Am Montag Einlass für den Inn

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Das Turbinenrad, das Projektleiter Tobias Heiserer begutachtet.

Wasserburg - Am Montag wird das neue Innkraftwerk geflutet: Am Ende ist das Projekt doch noch im Terminplan fertig geworden. Ab Juli soll der Generator Strom produzieren.

„So sieht man das nie wieder.“ Staunend steht die Gruppe im Einlauf des neuen Innkraftwerks, einer Halle mit beeindruckenden Dimensionen. Dahinter staut sich der Inn elf Meter hoch, auf der anderen Seite des Turbinenrades, im Unterlauf, steht das Wasser ebenfalls schon an den Dammtafeln, von denen die Baugrube abgeschottet und trocken gehalten wird. Wobei „Baugrube“ eigentlich das falsche Wort ist: Am Montag wird das neue Kraftwerk geflutet, am 6. Juli startet der Probebetrieb.

Eon-Projektleiter Tobias Heiserer ist die Erleichterung anzumerken. Zwar wird noch überall gearbeitet, doch „das ist schon Feintuning. Mit dem Projekt an sich sind wir nun doch im Zeitplan fertig geworden“, freut sich der Bauingenieur, der die Beteiligten koordiniert hat, von den ersten Bohrungen für die Verankerung der massiven Betonwände bis zur Maschinentechnik und zur Schalldämmung, die derzeit gerade an die Wände im Maschinenhaus geschraubt wird.

Durch diesen Rechen wird in Kürze das Wasser strömen. Hinter der Wand aus Dammtafeln staut sich der Inn im Moment elf Meter hoch.

Nicht immer ist alles ganz nach Plan gelaufen, vor allem in der Anfangsphase gab es massive Probleme mit der Geologie. Vor allem die Anlieger im Burgerfeld können ein Lied von den Nachtschichten singen, mit denen Verzögerungen letztlich wieder ausgeglichen wurden. Auch jetzt, wo „die Transporte praktisch abgeschlossen sind“, so Heiserer zur Beruhigung der Anlieger, könnte man sich idealere Bedingungen vorstellen, führt doch der Inn derzeit reichlich Wasser. Einfacher wären die Arbeiten an Zu- und Ablauf und der Probebetrieb bei weniger Wasser im Frühjahr gewesen, so wie es der ursprüngliche Terminplan vorgesehen hatte. Aber nun kann das Kraftwerk trotzdem in Betrieb gehen und übergeben werden.

Noch tragen die Helme der Mitarbeiter den „Eon“- Schriftzug. Letztlich wird der Betreiber aber „Verbund“ heißen, nachdem die Innkraftwerke kürzlich an diesen österreichischen Energiekonzern verkauft wurden. Doch für das Bauprojekt ändert das nichts mehr, und Tobias Heiserer ist schon in der Vorbereitung für das nächste Projekt, das er für die „Eon Wasserkraft“ betreuen wird: die Sanierung eines Pumpspeicher-Kraftwerkes.

Am Montag Drehfest

In Wasserburg aber wird am Montag erst einmal gefeiert. Beim „Drehfest“, eine Tradition im Kraftwerksbau, ähnlich der Hebfeier im Hochbau, wird der Moment begangen, an dem sich ein Turbinenrad zum ersten Mal bewegt. Das wird sein, wenn die ersten Dammbalken gezogen sind und der Inn in das Bauwerk strömt. Im Moment schiebt er schon ungeduldig an dem neuen Einlauf und lagert dort Tonnen von Sand ab, die erst noch ausgebaggert werden müssen. Auch an anderer Stelle wird an den letzten Maßnahmen für den dauerhaften Betrieb gearbeitet: Zufahrt zum Unterwasser Richtung Kapuzinerlacke, Einsatzstelle für Boote, Grube für das „Geschwemmsel“, das der Inn vor allem bei Hochwassermitbringt, und Lager für die Dammbalken, die man spätestens in etwa zehn Jahren wieder brauchen wird, wenn das Kraftwerk Revision hat. Dann werden die Balken den Inn wieder aussperren, das Kraftwerk wird trockengelegt, und das im Moment noch nagelneu glänzende Edelstahl-Turbinenrad wird wohl wieder „aufgeschweißt“, also verstärkt werden müssen.

Denn der Inn fräst massiv an allem, was sich ihm entgegenstellt. Rund 200 Gramm Sand bringt jeder Kubikmeter im Durchschnitt mit aus den Bergen, kleinstgeschliffenes Gestein, das den Beton aufrauen und alle Metallteile abschleifen wird, die im Moment gerade noch justiert werden.

Dass gerade im Metallbau, aber auch bei der Betonlieferung und anderen Untergewerben viele einheimische Firmen vom Bauprojekt profitieren konnten, das hebt Tobias Heiserer gerne hervor. Mit Rendite kann in einem überschaubaren Zeitraum aber auch der „Verbund“ rechnen. Möglich macht das wesentlich das Gesetz über erneuerbare Energien (EEG), das für umweltfreundlich erzeugten Strom eine höhere Vergütung sichert.

EEG „versilbert“ Innwasser

Das gilt nur für neue, nicht für bestehende Anlagen. Und so wird in Zukunft der Inn zuerst einmal durch das neue Kraftwerk strömen und dort „wertvolleren“ Strom produzieren als bisher in den längst abgeschriebenen Turbinen. Erst wenn mehr Wasser kommt, als hier verstromt werden kann, kommen diese Anlagen wieder ins Spiel.

Das wäre heuer, nach einem äußerst schneereichen Winter in den Bergen, schon viele Wochen der Fall gewesen, an denen das überschüssige Wasser ungenutzt über das Wehr abgeleitet werden musste. So gesehen ist die Anlage tatsächlich ein paar Monate zu spät betriebsfertig. Aber wer weiß, was der Inn dieses und die nächsten Jahre noch alles bringt.

Quelle: rosenheim24.de

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