Ein Heim und die Begleiterscheinungen

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Ein Parkplatz ist derzeit die Fläche, auf der das Landratsamt das neue Schülerheim für die Berufsschule plant.

Wasserburg (WZ) - Der Bebauungsplan Berufsschule dürfte noch für einige Diskussionen sorgen: Bei der Vorinformation äußerten einige Nachbarn erwartungsgemäß massive Bedenken im Zusammenhang mit dem dort geplanten Schülerheim.

Nicht das Heim selbst sei das Problem, sondern das Umfeld. An- und Anfahrt, abendliche Randale, Vandalismus, wildes Parken der jugendlichen Bewohner: Dass der Landkreis als Träger der Einrichtung diese Beeinträchtigungen der Nachbarschaft in den Griff bekommen könnte, wurde von einigen Anliegern im unteren Burgerfeld massiv bezweifelt.

Sie waren in die Berufsschule zu einer Vorinformation eingeladen, die normalerweise so im Verfahren gar nicht vorgesehen ist. Doch Bürgermeister Michael Kölbl und Landrat Josef Neiderhell unterstrichen mehrmals, dass sie das Schülerheim nicht gegen die Nachbarn, sondern mit ihnen planen und bauen wollen.

Daher wurde auch der rein rechtlich an dieser Stelle nicht erforderliche Weg des Bebauungsplans gewählt, in dem Details geregelt werden und die Bürgerbeteiligung Bestandteil ist. Und es soll kein zeitlicher Druck gemacht werden. Der Landkreis hätte im Moment ohnehin kein Geld für den Bau des Heimes, so wurde angedeutet.

Vorgesehen ist wie schon berichtet, auf dem Gelände der ehemaligen Spedition Müller direkt neben der Berufsschule ein Heim für 150 bis 200 Blockschüler zu bauen. Derzeit ist die Fläche als Parkplatz genutzt.

Landrat Neiderhell skizzierte kurz die momentante Situation. Ohne die Block-Schüler wäre die Wasserburger Berufsschule "sofort weg", meinte er: 1000 von 1300 Schülern kommen nicht aus dem Landkreis, sondern teilweise aus ganz Bayern. Gleichzeitig vor Ort sind immer rund 250 Blockschüler, derzeit in der Nacht untergebracht in drei Gebäuden und Privatunterkünften.

Einer der Standorte ist die ehemalige Landwirtschaftsschule neben der Berufsschule. Die soll auch zukünftig rund 70 Heimplätze beherbergen. Dazu würde dann das neue "Jugendhotel" (Neiderhell) mit einer großen Mensa kommen, in der alle Berufsschüler versorgt werden sollen.

Neiderhell versprach sich von der intensiveren pädagogischen Betreuung an einem Ort eine Verbesserung der Gesamtsituation. Dafür werde ein pädagogisches Konzept entwickelt und auch das Personal aufgestockt, von derzeit sieben auf rund 15 Mitarbeiter, wie er zusagte. "Gute Betreuung bedeutet weniger Ärger", versuchte er die Nachbarn zu gewinnen.

Dass dies nicht einfach wird, machten geharnischte Nachfragen deutlich und auch Briefe, in denen er gefragt werde, ob er "da wohnen wollte", so Neiderhell. Als ehemaliger Lehrer sei er aber die falsche Adresse. "Ich frage mich vielmehr, wie ich als Elternteil meine Jugendlichen betreut haben wollte."

Obwohl noch keine konkrete Planung vorliegt, wurden ein paar Linien deutlich. So soll eine Tiefgarage das Parkchaos etwas ordnen. Der Lärmschutz soll vor allem in Richtung der nächstgelegenen Häuser penibel geplant und überwacht werden.

Das glaube man ja und akzeptiere auch Schülerheim und Mensa, räumte eine Nachbarin ein. Bloß die nächtlichen Ruhestörer - es kamen aktuell eingesammelte Bierflaschen auf den Tisch des Landrates -, die Vorgarten-Biesler und der Lärm bei der Zu- und Abfahrt, das wolle man nicht so einfach hinnehmen. "Jetzt sind 50 da, dann 250, das wird doch nicht besser", rechnete beispielsweise der ehemalige Stadtrat Gert Graedler vor.

Auf alle Fälle geht der Bebauungsplan nun ins Verfahren. Das nächste Mal werden die Anlieger nach Erstellung eines Vorentwurfs informiert und gefragt. Rein rechtlich gesehen wäre ihre Position wohl nicht besonders stark. Früher war hier ein Gewerbebetrieb, und im Flächennutzungsplan ist das Areal als "Gemeinbedarfsfläche" vorgesehen.

koe/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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