Qualität ist wichtiger als Größe

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Das derzeit größte Projekt des Marktes Isen ist der Bau des Kinderhauses an der Mühlbachstraße. Noch in diesem Herbst soll es bezugsfertig sein.

Isen - Bis vor wenigen Jahren war der Markt Isen nach Erding, Dorfen und Taufkirchen die viertgrößte Gemeinde im Landkreis. Doch Moosinning und Oberding sind vorbeigezogen.

Inzwischen wurde die 5273 Einwohner zählende Kommune von den boomenden Gemeinden Moosinning und Oberding überholt. Was der Bürgermeister nicht tragisch findet. Dem geringen Wachstum von jährlich nur rund 0,25 Prozent will der Markt Isen mit der moderaten Ausweisung von Bauland, einem verbesserten Freizeitangebot und dem Ausbau der Infrastruktur auf die Sprünge helfen. "Immer größer und immer mehr ist nicht der Weisheit letzter Schluss", lautet das persönliche Motto von Bürgermeister Siegfried Fischer. Viel wichtiger ist ihm, dass die Qualität stimmt. Denn, so ist der Gemeindechef überzeugt, Isen besitze durchaus Pfunde, mit denen es wuchern könne.

Dazu gehöre die reizvolle Landschaft, das Freizeitangebot, die soziale und kulturelle Infrastruktur und die "Aufgeschlossenheit" der Bevölkerung. "Unsere Neubürger schätzen es nämlich durchaus, wie sie bei uns aufgenommen werden", weiß Fischer aus zahlreichen Gesprächen. Um das Freizeitangebot attraktiver zu machen, hat er die Initiative "Natur und Freizeit" gestartet, die auf die aktive Beteiligung der Bevölkerung setzt. "Ich freu mich, damit endlich eine Art Politik machen zu können, die sonst immer hinter dem Tagesgeschäft zurückstecken muss", sagt Fischer.

Auch die Kritikpunkte, die von den Bürgern in einer ersten Befragung genannt wurden, sind dem Gemeindechef wichtig: "Dadurch wissen wir, wo wir ansetzen müssen". Aus dem Natur- und Freizeitkonzept erhofft sich Fischer vor allem auch Aussagen für die künftige Jugendarbeit der Gemeinde. Ein Jugendzentrum, wie es immer wieder gefordert wird, wird es aber nicht geben: "Die Gemeinde kann nicht allen Gruppen extra Räume anbieten". Dass die Kommune für ihre 590 Kinder und Jugendlichen zwischen sechs und 14 Jahren und nahezu 200 Teenies zwischen 15 und 17 Jahren "künftig nicht um eine professionelle Unterstützung herumkommen wird", ist Fischer klar. "Über kurz oder lang werden die Kommunen wohl entsprechende Planstellen für Sozialarbeiter schaffen müssen".

Freuen dürfen sich vorerst Isens Skater. Für sie wurde ein Platz auf dem Gelände der Firma Schlagmann gefunden, über einen Dirtpark denkt man in der Gemeinde nach. Trotzdem glaubt der Bürgermeister: "Die Jugend wird wohl mein Sorgenkind bleiben".

Doch Fischer sieht nicht nur die Notwendigkeit, für die Jugendlichen aktiv zu werden. Auch über den Bedarf und die Möglichkeiten von betreutem Wohnen für Senioren macht er sich Gedanken. Obwohl der Bürgermeister überzeugt ist, dass vor allem im Sportbereich Angebote innerhalb der Region genützt werden, liegen dem ehemaligen Fußballtrainer die örtlichen Sportstätten am Herzen. Möglichkeiten eines optimierten Sportangebots sieht er in der Absicht des TSV Isen, das Freizeitheim auszubauen.

Erste Pläne bestehen auch für die weitere Ausweisung von Bauland. Für das Gebiet zwischen Ranischberg und der Straße nach Ziegelstadl gibt es bereits einen Aufstellungsbeschluss des Gemeinderats. "Hier hängt es davon ab, wie viele Eigentümer sich beteiligen wollen". Doch egal, wie groß das avisierte Baugebiet ausfällt, an dem Grundsatz der Bauleitplanung, auch kleinere Grundstücke zu schaffen, die je nach Bedarf zu großen zusammenfasst werden können, will die Gemeinde festhalten.

Doch wie sollen die Aufgaben bewältigt werden, wie ist es um die Finanzausstattung des Marktes bestellt? "Die Gemeinde kann mit dem vergangenen Jahr zufrieden sein". Der Rückblick des Bürgermeisters auf 2010 fällt schon allein deswegen positiv aus, weil die Kommune bei den Gewerbesteuereinnahmen ausgesprochen gut da stand: 1,7 Millionen Euro flossen in die Gemeindekasse. Allerdings ist sich Fischer sicher: "Das war ein Ausreißer, ein so hohes Aufkommen werden wir nicht mehr hinbekommen". Doch der Kommune fehlen 2011 nicht nur Steuereinnahmen, auch die Erhöhung der Kreisumlage um 150000 Euro und 90000 Euro weniger an Schlüsselzuweisung machen sich im Haushalt bemerkbar. "Wir werden heuer nur das Nötigste machen können", kündigt Fischer an.

Projekte wie das rund drei Millionen teure Kinderhaus, das Isen zum Teil aus Geldern des Konjunkturpaketes finanziert, seien angestoßen worden. Mit dem erweiterten Kindergarten und dem Bau einer Kinderkrippe würden weitere wichtige Standortfaktoren geschaffen. "Die erste Frage von jungen Familien, die sich nach einem Bauplatz umschauen, ist immer die nach der Kinderbetreuung", unterstreicht Fischer die Bedeutung des Baus.

Ob er glaube, dass sich durch die Autobahn Zuzug einstelle? "Die A94 wird uns kein Eldorado bescheren", ist sich Fischer sicher. Profitieren würden in erster Linie, die Kommunen, die direkt an der Autobahn liegen. Noch dazu, wo Isen aufgrund der Topografie keine Flächen für größere Gewerbeansiedlung anbieten könne. "Unser Ziel bleibt der Mittelstand", sagt Fischer deswegen. "Bisher sind wir mit den örtlichen Betrieben, die expandiert haben, dabei aber nicht explodiert sind, gut gefahren".

ane/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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