Für die Pferde ein Inselbewohner geworden

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Soyen/Herreninsel - Ein Soyener wanderte vor einem Vierteljahrhundert aus - auf die Herreninsel! Seine Leidenschaft für Pferde führte zu diesem Entschluss.

Wenn der Alltag mit Pferden zur allergrößten Leidenschaft wird. Wenn auch nach 25 Jahren noch immer die Verbundenheit zu den Pferden auf Herrenchiemsee ungebrochen ist. Wenn aus einem gebürtigen Soyener ein Inselbewohner wird. Dann ist es die Geschichte von Helmut Meidert aus Soyen, der seinem Heimatort den Rücken gekehrt hat, um auf der Herreninsel sein Glück zu leben!

Taubmoos bei Soyen galt lange Jahre als seine Heimat. Hier ist er aufgewachsen. Schon immer hatte seine Familie Pferde im Stall. Ohne Unterbrechung. Trotz Krieg und Umstrukturierung. Bei Helmut Meidert daheim waren auch die Pferde stets mit im Bunde. Der gelernte Krankenpfleger hat sich schon immer für die Arbeit mit den Pferden interessiert. Doch seit 25 Jahren hat es an Besonderheit noch ein Stück zugenommen: Mit seiner Frau und den Kindern wanderte er quasi aus, wurde Bewohner der Herreninsel. Seine Kinder wurden nicht mit dem Bus zur Schule abgeholt, sondern mit dem Schiff. Wo andere Urlaub machen, lebt und arbeitet er.

Pferdehof auf der Herreninsel

Das ganze Jahr. Nicht nur, wenn die Touristen kommen und zum Schloss „chauffiert“ werden wollen. Nicht nur, wenn das Wetter strahlend schön ist. Die für den Fahrbetrieb eingesetzten 28 Pferde wollen versorgt und bemerkt werden, auch wenn es stürmt und regnet. Die Weideflächen und Wiesen müssen gepflegt und bewirtschaftet bleiben und im Winter werden entweder junge Fohlen angeleitet und ausgebildet oder die bereits eingesetzten Kutschpferde umsorgt und auf die neue Saison vorbereitet. Es gibt immer was zu tun. So werden beispielsweise immer wieder neue Kutschen selbst gebaut. Jeder, der schon mal in einer Besucherkutsche zum Schloss Herrenchiemsee gefahren wurde, weiß, welch tolle Bauten hier aus Esche gezimmert sind. Stabil, hübsch anzusehen, praktisch und bequem ausgestattet. Für bis zu 14 Insassen angefertigt. Und stets zu Diensten.

Inselführung eines Zuagroastn

 Helmut Meidert lädt uns ein, die Insel besser kennenzulernen. Er plaudert ein wenig aus dem Nähkästchen. Und wirkt total geerdet. Eben einfach angekommen in seiner Welt. Durchschnittlich 4000 Besucher befördern seine Kollegen und er pro Tag von und zum Königsschloss. Fünf festangestellte Mitarbeiter und zusätzliche Saisonbeschäftigte gehen den Pferden zur Hand und organisieren untereinander die Fahrten. Eine bunt gemischte Truppe: Von Studenten und Handwerkern, bis hin zu Rentnern arbeitet das Team also generationsübergreifend. Und jeder profitiert vom anderen. Es funktioniert und harmoniert. Ein Blick in die Sattelkammer lässt die Ordnung erkennen, die hier herrscht. Und auch herrschen muss!

„Wir sind an schönen Tagen mit teils 10 Gespannen gleichzeitig unterwegs, da muss alles passen, auch bei der Ausrüstung der Pferde“ sagt Helmut Meidert und zeigt uns die Listen, in denen eingetragen wird, welcher Kutschfahrer mit welchem Zubehör unterwegs ist. Der Tag mit Touristenansturm beginnt für die Beschäftigten auf der Insel schon früh: Um halb sieben Uhr morgens wird ausgemistet, die Pferde werden geputzt und selbst aufgezäumt. Jeder Kutschfahrer übernimmt die Arbeit dabei für seine zugeteilten Pferde eigenständig. Pro Kutsche fährt ein Zweiergespann. Und ein Blick auf die Pferde lässt Präzision erahnen. Absolut sauber, vom Huf bis zum Schweif, gesundes Fell, gut gepflegtes Leder. Es passt von der Kutsche bis zum Pferd alles in die Königliche Linie. Die Pferde gehören allesamt den Süddeutschen Kaltblütern an. Enorm brave Tiere, gut ausgebildet und auf Besucher eingestimmt. Die schon immer als Ökonomie-Gebäude betriebenen Stallungen waren auch nach dem Krieg Heimat für Pferde und Ochsen. Wo jetzt „Gustl“, „Saphir“ und die anderen Pferde stehen, wurden auch früher schon Kutschpferde untergebracht, die teils Adelige oder Schaulustige ab dem Jahr 1953/54 auf der 300 Hektar großen Insel hin und her befördert haben. Wunderschöne Kutschen aus dem Jahre 1895 (beispielsweise von der Firma Neuss aus Berlin) dienten damals als beliebtes Transportmittel für die Besucher von Herrenchiemsee.

Ursprünglich waren die Kelten die ersten Besiedler der Herreninsel gewesen. Eines der ältesten Klöster im Süddeutschen Raum steht hier. Seit 25 Jahren ist es nun die Heimat von Helmut Meidert und seiner Familie. Neben der eigentlichen Arbeit mit den Pferden ist Helmut Meidert auch noch hobbymäßig gerne mit edlen Kutschen bei Dressurfahr-Wettbewerben und Mehrgespannen (z. B. Vierergespann) mit dabei. Immer an seiner Seite: Seine Arbeitskollegen, die Pferde!

Mit einem Augenzwinkern zum Schlossgarten

 Helmut Meidert hat viele Geschichten und Besonderheiten auf Lager. Er kann gut mit Pferden umgehen, aber ebenso gut auch mit den Menschen. „Eine wichtige Eigenschaft für all unsere Kutschfahrer ist menschenbezogen und nicht scheu zu sein“ macht uns der selbsternannte „Roßknecht“ aufmerksam. Und er lebt diesen Vorsatz auch. Am ersten Springbrunnen des Schlossgartens gerade vorbeigefahren, fängt die Fontäne an, Wasser zu quellen. In gekonntem Rhythmus ziehen wir mit dem Pferdegespann weiter, Richtung zweitem Brunnen. „Immer wenn die Insassen der Kutsche lächeln, fängt das Wasser an zu sprühen!“ Ein Satz mit Wirkung: Prompt lächeln wir, fängt auch die zweite Fontäne an, Wasser zu speien. Auch beim Schlusslicht, dem Lebensbrunn, funktioniert es. Wir fahren vorbei, lächeln und bekommen prompt als Gegenleistung ein zielgerichtetes Feuerwerk aus Wasser.

Er beherrscht es eben, das Leben und Arbeiten auf der Insel Herrenchiemsee! Und bleibt dennoch ein gebürtiger Soyener.

Regina Mittermair

Quelle: rosenheim24.de

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