Historischer Stempel in Museum ausgestellt

+
"Guet" aus Wasserburg: Thomas Schmeling und Jutta Mauritz vom Wirtschafts-Förderungs-Verband Wasserburg übergaben den Stempel jetzt an das Museum.

Wasserburg - Ein Siegelstempel von 1590 ist jetzt neu im Museum ausgestellt. Er diente mit der Aufschrift "WASSERBURGERGUET" offensichtlich zur Kennzeichnung von Waren aus Wasserburg.

2007 erwarb der Wirtschaftsförderungsverband Wasserburg mit Hilfe der Stadt den einmaligen Siegelstempel aus dem Handel. Nun ist er im Städtischen Museum eingebettet in die Reihe städtischer Siegelstöcke und dokumentiert die Geschichte Wasserburgs als Handelsstadt.

Die ursprüngliche Bedeutung des Guet-Stempels liegt im Dunkeln. So lässt sich auf ihn kein Hinweis in den städtischen Ratsprotokollen im Stadtarchiv finden. Auch vergleichbare Siegelstempel, sogenannte Typare, sind selten. Da ein Siegelstempel mit dem Siegel ein unverwechselbares Echtheitskriterium erzeugen sollte, durfte es immer nur ein Typar zu jedem Siegel geben. Abgenutzte Typare wurden vor Zeugen zerstört. Aus diesem Grund liegen kaum vergleichbare Objekte vor.

Der Stempel besteht aus einer metallenen Stempelfläche mit Griff, der hölzern eingefasst wurde. Es war üblich, die Stempel mit einem Hammerschlag auf den Griff ins Siegelwachs zu schlagen, um einen möglichst klaren Abdruck zu erhalten, was zu einem Sprung im Holz geführt haben könnte. Mit einer im Durchschnitt zehn Zentimeter messenden Stempelfläche gehört der Stempel zu den größten. Die ungewöhnliche Größe spricht dafür, dass er nicht zum Besiegeln von Urkunden sondern von Waren diente.

Die grob gestaltete Stempelfläche zeigt den Wasserburger Löwen nach links schauend und umlaufend die Schrift "WASSERBURGERGVET". Die Jahreszahl 1590 ist auf dem oberen Rand aufgebracht.

Es ist bemerkenswert, dass der Wasserburger Löwe im Positiv, also im Wachsabdruck, nach rechts, statt nach links blickt. Als klassisches Wappentier, das den Schild des Ritters im Kampf ziert, schaut er nach links und züngelt so beim Kampf Mann gegen Mann dem Gegner entgegen. Der falsch dargestellte Löwe und die grobe Art der Darstellung weisen laut Museumsleiterin Sonja Fehler darauf hin, dass der Stempel von einer Person hergestellt wurde, die in der Gestaltung von Siegelstempeln nicht geübt war. Auf allen amtlichen Siegeln und Wappen der Stadt und des Rates schaut der Löwe nach links. Dies deutet wiederum an, dass es sich bei dem Siegel um kein städtisches Siegel handelt.

Einen nach rechts blickenden Löwen findet man gelegentlich bei Darstellungen aus dem Bereich der Zünfte. Auch Restaurator Armin Göttler berichtet von Beschauzeichen auf Zinn- und Silberwaren, die in Wasserburg aus einem nur wenige Millimeter großen Löwen bestanden, der mal nach rechts und mal nach links blickt. Beschauzeichen sind Marken, die von einer städtischen Stelle oder der Zunft vergeben wurden, um die Qualität einer Ware aus einer bestimmten Stadt zu kennzeichnen.

Viele Städte und Handelsverbände wie die Hanse entwickelten im ausgehenden Mittelalter und der frühen Neuzeit entsprechende Warensiegel. Im Museum ist ein Brennstempel aus dem 19. Jahrhundert erhalten, dessen Abdruck einen nach links blickenden Löwen hinterlässt. Es diente zum Einbrennen des städtischen Symbols in Holz und hatte gemeinsam mit den Buchstaben S W die Funktion eines Eichstempels. Mit ihm wurden von der städtischen Verwaltung überprüfte und geeichte Maße, zum Beispiel das Wasserburger Schrannenmaß, gekennzeichnet. Ein so gekennzeichneter Bottich steht heute im Museum.

Sonja Fehler: "Der Wasserburger Guet-Stempel ist im Kontext dieser Entwicklungen zu sehen. Es ist daher anzunehmen, dass es sich um ein Warensiegel handelt, mit dem Wasserburger Händler und Handwerker die hohe Qualität Wasserburger Waren kennzeichneten."

re/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Region Wasserburg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser