Junggesellenabschied mit Vollrausch

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Wasserburg - Nach seinem Junggesellenabschiedwurden wurden einem 38-jährigen nicht nur die Ehefesseln angelegt. Kurzzeitig befand er sich auch in Polizeigewahrsam.

Nach seinem Junggesellenabschied im August des vergangenen Jahres wurden einem 38-jährigen Parkettleger nicht nur die Ehefesseln angelegt. Kurzzeitig befand er sich auch in Polizeigewahrsam, denn er hatte bei seiner feuchtfröhlichen Feier viel zu tief ins Glas geschaut und sich mächtig Ärger eingehandelt.

In einem Fastfood-Restaurant geriet er gegen 5 Uhr volltrunken mit einem 19-jährigen Studenten aus Kolbermoor aneinander und verpasste diesem ein Veilchen. Außerdem hatte sich der Student eine Risswunde am Daumen zugezogen. Nun musste sich der 38-Jährige wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht Wasserburg verantworten. Laut Anklageschrift soll er dem Geschädigten mit der rechten Hand auf die Schläfe geschlagen und ihm Tritte in den Bauch und an den Kopf verpasst haben.

Vor Gericht gab der Angeklagte an, sich aufgrund seines Alkoholkonsums nur noch an wenige Details des Abends zu erinnern. Er sei mit Freunden unterwegs gewesen, habe einige Getränke zu sich genommen und verschiedene Aufgaben erfüllen müssen. Am Ende seines Junggesellenabschieds habe er Hunger bekommen und deshalb mit zwei Begleitern das Fastfood-Restaurant aufgesucht. Dort habe er kurz mit zwei Mädels gesprochen, die er von früher gekannt habe. Dabei sei er vom Geschädigten beschimpft worden. Mehr könne er dazu nicht sagen.

Deutlich genauere Angaben konnte der Geschädigte machen, der vor Gericht als Zeuge und Nebenkläger auftrat und angab, nach dem Weggehen noch einen Stop im Mc Donald's eingelegt zu haben. Gegen 5 Uhr sei dann der Angeklagte mit einem Rock bekleidet im Lokal erschienen und darüber habe er sich mit Bekannten lustig gemacht. "Wenn man als Mann im Rock unterwegs ist, muss man sich im Klaren darüber sein, dass man auffällt", so der Kolbermoorer.

Der Angeklagte habe die Unterhaltung bemerkt und ihn aufgefordert, ihn nicht auszulachen. Anschließend habe er ihm ins Gesicht geschlagen. "Leider habe ich ihm dann eine Watsche auf die Backe gegeben", bedauerte der Student. Daraufhin habe ihn der Angeklagte vom Stuhl gezogen und mehrmals auf ihn eingetreten. Um sich zu wehren, habe er schließlich das Bein des Angeklagten festgehalten und ihn so zu Fall gebracht. Anschließend habe der Mann das Lokal verlassen und noch ein paar Mal wütend gegen die Scheibe geschlagen.

Ein weiterer Zeuge bestätigte diese Aussage weitgehend und hielt es für unwahrscheinlich, dass sich der Student die Risswunde mit einem scharfen Gegenstand zugefügt haben könnte, "da es da kein Besteck gibt". Die beiden Zeuginnen sagten aus, dass der Angeklagte stark angetrunken gewesen sei und während ihres Gesprächs von dem Geschädigten als "Schwuchtel" beschimpft worden sei.

Ein weiterer Zeuge, der auch als Trauzeuge fungierte, konnte dann auch genauere Angaben über den Getränkeverzehr seines Spezls machen, der es an dem Abend mindestens auf 13 oder 14 Bier und zehn bis zwölf Schnäpse gebracht habe. Schließlich habe er einige Aufgaben erfüllen und in diesem Rahmen mit jeder Frau etwas trinken müssen.

Der vom Gericht beauftragte Sachverständige schloss beim Angeklagten eine klassische psychische Erkrankung und konkrete Hinweise auf eine Persönlichkeitsstörung aus. Der Alkohol spiele immer wieder mal eine Rolle, spiegle aber keine klassische Alkoholabhängigkeit wieder. Allein entscheidend sei also die Frage, wie viel der Angeklagte tatsächlich getrunken habe und da passten die Aussagen nicht ganz zusammen.

Bei der Begutachtung in der Inn-Salzach-Klinik habe der Angeklagte angegeben 15 Bier und 20 bis 30 Schnäpse getrunken zu haben und sich an bestimmte Details nur noch schemenhaft erinnern zu können. Eine Rückrechnung der Alkoholisierung sei mit Fehlern behaftet. Rechne man großzügig komme man auf sechs Promille, dieser Wert sei aber in der Regel nicht mit dem Leben vereinbar. Ziehe man einen Abbau von 0,1 Promille in der Stunde in Betracht, komme man auf rund vier Promille, bei einem Abbau von 0,2 Promille pro Stunde erreiche man einen Wert um die drei Promille und das sei wohl eher im Bereich des Möglichen. Zudem habe auch eine Übermüdung zur Einschränkung der Steuerungsfähigkeit beigetragen.

Laut Gutachter lag demnach mit Sicherheit eine verminderte Schuldfähigkeit nach §21 Strafgesetzbuch vor, allerdings wollte er auch eine Schuldunfähigkeit nach §20 Strafgesetzbuch nicht ausschließen. Ein Rechtsgespräch blieb ohne Absprachen und somit wurde der Angeklagte wegen fahrlässigem Vollrausch zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 30 Euro verurteilt. Ein Vollrausch am Junggesellenabschied sei schon als seltenes, wenn nicht einmaliges Ereignis anzusehen, hieß es in der Urteilsbegründung.

ca/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © pa

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