Schäfchenzählen im Bauernhausmuseum

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Amerang - Am Sonntag findet neben dem großen Handwerkertag mit buntem Rahmenprogramm auch eine Schafausstellung in Amerang statt.

Enten gackern am Ufer und zeigen willkürlich den Weg. Der führt vom Bartlhof über den Holzmannhof vorbei an wunderschönen Blumenwiesen und prächtig angelegten Gemüsegärten. Das Bauernhausmuseum Amerang bietet Einblicke in den ländlichen Alltag des früheren Chiemgaus und präsentiert in einem überschaubaren und leicht zugänglichen Gelände Bauernhäuser und Werkstätten verschiedenster Art und – auch verschiedenster Jahrhunderte. Das wohl älteste Gebäude ist der Mittermayerhof. Dieser wurde nach Einschätzung und Vergleichsproben-Auswertungen um das Jahr 1525 erbaut.

Dem Wetter trotzen und Besucher durch Aktionen binden

Claudia Richartz ist Museumsleiterin mit Leib und Seele. Seit Juni 2005 ist sie für alle Belange und einen reibungslosen Ablauf zuständig. Sie und ihr Team blicken auf eine gute Saison zurück. Doch nur ungern sieht sie einfach nur die Zahlen an sich, sondern beschäftigt sich mit der Allgemeinsituation. „Wir sind sehr zufrieden, wobei unser Besucherzuspruch eben einfach wetterabhängig ist. Das Frühjahr war kalt. Da hatten wir echt zu kämpfen. Erholung von der Besucherflaute kam prompt mit dem schöneren Wetter. Danach ging es weiter mit einer Berg und Talfahrt. Die starken Regenfälle im Frühsommer haben auch hier im Bauernhausmuseum wieder zu einem Besucherschwund geführt. Doch auch die extrem heißen Tage sind für uns nicht ideal. Da gehen viele Familien lieber ins Freibad.“ Claudia Richartz beschäftigt sich mit vielen Ideen rund um das Bauernhausmuseum. Dieses hält neben den allgemein bekannten und großartig präsentierten Bauernhöfen und Häusern auch eine jährlich wechselnde Sonderausstellung für die Besucher bereit. Bis zum dritten November ist noch „Strizzis, Lackl'n, Goaßlschnalzer - Bayernbilder und volkstümliche Unterhaltung“ zu sehen. Eine Ausstellung, die herrlich erfrischend an die früheren Freizeitaktivitäten der Bevölkerung erinnert. Inhaltlich recht amüsant und informativ zugleich erleben die Besucher, wie sich das Brauchtum der musikalischen und künstlerischen Darbietung in den Jahrhunderten entwickelt hat. Grafisch enorm exakt und lebhaft dargestellt, taucht der Betrachter ein in eine Welt voll Lust zur selbst gemachten Kultur. Audiostationen verdeutlichen diese Lebensweisen. Zahlreiche Besucher kamen bereits zur Besichtigung. „ Viele davon waren sogar aus München angereist, um das Spektakel der früheren Künstler zurückzuverfolgen.“ berichtet die Museumsleiterin weiter. Doch nicht nur die Sonderausstellung bringt Leben in die Bude.

Das Bauernhausmuseum:

Das Bauernhausmuseum in Amerang

Buntes Programm geplant

„Viele Veranstaltungen werden realisiert – ohne dabei den Bildungsauftrag aus den Augen zu verlieren“, bestätigt Claudia Richartz zufrieden. „Es ist mir ein großes Anliegen, dass wir unsere Inhalte vermitteln können, und nicht nur Veranstaltungsort sind“ betont sie weiter. Doch die Veranstaltungen wirken ohnehin nicht aufgesetzt, sondern haben viel mit der Tradition und dem Brauchtum der Menschen von früher zu tun. Sei es der allseits beliebte Kirtamontag. Musik, Kiache und Krapfen und nicht zu vergessen die Kirta-Hutschn. Fast ausgestorbene Feiertage werden hier in Amerang Jahr für Jahr wieder praktiziert und von vielen aus der Region gerne angenommen. Auch am kommenden Wochenende heißt es: die Zeit zurück drehen und auf eine Reise in die frühere Handwerker-Welt gehen. Im wahrsten Sinne. Denn in jedem der Häuer können die alten Handgriffe einstiger Berufe beäugt werden. Wie war das mit dem Korbflechter? Wie anstrengend war der Alltag des Schmieds? Oder: Wie wurden Seile hergestellt, die ja durchwegs stabil sein mussten für die schwere Arbeit in der Landwirtschaft? Langweilig wird es wohl kaum am kommenden Sonntag. Neben dem Schulterblick in Richtung alte Berufe gibt es spannende Aktionen für Kinder. Das Spektakel rund um altes Handwerk und interaktives Leben im Bauernhausmuseum beginnt um 13 Uhr. Zuvor geht’s noch tierisch zu auf dem Gelände. Denn ab 9 Uhr zeigt eine Schafausstellung unterschiedlichste Züchtungen des Wolle bringenden Tiers.

