Ein „Mia san Mia“ genügt nicht mehr

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Wasserburg - Die Besucher des Rathaussaales begaben sich auf eine besondere Zeitreise: Ein ganzes Jahrhundert wurde verarbeitet, gut verpackt in einen großen Festabend.

„Sie geben heute einem 100jährigen die Ehre. Nicht mir“, schmunzelte Vereinsvorsitzender Martin Geiger. „Seit seiner Geburt versucht der Verein, Jung und Alt für den Lebensraum, für dessen Entstehung, Entwicklung, für den Schutz und seine Pflege zu interessieren, sich in unterschiedlichster Weise dafür einzusetzen. Nur vom Einsatz vieler, kann solch ein Verein die Vielfalt zulassen.“ Bestärkt schaut Geiger in die Runde und ist zufrieden mit den vielen Besuchern.

So starteten die Gäste in die Jubiläumsfestlichkeiten zum 100-Jährigen des Heimatvereins Wasserburg und Umgebung, eigentlich sogar Historischer Verein, genannt, zunächst mit viel Musik. Eine Bläsergruppe der Stadtkapelle Wasserburg empfing die nahenden Besucher. Ebenso wurde die Feier im Rathaussaal von einem Kammermusikensemble des Kammerorchesters Wasserburg untermalt. Dass die Geschichte der eigenen Heimat noch nicht in Vergessenheit geraten ist, wurde spätestens an diesem Abend klar. Viele geladene Gäste aus Wirtschaft und Politik waren anwesend, viele Mitglieder des Vereins lauschten ebenfalls den Worten des Vereinsvorsitzenden, Dr. Martin Geiger. Und auch einige allgemein interessierte Städter durften dem ganzen beiwohnen. Der Rathaussaal war voll. Gekonnt begrüßte Martin Geiger die Besucher, darunter Annemarie Biechl oder in Vertretung für Landrat Josef Neiderhell auch Frau Loferer. Viele Bürgermeister umliegender Gemeinden kamen der Einladung nach, nicht zu vergessen natürlich der Hausherr, Michael Kölbl.

Martin Geiger war an diesem Abend in seinem Element. Er brachte in frischer und keineswegs verstaubter Art und Weise die Entstehung des Heimatvereins und die Wichtigkeit der Heimat zusammen und sprach Dinge an, die erahnen lassen, dass Wasserburg immer in Entwicklung ist. Trotz oder genau wegen der Stadtgeschichte.

Gründungsjahr 1913

Natürlich habe der Verein eine ganz eigene Geschichte, beteuert Martin Geiger. Eine Festschrift zu den letzten hundert Jahren komme noch heraus. Grundstützende Umbrüche habe es gegeben, doch klein hätte man angefangen.

Kaspar Brunhuber hatte sich zwar schon Jahre vor der Gründungsversammlung mit der Denkmal- und Heimatpflege beschäftigt, und schrieb geschichtliches Aufgabengut nieder, doch erst am 5. November 1913 wurde zur eigentlichen Gründung geladen. 21 Herren waren diesem Aufruf gefolgt. Insbesondere die Bewahrung historischer Gegenstände und Denkmale galt als große Handlung damals. Brunhuber selbst rief eine bis heute andauernde Tradition ins Leben: Die Vermittlung stadt- und regionalgeschichtlicher sowie kulturgeschichtlicher Erkenntnisse in Vorträgen und Exkursionen umzusetzen. Als Stadtarchivar hatte er das Hintergrundwissen dazu. Auch heute noch ist das Näherbringen der Geschichte an alle Interessierte der Umgebung eine der bedeutendsten Aufgaben. Das gerade zu Ende gegangene Gemeinschaftsprojekt mit der Theatergruppe Wasserburg im Bürgerspiel „Wallenstein“ etwa.

