor Gericht weitgehend ein, obwohl er angab, nur noch bruchstückhafte Erinnerungen an den Vorfall zu haben. Demnach hatte er am Vorabend des Tattags gefeiert und war bei Freunden anschließen auf der Couch eingeschlafen. Am Morgen sei es dann zu einer Eifersuchtsszene gekommen, als er seine Freundin im Bett eines anderen Mannes entdeckt habe. Wie schon früher in emotionalen Situationen, habe er auch hier völlig überreagiert. Er sei ausgeflippt und habe sich anschließend bei einem Freund einen Nachtrunk in Form von einer Flasche Kräuterschnaps verpasst. Dann könne er sich erst wieder daran erinnern, dass er mit dem Gesicht auf dem Teer gelegen habe.

Den Schaden der kaputten Fensterscheibe in Höhe von 500 Euro habe er dann gleich in der nächsten Woche behoben und sich auch bei allen Beteiligten entschuldigt. Vor acht Jahren habe er schon einmal Probleme mit Alkohol gehabt, sagte der Angeschuldigte. Anschließend sei er zwei Jahre trocken gewesen und mittlerweile schaffe er es eigentlich, kontrolliert zu trinken. "Nur wenn es emotional wird kann ich nicht auf mich aufpassen", sagte der Schreiner, der sich bereits zu einer Therapie angemeldet hat.

Ein Auszug aus dem Bundeszentralregister ergab vier Eintragungen wegen Trunkenheitsdelikten. Für die Staatsanwaltschaft war der Tatnachweis aufgrund der Zeugenaussagen erbracht. Aufgrund der hohen Alkoholisierung sei aber nur der Tatbestand des Vollrausches verwirklicht. Wegen des massiven Vorgehens sei eine Geldstrafe nicht mehr ausreichend. Daher forderte die Anklagevertreterin eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten, ausgesetzt zu drei Jahren, und eine Geldauflage von 1000 Euro. Der Angeschuldigte beantragte anstatt der Geldauflage eine verbindliche Psychotherapie. Dem schloss sich das Gericht an und verurteilte ihn zudem zu einer Freiheitsstrafe von vier Monaten bei einer Bewährungszeit von zwei Jahren. Sachbeschädigung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Beleidigung und versuchte Körperverletzung würden als fahrlässiger Vollrausch geahndet, denn eine Steuerungsunfähigkeit sei nicht auszuschließen, hieß es in der Urteilsbegründung.

ca/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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