Lebhaftes Jahr voller Events

Claudia Richartz findet sich immer wieder gerne in den Vorbereitungen der Veranstaltungen. Und freut sich stets über Akzeptanz durch die Bevölkerung: „Das Familienmaifest war ein Highlight. Auch die Pflanzentauschbörse, die wir heuer zum ersten Mal angeboten haben, wurde gut besucht. Wiederum schon traditionell veranstaltet fand auch am diesjährigen ersten Sonntag im September der Musikalische Nachmittag statt. Und der September hat noch mehr zu bieten. Am 29. September gibt es den Apfeltag bei uns im Bauernhausmuseum Amerang. Hier dreht sich alles um den traditionsreichen Vitaminbringer an sich und um die Verarbeitungsmöglichkeiten. Wer Lust dazu hat, darf sogar beim Saftpressen helfen“, informiert die Organisatorin. Und nennt den Grund für das rege Veranstaltungstreiben über die gesamten Monate hinweg. „Es ist eine gute Möglichkeit, die Inhalte noch lebendiger darzubringen“, so Richartz. Das Museum solle leben, und diesem Anspruch werde man durch solche besonderen Termine gerecht, sagt sie noch. Und weist darauf hin, dass die konservatorischen Richtlinien dennoch nicht außer Acht gelassen werden. Bei einem Spaziergang durch die Häuserreihen fällt ein Gebäude besonders auf: der Bartl-Hof. Dieser ist aktuell wegen Konservierungsarbeiten gesperrt. Derzeit wird gegen den Schlupfwespenbefall an den Balken etwas unternommen. „Nichts ungewöhnliches“, erzählt die Leiterin. „36 Jahre stehen die Häuser hier teilweise schon, und sie sind ja vor allem schon viele Hundert Jahre alt gewesen, als sie zu uns gekommen sind. Somit stehen bei den alten Balken und Wänden stetig Arbeiten rund um den Erhalt der geschichtsträchtigen Elemente an“. Weil der Bartl-Hof im kommenden Winter nicht für die Stuben-Musi als Kulisse beim Weihnachtsmarkt am ersten Adventswochenende dienen kann, wird musikalisch auf den Vierseit-Hof erweitert. Die Planungen gehen weit in die nächsten Monate hinein. Obwohl es auch aktuell jede Menge zu tun gilt.

Kinder mögen das Museum

Vor zwei Wochen kam ein neues Element rund um die Museumspädagogik in Umlauf. Der Kinder-Museums-Führer. Hier handelt es sich weniger um einen direkten Museumswegweiser, sondern mehr um eine fiktive Geschichte zum Lesen. Max und Emily entdecken als Feriengäste das Bauernhausmuseum Amerang und sehen in sogenannten „Schlaumeiereien“ viele Infos über die einzelnen Stationen und Höfe. Am 13. Oktober findet von 14 bis 16 Uhr auch eine Lesung mit der Autorin des Buchs, Diana Hillebrand, statt. Somit wird ein weiterer Punkt der Zusatzangebote ins Rennen geschickt. Grundsätzlich stehen viele Schulklassen aus der Region auf den Besucherlisten. Die speziellen Führungen werden gut genutzt. Trotz sinkender Geburtenzahlen blieb in den letzten Jahren die Zahl der Schulklassen-Besucher konstant, hieß es von Seiten der Museumsleiterin. „Eine schöne Sache, wenn wir den Kindern den regionalen Gedanken und die Nachhaltigkeit in so spannender Art und Weise vermitteln können. Viele Kinder wissen gar nicht, wie man ohne Kühlschrank und Waschmaschine gelebt hat“, lächelt Claudia Richartz abschließend. Und freut sich auf die kommenden Tage und Wochen, wenn wieder viele kleine und große Besucher zu den Veranstaltungen strömen und so manches Geheimnis lüften, wie es denn früher war.

Quelle: rosenheim24.de

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