Im Innenhof aus dem Blickfeld geraten

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Die Bücherregale in der Pfarrbibliothek St.Jakob sind noch weitgehend eingeräumt, die ersten Bananenkisten aber sind schon gepackt, ab morgen wird der Bestand verkauft, die Bibliothek in der Färbergasse ist geschlossen.

Wasserburg - Nach 102 Jahren hat die Pfarrbücherei St. Jakob geschlossen. Pfarrbücherei? St. Jakob? So dürfte es vielen gehen. Dabei lag sie mitten in der Altstadt, im Erdgeschoss des Pfarrzentrums.

Mangelnde Nachfrage war laut Pfarramt Grund für die Schließung. Seit 1908 hatte St.Jakob eine Pfarrbücherei. Zunächst ohne eigene Räume, "damals ist man zum Benefiziat Arnold in die Ledererzeile gegangen und hat sich dort die Bücher geholt", erinnert sich Leo Hutterer, Vorsitzender der Kirchenverwaltung St.Jakob.

Am 31.Dezember war dann Schluss mit der Pfarrbibliothek. Die Kirchenverwaltung traf den "schweren und bedauerlichen Entschluss", so heißt es aus dem Pfarramt, da es kaum noch Entleiher gab. Sicher habe auch eine Rolle gespielt, dass die Pfarrbibliothek weniger auf aktuelle Belletristik denn auf geistig-seelische Erbauung ausgelegt war, so Hutterer. So wurden seit Spätherbst Überlegungen rund um die Bücherei angestellt. Gemeinsam mit der gesundheitlich angeschlagenen Bücherei-Zuständigen Gertrud Hecht, seit 1992 "mit großer Umsicht" aktiv, fiel die Entscheidung, dicht zu machen.

Wobei die Ausleihzahlen nur ein Grund waren. Christoph Kappes vom Erzbischöflichen Ordinariat verweist zudem auf Strukturveränderungen innerhalb der Pfarreien, die sich auch bei Pfarrbüchereien bemerkbar machen. Gebe es mehrere in einer Stadt, würden diese zunehmend zusammengelegt. Was auch für Wasserburg zutrifft, denn die Pfarrbücherei St.Konrad im Burgerfeld bleibt laut Hutterer und Kappes erhalten.

Als weiteren Grund nannte das Ordinariat die drastisch gestiegenen Nebenkosten des gesamten Pfarrzentrums. "Die energetische Sanierung ist beschlossen", so Kappes, "dann müssten die Bücher ohnehin ausgeräumt werden. Da passte es gerade."

Vielleicht lag es an der mangelnden Beschilderung der Bücherei - das Hinweisschild samt Öffnungszeiten hängt im Innenhof des Pfarrzentrums - , dass die Leser den Weg dorthin nicht fanden. Generelle Lese-Müdigkeit ist jedenfalls als Ursache nicht zu erkennen. Laut Kappes verzeichnete der St. Michaelsbund, Dachverband der Pfarrbibliotheken, diözesanweit steigende Ausleihzahlen, im vergangenen Jahr um rund 400000 auf etwa fünf Millionen. Elke Fleischer, Leiterin der Stadtbibliothek, hatte 2010 mit 5500 aktiven Lesern 600 mehr zu verzeichnen als im Vorjahr - quer durch alle Altersgruppen. Ebenfalls steigende Ausleiherzahlen hat die Rotter Pfarrbücherei. Während die Zahlen bei den Jugendlichen eher sinken und bei den Erwachsenen gleich bleiben, steigen die Zahlen bei den Kindern bis einschließlich Grundschulalter "und auch bei den Senioren - für die habe ich extra einige Großdruckbücher angeschafft", so Büchereileiterin Agnes Ständer. Ähnliche Erfahrungen macht Gabi Bacher, Leiterin der 2009 erweiterten Garser Gemeinde- und Pfarrbibliothek. Auch bei ihr sind vor allem die Kinder stark vertreten, stellen über die Hälfte der aktiven Leser. Immer mehr ins Gewicht falle bei den Ausleihzahlen aber die Generation der 50- bis 70-Jährigen. Und so gibt es Überlegungen, für Senioren, die nicht mehr mobil sind, Lesekisten zu packen.

Eine konkrete Folgenutzung für den Raum im Erdgeschoss des Pfarrzentrums, der über Toiletten verfügt, ist laut Hutterer nicht in Sicht. Die Kirchenverwaltung denke an eine Vermietung.

Wasserburger-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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