Almrausch feiert Hundertjähriges

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Wasserburg - Der Trachtenverein Almrausch hat sein hundertjähriges Bestehen am Wochenende mit einem historischen Schiffszug und einem Festumzug gefeiert.

In den 100 Jahren seit der Vereinsgründung sei viel geschehen, stellte der Schirmherr, Bürgermeister Michael Kölbl, fest. Nun sei der "Almrausch" im Medienzeitalter des 21.Jahrhunderts angekommen und stehe trotzdem - "oder vielleicht gerade deswegen?" - gut da mit seinen 180 Mitgliedern, davon vielen jungen. Selbstverständlich sollte ein Trachtenverein die Tracht, das Platteln und die Volksmusik pflegen, es gelte aber zunehmend, über den Tellerrand hinaus zu schauen.

Dass die Trachtensache nicht verstaubt, sondern ausgesprochen lebendig sei, das betonte Gauvorstand Peter Eicher. "Wir Trachtler kümmern uns um das, was hier dahoam ist, was hier Brauch ist."

Was in Oberbayern Brauch ist, das wissen die Wellküren ganz genau. Schließlich entstammen Burgi, Bärbi und Moni der volksmusikgeprägten Familie Well aus dem Westen Münchens. Dass sie diesen Brauch ganz gerne brechen, das zeigten sie am ersten Abend des Trachtenfestes. Selbstbewusst, bodenständig und schön bissig machten sich die Schwestern daran, Bayern zu retten. Den farblosen Kabinettsmitgliedern trauten sie das nicht zu.

Stubenmusik als Verhütungsmittel habe ihnen die Mutter empfohlen - was angesichts 15 Well-Geschwistern schnell als untaugliches Mittel entlarvt war. Virtuos mit Ziach, Posaune, Tuba, Brummtopf, Saxophon, Gitarre und mehr umgehen können die Schwestern aber allemal. So virtuos, dass wohl manch ein Zuhörer im nicht ganz gefüllten Zelt am Gries den mit Harfe und Hackbrett als Stubenmusik getarnten "Highway to hell" von AC/DC nicht erkannte.

Wiedererkannt und mitgesummt wurde am Samstag dann "Hom da hom, Sebastian"", als die Schiffsleut des Theaterkreises kamen. Rund 1000 Zuschauer tummelten sich am Inndamm, schauten sich den historischen Schiffszug an. Christian Huber hatte eine kurze, einleitende Spielszene verfasst und inszeniert, die von der Faszination des Inns für die Wasserburger Männer aller Altersgruppen erzählte und mit dem Ruf "D'Schiffleut kimma!" endete. Und dann kamen sie an, vorneweg die Rosserer, ihre kräftigen Vierbeiner durch das knietiefe Wasser des Inns reitend. Am Tau folgten das Hauptschiff Hohenau, die Plätten Schwemmer, Nebenbeier, Haberkasten und der Seilzille. Vergangene Woche hatten die Verantwortlichen des Theaterkreises noch leise Bedenken, ob der Inn denn genug Wasser führen würde für den Schiffszug, nun musste bei Anlanden in einem Fall sogar der Motor helfen, die Plätte aus der Mitte des Flusses ans Ufer zu bringen. Nach einer halben Stunde war das Spektakel vorbei, was bei manch einem Zuschauer für leichte Irritationen sorgte. Die Frage "War's des scho?" war am Inndamm mehrfach zu vernehmen.

Fotos vom Festumzug am Sonntag:

Festumzug Trachtenverein Almrausch - 1

Festumzug Trachtenverein Almrausch - 2

Den von Wast Friesinger moderierten Festabend nutzte der Vorsitzende des Trachtenvereins "Almrausch", Lorenz Grasberger, dazu, Rudl Eicher und Korbinian Hiebl, zwei langjährige Mitglieder zu Ehrenmitgliedern zu ernennen. Der Weintröpflgsang, die Näblloch-Weißenbläser und die verschiedenen Tanzgruppen des Festvereins, begleitet von der Kilometer-Musi, gestalteten den Großteil des Festabends. Zu Gast waren, sehr zur Freude des Vorsitzenden, auch Tänzer aus der rumänischen Partnerstadt Cugir, begleitet von Bürgermeister Adrian Teban. Der hatte für Lorenz Grasberger einen rumänischen Trachtenhut dabei - den der sichtlich gerührte Vorsitzende sofort auf- und so schnell nicht wieder absetzte. Der offene Tanz im Anschluss dauerte nicht lange, schließlich hieß es für die meisten am nächsten Tag früh aufstehen.

Denn schon um 6 Uhr stand am gestrigen Sonntag der Weckruf an, ab 8 Uhr war im Festzelt  am Gries der Empfang der Vereine. Und viele, viele, kamen. Rund 900 Frauen, Männer und Kinder nahmen allein am Festzug teil. Die Trachtenvereine der Umgebung folgten den Vorreitern ebenso, wie die Wasserburger Vereine. Die Ballester-Schützen, der älteste Verein der Stadt, hatten das Trachtenfest gar zum Anlass genommen, sich eine historische Kluft anzuschaffen. Mit ihren Ballestern, den Armbrusten, über der Schulter, sorgten sie für den optischen Übergang von den Leutwagen des Theaterkreises - auf denen mitfahren durfte, wer für den Marsch durch die Stadt nicht gut genug zu Fuß war - zu den Schäfflern des TSV 1880.

Treidelzug am Samstag:

Über 400 Besucher kamen zum historischen Theaterspiel, das vermutlich zum letzten Mal aufgeführt wurde.

Treidelzug in Wasserburg

Zugteilnehmer und -zuschauer strömten gemeinsam ins Festzelt, wo die frühlingsfestbewährte Mannschaft um Festwirt Hans Obermaier und Küchenchef Hubert Baumann den Ansturm bestens bewältigte. Dass das Zelt für die Massen fast zu klein war, spielte keine Rolle, bei Sonnenschein wurden flugs draußen Biertische und -bänke aufgebaut. Das Jubiläumsfest des Trachtenvereins "Almrausch" endet am heutigen Montag mit dem traditionellen Kesselfleischessen ab 17 Uhr und einem offenen Tanz im Festzelt am Gries.

syl/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © aj

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