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Ein Gespür für Tiere

Integration auf dem Bauernhof: Ein Kindergarten in Soyen macht es vor

Kind auf Bauernhof
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Jetzt ist Zeit zum Abhängen – im wahrsten Wortsinn.

Seit September gibt es in Soyen eine ganz besondere Kindergartengruppe: Die Bauernhofgruppe des Integrationskindergartens. Ein Besuch.

Soyen – Frische Luft, Erde an den Schuhen, Schmutz an den Händen und Kontakt mit Tieren – das gefällt den 20 Vorschulkindern sichtlich in der neuen Bauernhofgruppe des Integrationskindergartens in Soyen. Seit September verbringen sie hier überwiegend ihre Vormittage im Ortsteil Taubmoos.

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Nahe dem Bauernhof der Familie Meidert war Platz frei, „wir haben zu der Zeit so etwas gesucht“, erklärt Leiter Christian Neef, da habe die Landwirtin Stefanie Meidert das angeboten. Sie hatte festgestellt, dass Menschen den Bezug zu ihrem Essen nicht mehr herstellen; das Lebewesen, das dafür lebt, werde nicht mehr wahrgenommen.

Streicheln, Füttern und ausfegen

Das möchte man ändern. Selbst sehe man sich „aber nicht als typischen Vorzeigebauernhof“, denn die etwa 260 Tiere landen letztlich auf dem Teller; sie würden verkauft, nachdem sie hier gemästet worden sind, „das haben wir schon immer gemacht“. Die Kinder erleben die Tiere mit dem Wissen, dass zumindest die Vierbeiner hier nicht alt werden. Naturgemäß stehen die jüngeren Rinder höher im Kurs der Beliebtheit, denn die gehen neugierig auf die kleinen Zweibeiner zu.

Zwischen Hühnern, Ponys und Schweinen

Einige der Kinder sind im Stall vertieft bei den Tieren, sie genießen die ständige Berührung, auch wenn es zuweilen etwas feucht zugeht. Ein einziges Ei zählt an diesem Tag zur Ausbeute bei den zehn Hühnern, die meisten der jungen Landwirtschaftshelfer wissen, ab wann die Tiere die Eier freigeben – einfach reinfassen und wegnehmen, das geht nicht, dann picken sie. Auch der rote Kamm der Hühner verdient Aufmerksamkeit, dann geht es ihnen gut, sprudelt das Wissen aus den Kindern heraus. Zwei Ponys scheinen all das auch zu genießen, sie beschnuppern aufmerksam jeden. Die Tiere, bald auch wieder Schweine, sind mit Futter zu versorgen und es ist auch zum Besen zu greifen.

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Im Rinderstall ist das Zusammenkehren erledigt.

Dabei passen die Erwachsenen auf, dass den Kindern nichts passiert. Innerhalb der Zeiten, in denen die Kinder den Hof in Beschlag nehmen, ruht die Arbeit, kein Traktor fährt. Alle, Menschen und Tiere, bleiben auf ihrer Seite.

Akzeptanz der Eltern ist groß

„Die Akzeptanz der Eltern ist sehr groß, wir tun viel, dass das so bleibt“, erklärt Leiter Neef. Die überwiegende Zeit verbringen die Kinder draußen, wenn nicht auf dem Hof, dann davor oder beim Erkunden im nahen Wald, wo es auch ein Tipi gibt.

Bei der Bauernhofgruppe des Integrationskindergartens in Soyen gibt es immer etwas zu tun und sei es nur stillsitzen.

Ruhig und diszipliniert geht es beim Umziehen und sogar auch beim Essen zu. Kein Reden lenkt etwa vom Schmecken ab. Seiner Beobachtung nach tut der Aufenthalt draußen und bei den Tieren den Kindern gut, die seien weniger krank. Gebaut wurde als Unterschlupf eine Hütte, die aber hauptsächlich für schlechtes Wetter und zum Aufwärmen gedacht ist.

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Ideen für eine Gärtnergruppe

Insgesamt sieht Leiter Christian Neef den Bedarf an weiteren Plätzen, man habe Kinder und Anmeldungen aus anderen Gemeinden, sei jetzt schon für September voll und könne auswählen. Absehbar fehlen in Soyen in den kommenden Jahren zwei Gruppen“, weiß der Pädagoge, rund 180 Plätze gibt es hier insgesamt. So könnte es sein, dass weitere Ideen zum Zug kommen, vielleicht zusätzliche Räume bei diesem Bauernhof plus eine Gärtnergruppe beim „Laden in Thal“, wenn auch „die bürokratischen Hürden sehr hoch sind“, weiß Leiter Neef aus Erfahrung.

Der Tagesablauf

Ein Tag in der Bauernhofgruppe des Integrationskindergartens in Soyen dauert üblicherweise von 7 bis 14 Uhr. Er beginnt mit dem Morgenkreis, dann folgen Freispielzeit, Brotzeit; und Mittagessen gibt es auch. Mittwochs und freitags geht es in den Stall. Träger der Einrichtung ist der „Verein zur Förderung der Kinder im Vorschulalter“. Dessen Vorstand besteht überwiegend aus Eltern. Sechs Betreuer kümmern sich hier in Taubmoos um 20 Kinder.

Umfrage: Was gefällt euch am meisten und was macht ihr, wenn es kalt wird?

Florian Weindler

Florian Weindler (6)

Am besten gefällt Florian Weindler (6) der Spielplatz mit dem neuen Sand. Gerne besucht er seinen Kindergarten und freut sich über das Füttern und streicheln der Tiere. Kalt ist es für ihn selten, „dann hilft sich bewegen“.

Xaver Holzmann

Xaver Holzmann (5)

Bei ihm steht der Spielplatz hoch im Kurs und die Klettermöglichkeiten. Manchmal ist das Verhältnis zu seinen Kameraden nicht so friedlich. Was gegen die Kälte im Winter hilft weiß er auch: „Meine Mama zieht mich warm an.“

Mert Gül

Mert Gül (5)

Der fünfjährige Mert Gül geht so gern in die Gruppe und zu den Tieren, dass er jetzt schon gar nicht an den Sommer denken mag, „ich vermisse alles jetzt schon“. Gegen die Kälte hilft ein Schneeanzug, frieren tut er damit nicht.

Elias Binsteiner

Elias Binsteiner (6)

Sehr gern hält sich Elias Binsteiner (6) im Sandkasten auf, da kann man viel bauen. Bei den Tieren stehen die Kälber hoch im Kurs, eines heißt Kuschi, „das mag kuscheln“. Geht die Sonne weg und es wird kalt, „dann zieh ich eine Jacke an.“

Heidi Nürnberger

Heidi Nürnberger (5)

Für die Kälber kann sich Heidi Nürnberger (5) begeistern, vor allem wenn die „meine Hand abschlecken, das kitzelt so“. Wenn es mal kühler wird, dann hilft entweder eine Decke oder sich bewegen, weiß sie aus Erfahrung zu berichten.

Leo Heinrich

Leo Heinrich (5)

Auf den Sandkasten freut sich der fünfjährige Leo Heinrich besonders, da könne er „Burgen bauen“. Auch er mag es, wenn die Kühe die Hand abschlecken. Was gegen Kälte hilft? „Einfach schnell etwas anderes anziehen.“

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