Zu heißblütigen Lenker eingebremst

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Wasserburg - Im Straßenverkehr schlagen die Emotionen gerne mal hoch. Der Fall eines 31-Jährigen landete sogar vor Gericht.

Das Überholmanöver eines 31-jährigen Kosovaren aus dem Raum Wasserburg im August des vergangenen Jahres erhitzte die Gemüter und endete schließlich vor dem Wasserburger Amtsgericht. Dort musste sich der selbstständige Unternehmer nun wegen des Verdachts auf vorsätzliche Gefährdung des Straßenverkehrs in Tateinheit mit versuchter gefährlicher Körperverletzung verantworten. Er hatte nämlich Einspruch gegen einen Strafbefehl in Höhe von 90 Tagessätzen zu je 30 Euro und einen Führerscheinentzug mit einer 13-monatigen Sperre eingelegt.

Vor Gericht war sich der Angeklagte keiner allzu großen Schuld bewusst. Laut seiner Aussage war er in Begleitung seines Cousins mit seinem Passat von Eiselfing kommend in Richtung Wasserburg unterwegs, als ein vor ihm fahrender Opel Corsa rund 400 Meter vor dem Ortsschild aus unersichtlichen Gründen scharf abgebremst habe. Da die Straße frei gewesen sei, habe er die Fahrerin mit Tempo 80 bis 90 überholt. Beim Vorbeifahren habe sein Cousin dann gesehen, dass die Wagenlenkerin, eine 21-jährige Krankenschwester, sowie auch ihre Beifahrerin wild gestikuliert und unter anderem auch den "Scheibenwischer" und den "Stinkefinger" gezeigt haben.

Nach dem Einscheren habe er die Lichthupe bemerkt und daraufhin leicht gebremst, um dann auf der Gegenfahrbahn kurz stehen zu bleiben und die Fahrerin zu fragen, was denn nun los sei. Die habe ihn dann aber beschimpft und mit der Frage, wo er denn den Führerschein gemacht habe, provoziert. Daraufhin habe er eine leere Getränkedose nach ihr geworfen und dabei die Gummilippe des Wagenfensters getroffen. Dabei habe er aber niemanden verletzen wollen.

Etwas anders schilderte die 21-jährige Wagenlenkerin den Vorfall. Demnach habe sie beim Ortsschild gebremst, um die zulässige Höchstgeschwindigkeit nicht zu überschreiten. Da habe sie der Angeklagte überholt und sei knapp vor ihr eingeschert. Um eine Kollision zu vermeiden sei sie kurz nach rechts in die Wiese ausgewichen und dann wieder auf die Fahrbahn zurückgekehrt.

Anschließend seien beide nebeneinander auf der Straße gefahren und schließlich kurz stehengeblieben. Sie habe ihn gefragt, was das solle, er habe gefragt, warum sie gebremst habe. Da habe sie gefragt, wo er denn seinen Führerschein gemacht habe. Daraufhin habe er die leere Getränkedose nach ihr geworfen Dabei sei aber niemand verletzt worden und auch kein Schaden entstanden. Anschließend habe der Angeklagte seine Fahrt einfach fortgesetzt.

Die Staatsanwaltschaft beantragte, das Verfahren wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung einzustellen, da die hierfür zu erwartende Strafe neben der zu erwartenden Strafe für den ersten Anklagepunkt nicht ins Gewicht falle. Auch den Schuldvorwurf der Gefährdung des Straßenverkehrs sah der Staatsanwalt nicht bestätigt, da der Überholvorgang zur Zeit des Ausbremsmanövers aus rechtlicher Sicht abgeschlossen gewesen sei. Wegen Nötigung beantragte er aber eine Strafe von 60 Tagessätzen zu je 30 Euro und ein zweimonatiges Fahrverbot.

Die Verteidigung begrüßte, dass der Sachverhalt gegenüber dem Strafbefehl korrigierte worden sei. Sein Mandant habe sich damals hinreißen lassen, jetzt zeige er sich aber einsichtig. Daher sei eine moderate Geldstrafe mit 50 Tagessätzen zu je 30 Euro ausreichend. Da sein Mandant das Fahrzeug im Betriebsvermögen habe, es finanziert sei und gebraucht werde, um auf Baustellen zu kommen, erfülle ein einmonatiges Fahrverbot die Denkzettelfunktion. Ein längeres Fahrverbot sei schwer zu überbrücken.

Das Gericht verurteilte den Angeklagten schließlich wegen Nötigung zu 60 Tagessätzen zu je 30 Euro und einem einmonatigem Fahrverbot. Eine Verurteilung wegen des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr sei nicht völlig fernliegend, aber wie so oft gebe es unterschiedliche Wahrnehmungen. Aufgrund einer Vorverurteilung wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis sei das Strafmaß angemessen. Der Angeklagte nahm das Urteil an und gab seinen Führerschein gleich im Gerichtssaal ab.

ca/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © pa

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