Thema "Alte Trassen - neue Perspektiven" bei Pro Bahn

Ilztalbahn als Modell für Wasserburg

Wasserburg - Die Pro Bahn-Ortsgruppe Wasserburg lud zu einem Vortrag über die stillgelegte und wieder reaktivierte Ilztalbahn in Niederbayern ein.

Knapp 90 Besucher folgten der Einladung unter dem Motto "Alte Trassen - neue Perspektiven - Das Abenteuer Ilztalbahn als Modell für Wasserburg?"

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Die Ilztalbahn führt von Passau über Waldkirchen nach Freyung im Bayerischen Wald. Seit ihrer Eröffnung 1892 bis weit ins 20. Jahrhundert hinein war sie eine wichtige Verkehrsachse zur Erschließung dieser ansonsten eher abgelegenen Region. Das Aus für den Personenverkehr kam im Jahre 1982, für den Güterverkehr im Jahre 2001. Nach einem schweren Unwetter war die Strecke 2002 nicht mehr befahrbar, die Stilllegung erfolgte 2005.

Engagierte Bürger wollten sich damit nicht abfinden und gründeten den Förderverein Ilztalbahn mit dem Ziel, die Strecke wiederzubeleben, wobei viele Anliegergemeinden lieber einen Radweg auf der Bahntrasse wollten.

Schließlich gelang es dem Förderverein mit privat finanzierten Gesamtkosten in Höhe von 900 000 Euro netto und mehr als 10000 Stunden ehrenamtlicher Eigenleistung die 47 Kilometer lange Strecke ohne öffentliche Mittel zu sanieren. Seit letztem Jahr rollen zunächst an den Wochenenden wieder vier Zugpaare pro Tag. Hinzu kommt eine enge Kooperation mit dem Landkreis Freyung-Grafenau, der Busse von Waldkirchen nach Haidmühle bestellt und mit den südböhmischen Nachbarn. Nun ist es wieder möglich, per Bahn und Bus von Passau nach Nové dol in Tschechien oder in den Nationalpark Bayerischer Wald zu reisen. 2011 benutzten 28000 Reisende die Züge der Ilztalbahn.

Referent Professor Schempf schilderte den langen Weg von der "kalten" Stilllegung bis zur Übernahme, Sanierung und Wiedereröffnung der Strecke.

Er ging auch auf die vielen Hindernisse ein, die dem Projekt in den Weg gelegt wurden. So hatte etwa das Passauer Finanzamt der Ilztalbahn-Betriebsgesellschaft einen illegalen Betriebszweck unterstellt. "All diese Querelen haben sich in Wohlgefallen aufgelöst. Und die Region steht nun hinter der wiedereröffneten Ilztalbahn. Das Engagement der vielen ehrenamtlichen Helfer wurde sogar mit dem Bürgerkulturpreis 2011 des Bayerischen Landtag ausgezeichnet. Jetziges Ziel ist es, über die touristische Nutzung hinaus wieder täglichen Regelbetrieb auf die Ilztalbahn zu bringen", berichtete der Referent.

Bernd Meerstein als Sprecher der Wasserburger Pro Bahn-Ortsgruppe fragte in der Diskussion nach den Parallelen zwischen Ilztalbahn und Wasserburger Altstadtbahn. Diese würden sich vor allem aus dem Eisenbahnrecht ergeben. Demnach sei Letztere nie stillgelegt worden, erläuterte der Vorsitzende des Pro Bahn-Bezirksverbandes Oberbayern, Norbert Moy. Da Züge auf der Trasse bestellt seien und es auch Übernahmekandidaten für die Altstadtbahn gebe, habe der Antrag der Stadt Wasserburg auf Entwidmung, hilfsweise auf Stilllegung der Strecke schlechte Aussichten.

Walter Neumayer als Vertreter der Rhein-Sieg-Eisenbahn verwies auf die seiner Meinung nach überhöhten Kosten in Höhe von elf Millionen Euro für die Wiederherstellung. Er habe schon einen Zwei-Wege-Unimog eigens für die Wasserburger Altstadtbahn verfügbar. "Wenn's angeht, stehen wir bereit."

Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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