Inn-Abenteuer nur mit Schwimmweste

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Wasserburg - Sommer, Wärme, Ferienzeit und den Inn vor der Haustür. Was liegt näher, als eine entspannte Flussfahrt mit Schlauchboot, Kanu oder Kajak? Nicht viel. Und was spricht dagegen? Nicht viel - sollte man meinen.

Die Schlauchboot-Tour zweier junger Wasserburger im Alter von 19 und 20 Jahren, die gemütlich nach Passau dümpeln wollten, fand am Montag auf dem Inn ein jähes Ende: Kurz vor der Staustufe Neuötting wurden sie von einem Großaufgebot der Feuerwehr, der Wasserwacht sowie des Bayerischen Roten Kreuzes an Land beordert.

Ein Autofahrer wähnte die beiden Kapitäne offensichtlich in derart großer Gefahr, dass er umgehend die Einsatzzentrale in Rosenheim alarmierte: Sie befänden sich sichtlich in Schwierigkeiten und versuchten vergeblich, ans Ufer zu gelangen.

Die Altöttinger Polizei, von der Leitstelle in Rosenheim von dem vermeintlich drohenden Unglück in Kenntnis gesetzt, benachrichtigte sogleich die örtlichen Rettungsorganisationen, sogar ein Rettungshubschrauber überflog die Stelle.

Schließlich wurden die beiden Reisenden auf Höhe der Neuöttinger Fischervorstadt von der Polizei angesprochen. Überrascht ruderten die beiden Wasserburger eigenständig ans Ufer, sie hatten sich zu keiner Zeit in Gefahr befunden.

Tags darauf gingen Meldungen durch die Medien, die den Leichtsinn der beiden jungen Männer anprangerten, die "von Polizei und Feuerwehr aus dem Fluss geholt" werden mussten. Sie hätten das Befahrungsverbot des Inns missachtet und müssten eventuell die Kosten des Einsatzes tragen.

Tatsächlich spricht einer solchen Bootstour auf dem Inn rein rechtlich aber nichts entgegen, denn ein derartiges Befahrungsverbot existiert nicht. Klaus Zielinski, Pressesprecher des Landratsamtes Altötting, bestätigte dies auf Anfrage: "Das Befahren des Inns ist für alle Boote ohne Verbrennungsmotor zulässig. Lediglich motorisierte Boote dürfen bestimmte Abschnitte aus Umweltschutzgründen nur mit Sondergenehmigung befahren."

Erlaubt ist es und trotzdem ist bei der Befahrung des Inns Vorsicht geboten. "Ein sicheres Schlauchboot - kein 15-Euro-Boot vom Discounter - sowie Schwimmwesten gehören zur Grundausstattung, denn bei einer Wassertemperatur von zwölf bis 14 Grad schwimmt man nicht lange", urteilte Fredi Eisner, Ortsvorsitzender der Wasserburger Wasserwacht und stellvertretender Kreisvorsitzender. "Aber der Inn ist ein viel befahrener Fluss, und dafür passiert vergleichsweise wenig", relativierte er.

Gottfried Held, Kapitän des Wasserburger Innschiffs, zählt bei seinen Fahrten im Sommer immer wieder eine große Zahl an Bootsreisenden, ob mit Kajak oder Schlauchboot. Grundsätzlich kein Problem, allerdings sind auch immer wieder Fälle dabei, die ihm Sorge bereiten: "Wenn man Leute sieht, die anstelle von Schwimmwesten mit Bierkästen ausgerüstet sind, oder Familien, bei denen die Kinder keine Rettungswesten tragen, habe ich kein gutes Gefühl bei der Sache."

Worauf die Bootsfahrer seiner Meinung nach besonders achten sollten, ist der Wasserstand und die niedrige Temperatur des Inns: "Wir haben für die Schifffahrt ein medizinisches Gutachten erstellen lassen. Heraus kam, dass bei einer Wassertemperatur von 15 Grad ein Mensch mit normaler Konstitution nur ungefähr 15 Minuten schwimmen kann." Der Inn liegt mit einer sommerlichen Durchschnittstemperatur von etwa zehn Grad meist sogar noch unterhalb dieser Grenze. "Dies reicht oft nicht, um an Land zu kommen. Und wenn der Wasserstand hoch ist, was im Sommer oft der Fall ist, werden an den Kraftwerken die Überläufe geöffnet und es entsteht ein kräftiger Sog."

Christian Fendt, Einsatzleiter der Wasserwacht des Landkreises Altötting, die die beiden Wasserburger Freizeitkapitäne vom Fluss holte, fügt an: "Der Inn kann an manchen Stellen mit seinen Strudeln und Unterströmungen durchaus als Wildwasser eingeschätzt werden. Eine gemütliche Paddeltour kann bei mangelhafter Ausrüstung und schlechter Kenntnis des Gewässers schnell zur Katastrophe werden." Deshalb sollte man sich laut Fendt unbedingt vor einer Bootsfahrt mit dem Profil des Inns befassen und sich an die Warnschilder vor den zahlreichen Staustufen halten. Denn aufgrund des starken Soges ist ein rechtzeitiges Verlassen des Gewässers lebenswichtig. "Wenn man in der Mitte des Flusses treibt und den Ausstieg verpasst, kann es sein, dass man nicht mehr rechtzeitig ans Ufer kommt und ins Wehr gezogen wird", warnte Fendt. "Besser geht man ein paar Meter mehr zu Fuß, als sein Leben zu riskieren."

Ist der Wasserstand niedrig, ist auch nicht mit dem gefährlichen Sog vor den Staustufen zu rechnen. Unter Umständen bekommt man mit seinem Schifferl sogar Probleme, vorwärtszukommen, wenn sich das Wasser zu sehr staut, weiß Held.

Dem Autofahrer, der den Großeinsatz in die Wege leitete, macht Fendt unterdessen keinen Vorwurf: "Uns ist es lieber, wir fahren einmal zu viel raus, als nachher einen Toten aus dem Wasser fischen zu müssen!"

Also: vernünftige Ausrüstung einpacken, Wasserstand anschauen, Warnhinweise beachten und nichts spricht gegen einen entspannten Bootsausflug auf dem Inn.

Johannes Mitterer (Wasserburger Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

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