Und immer findet sich Hilfe

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"Blaues Wunder" heißt ein Benefiz-Kunstprojekt von Floretta Viereck zugunsten der Tafel, das noch bis 29. November in der Wasserburger Backstube läuft: Essstäbchen können künstlerisch verziert und gekauft werden, in der Zwischenzeit sind sie im Café drapiert. Die Kinder von Grundschule und Kindergarten haben schon mitgeholfen, sind kreativ und sozial tätig geworden, ganz im Sinne der Künstlerin.

Wasserburg - Jede Woche verhilft die Wasserburger Tafel gut 300 Menschen zu kostenlosen Lebensmitteln. Jetzt zieht die Einrichtung um: Ab 14. Dezember ist sie im Burgerfeld zu finden.

"Ein klein wenig besser" sei die Situation der betroffenen Familien dank der Konjunkturentwicklung in den letzten Monaten wohl geworden. So jedenfalls hofft Elke Pawelski, die Leiterin der Tafel: Einige "Kunden" hätten freudestrahlend von einem neuen Job berichtet und sich abgemeldet. Und die Zahl der Bezieher habe zumindest nicht mehr zugenommen.

Das war bis zum Sommer anders: 140 bis 160 Bezieher kommen inzwischen jeden Dienstag an den Schiffsmühlenweg, um sich ihre Ration abzuholen. Sie beziehen im Schnitt Lebensmittel für 2,2 Personen. Das ist ein Höchststand, seit die Tafel in Wasserburg vor fünf Jahren gegründet wurde.

Doch für Elke Pawelski ist es auch nach dieser langen Zeit noch immer erschreckend, welche Einzelschicksale sich hinter den "Fällen" verbergen. Vor allem die vielen alleinerziehenden Mütter in Not gehen der Sozialarbeiterin, die selbst schon in Rente ist, immer wieder unter die Haut. Und auch, dass mehr und mehr "Aufstocker" kommen, also Arbeitnehmer, die trotz einer Beschäftigung nicht genug verdienen und noch Geld von der ARGE dazubekommen, sieht sie mit Sorge: "Das kann gesellschaftlich doch auf Dauer nicht funktionieren."

Doch allgemeinpolitische oder gar philosophische Betrachtungsweisen sind die Sache von Elke Pawelski und ihren 32 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern - auf die 14 Männer ist sie besonders stolz - nicht: "Davon werden die Familien nicht satt", stellt sie knapp fest, und packt weiter an für ihre Tafel.

So wie sie sind die meisten der Helfer schon lange dabei - und viele der "Lieferanten" ebenfalls. In der Regel habe man wirklich ein sehr gutes Angebot im Regal, freut sich Pawelski über die Unterstützung von Supermärkten, Cafés, Gärtnern und Molkereien: "Wasserburg ist da in einer komfortablen Lage, woanders sind die Spenden deutlich zurückgegangen."

Und wenn es doch mal hakt, tue sich immer wieder irgendwo Hilfe auf, ist ihre Erfahrung - so auch jetzt beim Umzug. Es ist der dritte in den fünf Tafel-Jahren, doch diesmal führt er hinaus aus der Altstadt. Das Bildungszentrum Sozialverwaltung, bei dem man zuletzt in Miete war, benötigte die Räume wieder für den Schulbetrieb.

Die Brunhuberstraße 24 ist die neue Adresse der Einrichtung des Diakonischen Werkes. Im Burgerfeld, direkt gegenüber der Konrad-Kirche, liegen die ehemaligen Ladenräume, die von der Stadt vermietet werden. 85 Quadratmeter und ein Kellerraum bieten gute Voraussetzungen, dass es diesmal für ein paar Jahre mehr ist.

Am 30. November wird zum letzten Mal im Schiffsmühlenweg geöffnet sein, dann eine Woche geschlossen für den Umzug. Am 14. Dezember ist dann Neueröffnung, und dabei wird es wie schon in den letzten Jahren wieder Weihnachtspäckchen von Schülern aus Pfaffing geben. Von dort kommen auch ein paar spontane Helfer, die sich fanden, als es Probleme mit dem Verlegen eines Bodens im neuen Laden gab. "So werden wir immer unterstützt, auch mit kleinen und größeren Geldbeträgen. Das ist schon toll hier in der Kleinstadt und dem ländlichen Umfeld", so Elke Pawelski.

koe/Wasserburger-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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