"Amerang oder Entenhausen"

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Amerang - Am geplanten Gewerbegebiet "Grünhofer Feld" scheiden sich nach wie vor die Geister. Bei der Infoveranstaltung für Anwohner wurde teils heftig und emotionsgeladen diskutiert.

Die Bürgerinitiative hat erhebliche Bedenken und befürchtet, dass das Schnellverfahren durch die Instanzen gedrückt werden soll und weiter fortgeschritten ist, als es sein dürfte. Ab Freitag liegt die Gesamtplanung für einen Monat an der Gemeinde aus

"Stimmts nicht gegen das Gewerbe, sondern gegen den Standort", forderte ein Versammlungsteilnehmer, damit auch Kammer angenehm anders bleibe. Der Leitspruch des Ortes solle auch für die Kammerer gelten und die hätten bisher freie Sicht, und hörten ab und zu mal einen Traktor und ansonsten Vogelgezwitscher. Dementsprechend groß sei der Einschnitt mit dem geplanten Gewerbegebiet für die Anwohner, denn künftig solle hier gebaut und anschließend im 24-StundenBetrieb produziert werden. Er nannte Zahlen zu Lärmhöchstgrenzen, die laut Umweltbundesamt bereits negative Folgen haben könnten und Studien aus verschiedenen Ländern, die Auswirkungen von Lärm ab 40 dB und höher auf die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit, gerade auch bei Kindern, zeigten.

Weitere Wortmeldungen zielten auf die zu erwartende, zunehmende Verkehrsbelastung auf der Gemeindeverbindungsstraße von Amerang nach Kirchensur ab und wiesen auf deren allgemein schlechten Zustand hin. Die Straße biete eh schon Engstellen und sei, ebenso wie die Brücke, nicht für ein erhöhtes Verkehrsaufkommen mit Baustellen- und Schwerlastverkehr ausgelegt. Das sei eine Belastung für die Anwohner, betonte ein Anlieger und ärgerte sich, dass er nicht im Vorfeld über das geplante Gewerbegebiet informiert worden sei. Alles ginge über die Köpfe der Bürger hinweg. "Das ist nicht mehr Amerang, sondern Entenhausen."

Die Bürgerinitiative sieht auch Verstöße gegen grundlegende Bestimmungen des Baugesetzbuches. So seien etwa die Wohnbedürfnisse der Bevölkerung nicht angemessen berücksichtigt und der "Trennungsfaktor" zwischen Wohngebieten und Gewerbegebieten vollständig außer Acht gelassen worden. Zudem sei die umweltbezogene Auswirkung auf die Anlieger nicht oder nur ungenügend überprüft. Fraglich sei auch, ob dem "Abwägungsgebot", das den "drittschützenden Charakter" eines Bauvorhabens betont, Genüge geleistet worden sei und die "Bodenschutzklausel" und die "Umwidmungssperre" seien scheinbar in keiner Weise beachtet worden. Ebenso wie die Belange des Personen- und Güterverkehrs. Argumentiert wurde auch mit Verletzungen der gesetzlichen Vorschriften für Flächenausweisung für den überörtlichen Verkehr sowie bei der Ausweisung von Verkehrsflächen im Bebauungsplan. Die Verkehrserschließung müsse bis zur Fertigstellung der baulichen Anlagen durchgeführt sein und davon sei die Gemeinde Amerang meilenweit entfernt, betonte der Sprecher der Bürgerinitiative, Peter Michel. Das betreffe selbstverständlich auch die Vorschriften für die "Fertigstellung der Fahrbahnen der Ortsdurchfahrten". Wenn Verkehrsprobleme nur durch den Ausbau einer vorhandenen Landstraße gelöst werden können, verstieße dies gegen den Grundsatz der "Konfliktbewältigung". Außerdem sei die "frühzeitige Herstellung von Öffentlichkeit" in keiner Phase des Bauvorhabens eingehalten worden. Andernfalls, wenn die "entsprechende Planung bereits über das Stadium eines noch völlig unverbindlichen Vorentwurfs hinausgegangen ist, werde die Öffentlichkeitsbeteiligung zur Farce". Das Gesetz fordere die Gemeinde dazu auf, einen Plan über mögliche "Erschließungsbeiträge" der Anwohner zu erstellen, um frühzeitig sicherzustellen, dass keine unbilligen Kosten auf die Anwohner zukommen. Auch dazu gäbe es bisher keinerlei Vorlagen.

Abschließend überreichte Michel noch einige Fragen an die Gemeinde, mit der Bitte um Klärung der Sachverhalte und beantragte einen "Runden Tisch", wo die Gemeinde mit allen beteiligten Bürgern eine Alternative für ein neues Gewerbegebiet erarbeiten könnte.

Bürgermeister Gust Voit betonte, dass er sehr an einem sachlichen Dialog interessiert sei, auch wenn es unterschiedliche Sichtweisen gäbe. Die Gemeinde habe seit einigen Jahren nach einem geeigneten Gebiet Ausschau gehalten, da es immer wieder Anfragen von Gewerbetreibenden gegeben habe. Das "Grünhofer Feld" erfülle die Zielvorgaben nach dem Anbindegebot an vorhandene Siedlungsstrukturen.

Bereits am 18. April sei, so Voit, der Aufstellungsbeschluss in einer öffentlichen Gemeinderatssitzung gefasst und damit öffentlich geworden. Zudem habe es viele Gespräche mit Betroffenen gegeben und auch daraus sei ein Bauvorentwurf entwickelt worden, der bereits im Gemeinderat beraten worden sei. In der Auslegungsphase hätten die Bürger nun einen Monat Zeit, um Wünsche und Anregungen anzubringen. Diese würden dann in die endgültige Fassung eingearbeitet und in der formellen Auslegungsphase erneut einen Monat ausgelegt, um die grundsätzlichen Belange ausreichend zu berücksichtigen. Erst dann werde im Gemeinderat der Genehmigungsbeschluss gefasst. Das Plankonzept sei schon sehr weit gediehen und die Voraussetzungen für die Erschließung und ein Schallschutztechnisches Gutachten lägen bereits vor.

Nach Ansicht der Verwaltung sind die Bedürfnisse der angrenzenden Wohnbebauung dabei ausreichend berücksichtigt. Jede der vier vorgesehenen Parzellen darf zu 80 Prozent bebaut werden und pro Betrieb sind zwei Betriebsleiterwohnungen möglich. Die Wandhöhe der Gebäude dürfe 8,50 Meter nicht überschreiten und die Dachneigung sei mit acht Grad relativ gering. Mit der Grünfläche von 15 Metern soll ein ausreichender Puffer und Sichtschutz zur Bebauung geschaffen werden. Zudem werde eine Entlastung der Gemeindeverbindungsstraße über eine Anbindung der Murner Straße an die Frabertshamer Straße diskutiert. Fakt sei auch, dass die bisherige Straße den Anforderungen genüge.

Geschäftsstellenleiter Helmut Stadler wies darauf hin, dass in der Bauleiplanung die Schallkontingente für die vier Parzellen festgelegt worden seien. Fünf Emissionsorte habe man untersucht, die Geräuschvorbelastung bei einer Parzelle durch das Gewerbegebiet "Am Kroit" sei berücksichtigt worden.

Klar äußerte sich Voit zu den Kosten: "Im Außenbereich sind Eigentümer bebauter Grundstücke nicht zu Straßenbaukosten heranzuziehen".

ca/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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