Hightech und Zuwendung für Therapie

+
Stand im Mittelpunkt des Interesses am Tag der offenen Tür: Der neue Computertomograf, das derzeit modernste Gerät der neuesten Generation, erläutert von Oberarzt Dr. Josef Nachbar (rechts).

Wasserburg - Die Therapie zweier Volkskrankheiten stand im Mittelpunkt des Tages der offenen Tür am Inn-Salzach-Klinikum Wasserburg: Körperliche Beschwerden und der Schlaganfall.

Er benötigt für eine Kopfaufnahme nur noch zehn Sekunden, während er 16 Schichten auf einmal erfasst, und ist in der Lage, Billionen von Daten für die exakte Diagnose zu berechnen: Der neue Computertomograf (CT) in der Neurologie erwies sich als größter Anziehungspunkt beim Tag der offenen Tür im Inn-Salzach-Klinikum. Oberarzt Dr. Josef Nachbar, zuständig für die Neuroradiologie, freute sich über regen Besuch seiner Führungen. Erst am Donnerstag war das laut Listenpreis 350.000 Euro teure, zurzeit modernste Gerät der neuesten Generation geliefert worden und hatte schon einen Tag später den ersten Notfalleinsatz erfolgreich absolviert, berichtete Nachbar. Eine Patientin, die nach einem Schlaganfall mit halbseitiger Lähmung eingeliefert worden war, zeigte auf dem per CT erfassten Bild eine verschlossene Hirnarterie, die aufgelöst werden konnte. Die unruhige Patientin profitierte von der gegenüber früheren Geräten stark verkürzten Aufnahmezeit, unterstrich der Oberarzt einen weiteren Vorteil.

Auch die neue digitale Röntgenanlage in der Neurologie bietet dem Patienten nach Informationen von Nachbar nicht nur eine um 50 Prozent reduzierte Strahlenbelastung, sondern auch einen neuen Behandlungskomfort. Ein Detektor "fährt" direkt zu den Körperstellen und überträgt die Daten kabellos an den Computer. Schwerkranke müssen nicht mehr umgelagert werden, berichtete der Oberarzt. Das neue Röntgengerät trägt nach seinen Angaben außerdem der Tatsache Rechnung, dass die Deutschen immer dicker werden: Es kann nun mit maximal 200 Kilo belastet werden.

Doch trotz Hightech bei der Diagnose ist menschliche Zuwendung bei der Therapie ebenso wichtig, zeigte der Tag der offenen Tür. Ob Neurologie oder psychosomatische Medizin: Das Spektrum der Therapien ist am Inn-Salzach-Klinikum breit gefächert. Auf großes Interesse stießen ganz konkrete Therapiebeispiele - etwa für die Behandlung von Flug- oder Fahrstuhlangst. Erstaunt stellten die Interessenten fest, dass auf dem Klinikgelände sogar das zehnstöckige Hochhaus zum Üben gegen die Höhenangst genutzt wird. Burnout, Bluthochdruck als Folge von Mobbing. Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Depressionen: All diese psychosomatischen Erkrankungen sind nach Angaben des ärztlichen Direktors Professor Dr.Gerhard Laux deutlich auf dem Vormarsch, ein Grund, warum die Vorträge und Informationsstände zu diesen Themen besonders gut besucht waren. Als Hauptgrund für die Zunahme körperlicher Beschwerden, die ihre Ursache in der Seele haben, nennt Laux die Reizüberflutung. "Viele Menschen stehen rund um die Uhr unter Strom. Sie ertragen die Stille nicht mehr, haben verlernt, sich eine Auszeit zu nehmen", lautet seine Erfahrung.

Wichtige Elemente der modernen psychosomatischen Medizin sind deshalb Entspannungsmethoden, vermittelt über eine Biofeedbacktherapie oder ganz klassisch über Musik und Kunst, traditionelle chinesische Medizin und Akupunktur. Oder sogar über die neue "Genusstherapie", welche die Besucher am Stand von Krankenschwester Marion Lindlbauer und Diplom-Sozialpädagogin Birgit Rumpfinger selber ausprobierten. Feine Öle erriechen, sich durch einen Mini-Sandstrand tasten, eine Banane auf der Zunge zergehen lassen, das Rascheln von Herbstlaub hören: Viele Menschen müssen nach Angaben des Fachpersonals erst wieder lernen, ihre Sinne zu spüren. Gelingt dies, finden vor allem depressive Menschen oder Schmerzpatienten neuen Lebensmut, stellt das Team der Neuropsychosomatik immer wieder fest.

Viele Therapien setzen deshalb auch nach Informationen von Dr.Theodor Danzl, Geschäftsführer des Inn-Salzach-Klinikums, auf die Vermittlung einer wieder zu lernenden Bodenhaftigkeit, etwa im Klinikgarten, in der Holzwerkstatt und in der Lehrküche, die sich ebenfalls vorstellten.

Immer wichtiger wird nach Informationen des ärztlichen Direktors auch der nahtlose Übergang von der Akutbehandlung in den Alltag. Das Inn-Salzach-Klinikum baut deshalb seine teilstationären und ambulanten Angebote weiter aus - Konzepte, die auch Menschen, die sich einen langen Klinikaufenthalt nicht leisten können oder wollen, ansprechen. Viele Besucher nutzten deshalb die Chance, einmal zwanglos mit Ärzten, Pflegepersonal und Therapeuten ins Gespräch zu kommen. Auf diese Weise werden Barrieren abgebaut, Betroffene ermutigt, sich Hilfe zu holen, nennt Laux einen weiteren Nebeneffekt des Tages der offenen Tür.

duc/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Region Wasserburg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser