"Ich lebe im Winter auf Gran Canaria"

Landkreis - Ein "erfahrener" Betrüger aus dem Landkreis war nicht erfahren genug: Dreiste E-Mails an seine Gläubiger brachten ihn nun erneut vor Gericht.

"Einen Betrüger erkennt man sofort daran, dass er wortreich eine Frage beantwortet, die man gar nicht gestellt hat." Dieser kriminaltaktischen Erkenntnis entsprach der braungebrannte Angeklagte in vollem Umfang. Eindringlich schilderte er, dass er während des Winters auf Gran Canaria lebe, weil er mit seiner geringen Rente von rund 430 Euro nur dort überleben könne. Ebenso nachdrücklich zitierte er den Paragraf 263 des Strafgesetzbuches, wonach nur ein Betrüger sei, wer von vorne herein die Absicht habe, einen Betrug zu begehen. Das aber wies er weit von sich.

Im Sommer 2008 hatte er für eine Baumaßnahme, die er in Eigenregie durchführte, bei einem Schreiner aus Bad Endorf eine Türe, inklusive umfangreicher Glasarbeiten, in Auftrag gegeben. Zu diesem Zeitpunkt habe er genug Geld gehabt, um die entsprechende Rechnung zu begleichen. Damit entfiele die Betrugsabsicht und er sei freizusprechen. Allerdings blieb er den Nachweis für diese Behauptung schuldig. Gar die abenteuerliche Einlassung, er habe die Rechnung erst ein Jahr nach der Baumaßnahme erhalten, war schnell widerlegt. Die geschädigte Firmeninhaberin: "Wir zeigen nicht jeden an, der nicht bezahlen kann. Aber dass man uns über Jahre dermaßen auf den Arm nimmt, belügt und uns noch dazu verhöhnt, das konnten wir dem Angeklagten nicht durchgehen lassen."

So hatte der 70-Jährige unter anderem ein E-Mail aus Gran Canaria gesandt, in dem er berichtete, er lebe des Winters in seinem Haus auf Gran Canaria und könne deshalb die offene Rechnung nicht bezahlen. Bezeichnender Weise erklärte er dann der Vorsitzenden Richterin Jacqueline Aßbichler, er lebe dort keineswegs in einem eigenen Haus, sondern im Anbau eines Hauses, das einem "Peter" gehöre, von dem er den Nachnamen aber nicht wisse.

Als die Richterin die Vorstrafen des Angeklagten verlas: 25 Verurteilungen - überwiegend wegen Eigentumsdelikten und das quer durch alle Amtsgerichte in Oberbayern - da wurde die Glaubwürdigkeit des Angeklagten endgültig gegen Null notiert. Zu seinen Gunsten sprach, dass er die Schulden bei der Schreinerei seit Juli 2011 sporadisch zu begleichen begonnen hatte: 700 Euro von über 5000 Euro sind inzwischen bezahlt.

Auf die Nachfrage des Gerichtes, ob er denn hin künftig weiter diese Schulden abbauen wolle, meinte er: "Das geht aber nicht, wenn ich im Winter auf Gran Canaria bin." Das beeindruckte die Richterin wenig. "Dann müssen sie eben hier Schneeschaufeln, um etwas dazu zu verdienen."

Der Staatsanwalt beantragte eine Gefängnisstrafe von vier Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt werden könne, sofern der rüstige Rentner weiterhin seine Schulden abbezahle. Der gelernte Straßenbaumeister erklärte in seinem Schlusswort: "Dann darf ich hier aber nicht sagen, dass ich dazu schwarzarbeiten muss." Die Richterin erklärte ihm nochmals: "Natürlich dürfen sie als Altersrentner so viel dazu verdienen, wie sie wollen. Trotzdem müssen sie das Einkommen versteuern."

Das Urteil entsprach dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Eindringlich ermahnte die Richterin: "Wenn ich sie nicht erreichen kann, oder wenn sie nicht zahlen, dann gehen sie ins Gefängnis." Darauf der Verurteilte: "Kein Problem, wenns grad im Winter wäre."

au/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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