Das Ja-Wort im Stundentakt

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Am 11.11.11 geben sich nicht nur in Rosenheim viele Paare das Ja-Wort. Die Schnapszahl verhindert, dass die Partner den Hochzeitstag vergessen. Ob die Ehen allerdings glücklicher werden, darüber gibt es keine Statistik.

Rosenheim/Landkreis - Männer neigen bekanntlich dazu, den Hochzeitstag zu vergessen. Auch deshalb gelten besondere Daten für die Eheschließung wie der heutige 11.11.11 als beliebt. Wirklich?

Im Landkreis wird heute zwar fleißiger als üblich im November Ja gesagt, doch das erwartete Hochzeitsfieber hat die Region nicht erfasst.

Zwölf Trauungen an einem Tag, doppelt so viele wie üblich am typischen Hochzeitsfreitag: Kein Grund für das Rosenheimer Standesamt, dem 11.11.11 sorgenvoll entgegen zu blicken. Das Ja-Wort wird dort zwar heute im Stundentakt ausgesprochen, doch die drei hauptamtlichen Standesbeamten bleiben gelassen. "Hauptsache, alle Brautpaare kommen pünktlich, dann schaffen wir das. Fließbandabfertigungen wie in so manchen Großstädten gibt es bei uns auch an einem Tag wie dem 11.11.11 nicht", heißt es aus dem Rathaus. Außerdem ist sich das Standesamt prominenter personeller Unterstützung für den großen Tag gewiss: Auch Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer ist im Einsatz und stellt einem Paar die alles entscheidende Frage.

In Wasserburg steht den Standesbeamten heute nach Angaben von Amtsleiter Ulrich Schor ebenfalls ein arbeitsintensiver Tag ins Haus: Sieben Paare haben sich angemeldet - etwa doppelt so viele wie an einem normalen Freitag. Zwei Verliebte haben das besondere Datum sogar mit einer besonderen Uhrzeit getoppt: Sie werden um punkt 11 Uhr getraut, dem Faschingsstart. Kein Zufall, sondern eine bewusste Wahl für das zukünftige Ehepaar, das aus dem Kölner Raum, Hochburg der Narren in Deutschland, stammt.

Auch auf dem wohl romantischsten Platz für eine Hochzeit im Landkreis, der Fraueninsel, wird heute gleich fünfmal "Ja, ich will!" gehaucht. Im November trauen sich hier in der Regel nach Informationen der zuständigen Breitbrunner Standesamtsleiterin Ingrid Sylla nicht so viele Verliebte. Für den 11.11.11 hatte sie zwar mehr Anmeldungen erwartet, "fünf Trauungen sind trotzdem für diese Jahreszeit relativ viel". Dreimal wird außerdem in Stephanskirchen Ja gesagt. Dort gab es nach Informationen des Standesamtes im Vorfeld sehr viele Anfragen nach dem besonderen Datum, der daraus abgeleitete große Ansturm blieb jedoch aus. So auch in Prien, wo mit nur einer Anmeldung von einem überraschend "unterdurchschnittlichen Freitag" die Rede ist.

Mit mehr Enthusiasmus rund um das einmalige Datum hatte auch das Bad Endorfer Standesamt gerechnet. Nur ein Paar hat sich statt der erwarteten fünf bis sechs angemeldet. Was Leiter Gerhard Fischer wundert: Am letzten Freitag im November, dem 25. November, stehen in Bad Endorf wieder drei Trauungen auf dem Programm.

Liegt es vielleicht am Faschingsbeginn, dass viele Verliebte lieber im Narrenkostüm statt in Hochzeitskleid und Festtagsanzug feiern? In Bad Aibling scheinen viele Paare sogar zu befürchten, dass man ihre standesamtliche Hochzeit mit einem Faschingsscherz verwechseln könnte: Denn dort traut sich heute niemand - "und das ist für einen Freitag ungewöhnlich", sagt Leiterin Edith Wendlinger. "Die Schnapszahlen sind bei uns schon lange kein Renner als Hochzeitstermin mehr", lautet ihre Erklärung. Viele Paare wünschen sich persönliche Daten, die nicht der Kalender diktiert, sondern die eigene Liebesgeschichte. "Gefragt sind vor allem Trauungen am Kennenlerntag", berichtet Edith Wendlinger. Auch in Brannenburg haben die Standesbeamten heute keinen Grund, den dunklen Anzug aus dem Schrank zu holen: Keine einzige Trauung steht auf dem Programm - und das, obwohl das Jahresende auch aus steuerlichen Gründen oft noch einmal einen Hochzeitsschub auslöst. Doch wer auf eine Punktlandung am 11.11.11 nicht unbedingt Wert legt, wählt in der Regel lieber den durch den Advent romantisch erleuchteten Dezember als den oft grauen Schmuddelwetter-November, berichten die Standesämter einhellig. Vor allem die beiden Feiertage, Allerheiligen und Volkstrauertag, drücken auf die Stimmung und sorgen dafür, dass der November zum Heiraten nicht gerade beliebt ist.

Der Wonnemonat Mai muss es jedoch auch nicht immer sein, heißt es einhellig aus den Standesämtern der Region. Lange vorbereitete große Hochzeiten werden zwar noch immer in die Frühlings- und Sommermonate gelegt, spontan wird heutzutage jedoch auch zu anderen Zeiten geheiratet. Übrigens trotz hoher Scheidungsquoten nicht weniger als früher. Im Gegenteil: Fast alle Standesämter melden seit einigen Jahren gleichbleibende Eheschließungszahlen - zum Teil mit steigender Tendenz wie in Rosenheim. Romantik ist wieder in.

Dies liegt auch daran, dass viele sich vom gescheiterten ersten Mal nicht abhalten lassen und sich ein zweites Mal trauen. Besonders häufig übrigens in Bad Endorf, wo Standesamtsleiter Fischer auch einen Trend zu in Ehren ergrauten Paaren feststellt. Dabei wirkt sich auch positiv aus, dass noch heute aus so manchem Kurschatten der neue Partner für das Leben wird. Viele Paare, die sich in Bad Endorf in der Kur oder der Reha kennengelernt haben, zieht es zum Heiraten zurück an den Ort, an dem der Funke der Liebe übersprang.

Heike Duczek (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: rosenheim24.de

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