Hilfe auch für Computersüchtige

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Gemeinsam mit Patienten entstand in der Gärtnerei in Gabersee im Frühjahr ein schöner Garten mit Brunnen, Blumen und Gemüse. Patienten pflegen ihn, die Lehrküche kocht mit dem, was dort gedeiht und viele Spaziergänger machen dort eine Pause. Unter der Woche ist die Gartentür zu den Öffnungszeiten der Gärtnerei immmer offen.

Wasserburg - Die Inn-Salzach-Klinik einer der größten Arbeitgeber im Raum Wasserburg. Sie versteht sich als Kompetenzzentrum für Psychiatrie und Neurologie. Und sie behandeln auch Computersüchtige.

1500 Patienten behandelten die Ärzte 2009 in der Neurologie, rund 7500 Patienten in den anderen Stationen. Flohmarkt, Weihnachtsbasar, früher "Gabersee Live" mit namhaften Künstlern, seit zehn Jahren nun das "Montagsbrettl" bringen dem Haus Öffentlichkeit und viele Besucher.

Trotzdem sagt Geschäftsführer Dr.Theo Danzl: "Es passiert immer wieder, dass Leute aus dem Landkreis sagen: "Wenn wir das gewusst hätten, dass es in Wasserburg eine Spezialklinik für Psychiatrie gibt". Und nach wie vor ist es für den Ärztichen Direktor Professor Dr. Gerd Laux so: "Die Psychiatrie hat immer noch ein Stigma". So habe sich erst vor kurzem eine Besuchergruppe aus Ebersberg gewundert, dass sie beim Rundgang durch die Stationen keine Patienten gesehen hätten. "Sie haben sie gesehen", erklärte Laux. Das alte Bild der Patienten, die laut schreien und hysterisch sind - so leicht scheint es trotz allen Bemühungen nicht verschwinden zu wollen.

Fakt ist: "Wir sind belegt ohne Ende", so Danzl, auch die Außenstelle in Freilassing und die Tagesklinik in Rosenheim. Massiv zugenommen hätten, so Professor Laux, psychosomatische Störungen, zurückzuführen auf die ständige Flut von Reizen, Probleme am Arbeitsplatz wie Mobbing und Druck, Konflikte in der Partnerschaft und andere Stressfaktoren der modernen Lebenswelt. Fünf spezielle Stationen für die Psychotherapie mit 100 Betten sind in Gabersee mittlerweile eingerichtet, für Angst-, Panik- und Zwangsstörungen etwa, für Depressionen mit körperlichen Symptomen wie Schlaf- oder Appetitlosigkeit, aber auch Persönlichkeitsstörungen, deren Wurzeln in der Kindheit liegen. Dafür haben die Fachärzte in Gabersee ein Konzept für die Jugendpsychiatrie entwickelt wie auch die Mutter-Kind-Einheit. Schwangere und Mütter mit Problemen haben einen eigenen Bereich mit acht Plätzen gemeinsam mit Kindern bis zu sechs Jahren, die im Montessori-Kindergarten tagsüber betreut werden. Die acht Plätze sind derzeit belegt, von einer deutlich höheren Dunkelziffer geht Laux aus.

Zur Suchtmedizin gehört ein zweiter Bereich mit steil nach oben zeigender Kurve. Es ist der Bereich der nicht stoffgebundenen Abhängigkeit und meint Computer- und Internetsüchtige. Um die 30 Jahre alt seien meisten die Patienten, die ohne Handy nicht mehr leben könnten, so Laux. Zwei Stellen mit einem fachlichen Hilfsangebot gibt es in ganz Bayern derzeit für diese Abhängigen, in Gabersee ist dafür eine ambulante Sprechstunde eingerichtet worden.

Auch im Zusammenhang mit steigenden Zahlen depressiver Patienten und Patienten aus dem Suchtbereich spielt das Thema Fahrtauglichkeit eine immer größere Rolle. Im Inn-Salzach-Klinikum bietet die Neuropsychologie eine Fahrtauglichkeitsuntersuchung an für alle, die Psychopharmaka einnehmen müssen. Für die Führerscheinerteilung hofft man im Klinikum, noch in diesem Jahr mit dem B-A-D Zentrum in Mühldorf, der Begutachtungsstelle für Fahreignung, als Kooperationspartner offziell zusammenzuarbeiten. Diese Beratungsstelle als Service-Leistung für die Region soll "auch eine Hilfe sein für psychisch Kranke um aus der Stigmatisierung herauszukommen. "Wer zur Behandlung Psychopharmaka einnehmen muss, ist nicht automatisch abgestempelt", sagt Danzl.

Die Station, die nach der Umstrukturierung durch den Bezug der Außenstelle in Freilassing frei geworden war, ist mit 80 Betten wieder komplett im Bereich der Gerontopsychiatrie belegt.

Weitergeführt wird im Inn-Salzach-Klinikum das Qualitätsmanagement, so erhielt es im Juli das Dekra-Überwachungsaudit. Für die Fortbildung wird vieles getan, unter anderem ganz neu ein Videokonferenz-System, angeschafft für die Mitarbeiter in Freilassing und der Tagesklinik in Rosenheim.

"Wir tun viel für die Motivation der Mitarbeiter und das finde ich auch richtig. Wir müssen attraktiv sein, die Leute suchen sich ihre Stellen genau aus". Probleme, die andere Häuser bei der Suche nach Fachärzten und Pflegepersonal schon haben, habe das Inn-Salzach-Klinikum noch nicht. Auch weil das Pflegepersonal oft aus der angegliederten Schule kommt, Ärzte in das akademische Lehrkrankenhaus der Ludwig-Maximilians-Universität nach Wasserburg kommen und hier ihren Facharzt machen können. Eingebunden ist das Klinikum auch bei dem dualen Studienweg für Gesundheitswirtschaft an der FH in Rosenheim. Was fehlt fordern Dr. Danzl und Dr.Laux seit Jahren: "Eine schnellere Zugverbindung nach Müchen".

vo/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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