Ein Haus mit zwei Herren

+
Fachsimpeln über den Umbau historischer Gebäude: Wolfgang Slatosch, Direktor der Stiftung Attl (rechts), mit Stadtbaumeister Manfred Förtsch-Menzel (links) und Stadtkämmerer Konrad Doser im sanierten Brauhaus.

Attel - Millionenschwere Sanierung eines historischen Gebäudes - klar, das Brucktor. Nein, das Brauhaus in Attel. Die ersten Nutzer sind jetzt eingezogen.

Nicht nur mitten in der Altstadt wird ein altes Gebäude, das Jahre leer stand, saniert und einer neuen Nutzung zugeführt. Auch am südlichen Stadtrand in Attel ist das der Fall. Wobei man dort, bei der Sanierung des Brauhauses, schon etwas weiter ist als beim Brucktorensemble: Die ersten Büros sind schon bezogen.

Das Brauhaus, rund um das 16.Jahrhundert gebaut, ergänzt die Kirche St.Michael und das Pfarrhaus zu einem Hof. Genutzt wird es gemeinsam von der Stiftung Attl und der Pfarrei Attel. "Der Integrationsgedanke war schon auch ein Auslöser, diese große Baumaßnahme in Angriff zu nehmen", so Wolfgang Slatosch, Direktor der Stiftung. "Außerdem sind unsere Bewohner ja auch Angehörige der Pfarrei." Und der Durchgang am Brauhaus ist der einzige öffentliche Weg zur Atteler Pfarrkirche.

Ärger mit Aufzügen gibt es nicht nur im Wasserburger Rathaus. Der Denkmalschutz hatte auch im Brauhaus Einwände wegen eines kleinen, allerdings nicht komplett erhaltenen Gewölbes. Die wurden schnell ad acta gelegt. "Ich habe sie vor die Wahl gestellt: Entweder wir dürfen den Aufzug einbauen oder wir lassen das Gebäude weiter verfallen", lacht Slatosch.

Der Aufzug, der ein halbes Dutzend halbgeschossig versetzte Ebenen auch für die Rollstuhlfahrer der Stiftung Attl erschließt, wurde eingebaut. Er erregte ob seiner Transparenz die besondere Aufmerksamkeit von Stadtbaumeister Manfred Förtsch-Menzel, als sich einige Vertreter der Stadt von Slatosch das sanierte Brauhaus zeigen ließen.

Im Brauhaus bereits eingezogen, trotz letzter noch nötiger "Schönheitsreparaturen", sind die Wohnstättenverwaltung der Stiftung, der Wohnbereich Edith Stein, der Fachdienst, der Fahr- und Zivildienstbeauftragte, die Seelsorge sowie die Aus- und Weiterbildung. Noch nicht bezogen sind die drei Appartements für Bewohner der Stiftung. "Die können hier selbständig wohnen und sind doch ganz in der Nähe, wenn Betreuung oder Hilfe nötig ist", so Slatosch.

Der Teil der Pfarrgemeinde ist noch nicht in Betrieb. Zwar sind die Räume für die Landjugend und den Kirchenchor weitgehend fertig, ebenso der Pfarrsaal. Doch fehlen dort noch das Mobiliar und die Küche, bei der Landjugend muss die Küche noch fertig eingebaut werden.

Wo es ging, sind im gesamten Gebäude die alten Bodenbeläge erhalten geblieben, nur wo sie zu marode oder aus praktischen Erwägungen untauglich waren, wurden sie ausgetauscht. Neue Fenster und die Dämmung in der obersten Geschossdecke, der Aufzug und das umgestaltete Treppenhaus, die hell gestrichenen Wände: Es hat sich viel verändert, was vor allem ältere Bewohner der Stiftung immer wieder zum Brauhaus zieht, wie Heilpädagogin Erika Dumler schmunzelnd erzählt. Die schauten sich das Gebäude an, schwelgten in Erinnerungen, "vor allem an den Kartoffelkeller".

3,7 Millionen Euro rund kosten Sanierung und Umbau des Brauhauses. Eine Million kommt vonseiten der Diözese, sozusagen als "Mietvorauszahlung" für die Pfarrei. 700.000 Euro Zuschuss gab es von der Bayerischen Landesstiftung, 45.000 Euro von einer Stiftung des Caritas-Verbandes und 3000 Euro von der Kulturstiftung der Sparkasse. Im kommenden Frühjahr sind die Außenanlagen dran, dann ist nach zwei Jahren Bauzeit alles fertig. "Und dann", freut sich Slatosch, "feiern Stiftung und Pfarrei gemeinsam Einweihung".

Sylvia Hampel (Wasserburger Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Region Wasserburg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser