Haus mit künstlerischem Geist

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Das Ferstlhaus (rechts vom Brucktor).

Wasserburg - Zehn Künstler, neun Ateliers, ein gemeinsamer Laden: Das ungewöhnliche Nutzungskonzept für das Ferstlhaus im sanierten Brucktor hat sich zur Freude der Mieter bewährt.

Jeder Künstler hat seit der Eröffnung am 1. Mai bereits mindestens ein Werk verkauft. 

"Dieses Haus besitzt einen künstlerischen Geist", ist Isabel Kretschmer überzeugt. Das Denkmal wirkt auf die Malerin inspirierend. Auch Marina Schönemann hat seit dem Einzug in ihr Atelier neue schöpferische Kraft gewonnen. "Meine Erwartungen an die Ateliergemeinschaft haben sich mehr als erfüllt", freut sich die Malerin.

Liegt es am besonderen Flair des historischen Ambientes? An der Tatsache, dass hier schon im Mittelalter Kunsthandwerker gearbeitet haben? Die Mitglieder der Ateliergemeinschaft können es sich nach Angaben von Sprecherin Christin Jahn, die mit ihrem riesigen Webstuhl in eine der neun Werkstätten eingezogen ist, nicht ganz erklären, warum der neue Arbeitsplatz einen solchen Motivationsschub ausgelöst hat.

Auch das Miteinander wirkt sich nach Erfahrungen von Isabel Kretschmer inspirierend aus: "Wir lernen viel voneinander, tauschen uns aus." Marina Schönemann, ebenfalls Malerin, hatte vor dem Einzug in das Ferstlhaus immer als Einzelkämpferin gearbeitet und genießt jetzt ebenfalls den "anregenden" Teamgeist.

Die zehn Künstler und Kunsthandwerker haben sich auch organisatorisch zusammenraufen müssen: Denn sie arbeiten nicht nur Tür an Tür, sie verkaufen ihre Werke auch im gemeinsamen Atelierladen. Jeder schiebt hier etwa einmal in der Woche Dienst an der Verkaufstheke.

Das Interesse für das ungewöhnliche Geschäft im Brucktor ist geweckt, freuen sich die Künstler. Anfangs kamen vor allem Passanten, die beim Eintreffen in die Stadt auf den Laden aufmerksam wurden, und Touristen. Mittlerweile steuern auch Kunstinteressierte und Kollegen aus der Region den Atelierladen bewusst an. Sie genießen nach Angaben von Christin Jahn auch die Möglichkeit zum Fachsimpeln. Noch mehr freut es die Ateliermieterinnen, wenn Besucher kommen, die bisher wenig mit Kunst in Berührung gekommen sind - wie ein junger Mann, der sich für den Kauf eines Bildes sogar Geld geliehen hatte, oder eine Frau, die wünschte, die Herstellerin ihrer erworbenen, kunstvollen Ledertasche persönlich kennenzulernen. Kunden werden in solchen Fällen in die Ateliers eingeladen, dürfen den Künstlern auch beim Arbeiten über die Schulter schauen.

"Wir wollen ein Haus sein, das lebt", bringt Christin Jahn das Konzept auf den Punkt. Deshalb veranstaltet die Gemeinschaft am Wochenende des 3. und 4. Juli erstmals offene Ateliertage, bei denen die neun Werkstätten einen Blick hinter die Kulissen bieten. Im Laden, der montags bis freitags von 11 bis 18 Uhr und samstags von 11 bis 16 Uhr geöffnet ist, sollen außerdem Vernisssagen, Lesungen, Vorträge und Kurse stattfinden.

Damit erfüllt die Ateliergemeinschaft den größten Wunsch von Bürgermeister Michael Kölbl und dem Stadtrat für das mit hohen öffentlichen Mitteln sanierte Denkmal am Tor zur Stadt: Es soll leben und auch den Bürgern offenstehen. "Die Zusammenarbeit mit der Stadt läuft sehr gut, wir spüren immer wieder das wohlwollende Interesse an unserer Arbeit", freut sich Christin Jahn. Auch Künstler von außen haben schon ihr Interesse an einer Ausstellung oder Aktion signalisiert, betont sie. Gerne würden die Ateliergemeinschaft in Zukunft auch den Gewölbekeller des Ferstlhauses für Ausstellungen nutzen.

duc/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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