Jubiläum von Heimatverein

Junge Menschen mit im Boot

Durch junge Leute, die sich der Geschichte Wasserburgs verschrieben haben, beispielsweise Stadtarchivar Matthias Haupt und Museumsleiterin Sonja Fehler, gelingt eine sehr lebendige Umsetzung der Vergangenheit. Dass dies eine besondere Wichtigkeit hat, zeigen die Aussagen Martin Geigers in seiner Rede: Zeitgemäße Aktualität sei eine der unumgänglichsten Aufgaben in der heutigen Zeit. Teils nostalgische Gründe für einen Zulauf neuer Mitglieder erkenne er. Pflege des Überlieferten und Erinnerten in einer neuen Umgebung jeweils um seiner selbst willen, gelte als wichtig. Neues, Ungewohntes verstehen zu lernen in der Alltagskultur der Stadt, sei informativ für die Mitbürger. Geiger zeigte sich erfreut, dass der Vorsitzende des Islamischen Vereins in Wasserburg, Ali Keskin, bei dem Festabend anwesend war. Hier sei das Interesse an der Geschichte der neuen Heimat als nicht selbstverständlich anzusehen, hieß es von Geiger. Er stelle fest, dass Entwicklung eines der wichtigsten Dinge im Verein bleiben werden. „ Ca. 12 Prozent der Einwohner einer Kleinstadt wie Wasserburg stammen aus anderen Ländern und verteilen sich auf weit über 60 verschiedenen Nationalitäten. Wenn in einer Klasse unserer Grundschule nicht weniger als 40 Prozent von Eltern abstammen, die in anderen Kulturkreisen mit je einer anderen Geschichte und Sprache als auch in einer anderen Heimat aufgewachsen sind, dann lassen sich die daraus erwachsenen neuen Aufgaben eines Heimatvereins nicht einfach unter den Begriff Globalisierung subsumieren. Nehmen wir dann noch diejenigen Eltern dazu, die aus anderen Gegenden unseres eigenen Staates zugezogen sind, dann wird das Ausmaß des Wandels vollends deutlich. Wir müssen erkennen, dass uns daraus auch ganz neue Aufgaben erwachsen, nach innen eine andere Art der Selbstvergewisserung, nach außen aber eine gänzlich neue Art der Vermittlung unserer Ziele. Damit sie allen zur Grundlage einer neuen emotionalen und rationalen Bindung werden können, für das was wir traditionell unter Heimat verstehen. Ein Mia san Mia genügt hier nicht mehr.“

Neue Aufgaben für den Verein

Der scheidende Vorsitzende (Martin Geiger tritt bei der im Dezember stattfindenden Jahreshauptversammlung nicht mehr an) nennt wichtige Bereiche des Vereins. Dieser müsse zukunftssicher, aufgeschlossen und selbstkritisch auftreten. Man solle sich der Zeit anpassen ohne seiner Ziele untreu zu werden. Und für alle gelte: Kein Zwang zur Anpassung sowie Bemühen um jüngeres Leute.

Auch Michael Kölbl ist sich sicher, dass die Geschichte des Heimatvereins selbst in diesem zeitlichen Wandel hochinteressant ist. Und ist sichtlich stolz über die gelungene Verknüpfung zwischen Verein und Stadtarchiv: „Das Bindeglied, das sich durch unseren Stadtarchivar Matthias Haupt auch für die Arbeit im Heimatverein ergibt, lässt auf eine gesicherte Vereinszukunft hoffen“ schließt Kölbl seine Rede. Im Anschluss erfolgte eine Ehrung verdienter Mitglieder. Danach wurde mit großem Interesse dem Vortrag von Professor Dr. Manfred Treml gelauscht. Treml ist Vorsitzender des Gesamtvereins der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine und außerdem als Vorsitzender im Verband Bayerischer Geschichtsvereine aktiv. Er unterstrich die Gewichtung der Regionalität und des Geschichtsbewusstseins in seinen Ausführungen. Der Festabend war nur der Startschuss für eine ganze Reihe an Veranstaltungen zum 100jährigen Jubiläum des Heimatvereins Wasserburg. Für den 28. Oktober wurde die Buchveröffentlichung zur Vereinsgeschichte festgesetzt. Außerdem wird zu einer Diskussion mit Bezirksheimatpfleger Dr. Norbert Göttler geladen.

Ein erster Bericht: Gute Stimmung beim Jubiläum

Jubiläum des Wasserburger Heimatabends

Seit nun genau 100 Jahren gibt es den Wasserburger Heimatverein, welcher sich seit jeher die Sammlung regionaler Spuren der Vergangenheit zum Ziel gemacht hat. Gestern Abend fand nun der Auftakt der Jubiläumsfeierlichkeiten statt – natürlich traditionell im großen, historischen Rathaussaal der Stadt Wasserburg.

Über 350 Personen lauschten den Klängen der Wasserburger Stadtkapelle, sowie der Kammermusik, die die Feierlichkeiten musikalisch umrahmten. Altbürgermeister Dr. Geiger, Bürgermeister Michael Kölbl und Dr. Professor Manfred Treml leiteten diesen Abend und informierten die zahlreichen Besucher über die „alte“ und die „neue“ Heimat der Wasserburger, sowie über die Veränderungen, die in der Geschichte des Vereins bisher geschahen.

Außerdem verlieh Dr. Martin Geiger auch acht Vereinsmitgliedern eine Verdienstmedaille für ihre außergewöhnlichen Einsätze. Geehrt wurden Irmengard Dietz, Doris Irlbeck, Dr. Siglinde Kirmayer, Hans Airreiner, Otto Mayer, Raimund Reiserer, Witgar Neumaier und der ehemalige Leiter des Wasserburger Heimatmuseums Ferdinand Steffan.

Quelle: rosenheim24.de

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