Immer öfter Heizenergie aus der Region

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Rund um Wasserburg von der WBV gehackt...

Wasserburg - In immer mehr Gemeinden der Region entstehen Heizzentralen, die mit Hackschnitzeln aus den heimischen Wäldern versorgt werden.

Und die Waldbesitzervereinigung (WBV) sieht noch Spielraum: Die Holzzuwachs-Reserven seien längst noch nicht ausgeschöpft.

Jeden Samstag biegen drei Traktoren mit Anhängern voll Hackschnitzel beim Gymnasium ein. Das ist dann der Brennstoffvorrat für die nächste Schulwoche. "Just-in-time" beliefern die Mitglieder der WBV Wasserburg-Haag - zuverlässlich außerhalb des Unterrichts - die Schule, seit das Landratsamt im Sommer eine neue Hackschnitzel-Heizzentrale in Betrieb genommen und einen Liefervertrag mit der WBV geschlossen hat. 100 Kubikmeter pro Woche werden es im Winter sein, 2500 Kubikmeter pro Jahr.

...und dann von den Mitgliedern direkt zum Gymnasium geliefert.

Die Liste der Abnehmer des nachwachsenden Brennstoffes aus den heimischen Wäldern wird immer länger. Hackschnitzel-Heizungen sind erst ab einer gewissen Dimension interessant. Daher sind es in der Regel größere Einrichtungen, die so mit Wärme versorgt werden: Die gemeindlichen Gebäude in Soyen und Rechtmehring etwa, die Schule Ramsau, eine Gärtnerei, aber auch ein großes Privatanwesen sowie das Bauernhausmuseum in Amerang. Derzeit ist die Umstellung der Heizzentrale des Inn-Salzach-Klinikums in Vorbereitung.

Rupert Mayer von der WBV ist verständlicherweise zufrieden mit der Entwicklung. Mit einigen Jahren Verzögerung sei nun auch im Raum Wasserburg feststellbar, was in Österreich schon länger Praxis sei, so der Vorsitzende der Vereinigung. Die ist bei den meisten Objekten der Partner für das Brennmaterial. WBV-Mitglieder vor Ort koordinieren die Lieferungen, die fast ausschließlich aus dem engeren Umkreis der Anlagen erfolgen.

Kurze Kreisläufe, Wertschöpfung in der Region und CO2-neutrale Engergiegewinnung: Das sind für Mayer die schlagkräftigen Argumente für das Modell. Der Preis kommt hinzu. Im Moment, so rechnet die WBV vor, liege der Holzpreis bei rund 50 Prozent des entsprechenden Heizöls.

Ob das so bleibt, hängt von der Marktentwicklung ab. "Es wird Preissteigerungen geben, aber sie werden nie auf das Öl-Niveau kommen und auch nicht so sprunghaft sein", so die Überzeugung von Rupert Mayer. Und: Öl und Gas würden sich ja in absehbarer Zeit deutlich verknappen und damit verteuern und könnten auch zum politischen Werkzeug werden.

In den heimischen Wäldern dagegen wächst laufend Holz nach. Auf den 12.000 Hektar Wald, die von Mitgliedern der WBV Wasserburg-Haag bewirtschaftet werden, sind es jährlich geschätzte 150.000 bis 200.000 Festmeter. "Wir nutzen im Moment höchstens zwei Drittel davon", so Rupert Mayer.

So schnell würde also der Rohstoff nicht knapp werden - vorausgesetzt, man könnte die Wachstumsreserven komplett mobilisieren. Und da hapert es derzeit noch. Vor allem die Besitzer kleinerer Flächen, die nicht aus der Landwirtschaft kommen, würden Schwachholz oft noch im Wald verrotten lassen und Anpflanzungen auch nicht durchforsten, so die Fachleute. "Die WBV würde das ja mit übernehmen", so Mayer, doch es gebe oft kein Interesse der Besitzer an ihrem Wald.

Zumindest ein Teil der Reserven dürfte dagegen dann in die Hand genommen werden, wenn sich die aktuelle Tendenz fortsetzt und Holz grundsätzlich teuerer wird. Dann würde es sich nämlich eindeutig rentieren, auch Schwachholz konsequenter zu verwerten, ist Mayer überzeugt. Und es gäbe Umschichtungen: Was jetzt noch als Papierholz verkauft werde, könne genauso gut als hochwertige Hackschitzel verbrannt werden, so Mayer.

Auch Beratungsförster Ludwig Krug vom Forstamt sieht "einen teilweise erheblichen Durchforstungsrückstand im Privatwald". Außerdem stünden derzeit im Raum Wasserburg-Haag die Flächen, die nach dem Hagel 1984 oder dem Sturm Wibke 1990 wieder aufgeforstet wurden, zur Pflege an und könnten für einige Jahre Heizmaterial liefern.

Fest steht: Hackschnitzel sind im Trend. Die Menge, die aus den heimischen Wäldern verwertet wird, hat sich in den letzten zwei Jahren nach WBV-Schätzungen rund verdreifacht. 5000 bis 7000 Festmeter hackt die große Maschine des WBV derzeit pro Monat.

Weniger werde dagegen wohl das Scheitholz, prognostiziert Mayer - nicht weil es nicht gefragt wäre, sondern weil viele Bauern die personelle Kapazität für die Handarbeit nicht mehr hätten. "Da könnte es eher eng werden", befürchtet Ludwig Krug.

Karl Königbauer (Wasserburger Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

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