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"Wasser ist unser wichtigster Rohstoff", erklärte Edgar Seidling (links), Leiter Validierung im Arzneimittelwerk, Mitgliedern des Arbeitskreises Schule/Wirtschaft bei einer Betriebsbesichtigung. Dementsprechend wird das Wasser der Stadtwerke im Haus noch aufbereitet, einmal für diverse Prozesse sowie die Reinigung und ganz besonders für die Arzneimittelproduktion.

Wasserburg - Wenn ein so unsteriles Wesen wie der Mensch absolut sterile Arzneimittel herstellen soll, dann verursacht das einen enormen Aufwand.

Anziehen dauert maximal zwei Minuten, ausziehen auch. Bei der Jeans-und-Pullover-Fraktion jedenfalls. Vor den Reinsträumen des Wasserburger Arzneimittelwerkes dauert es etwas länger. Selbst routinierte Mitarbeiter sind kaum unter einer Viertelstunde fertig: Spezialunterwäsche, Overall, Stiefel, Kapuze, Brille, Mund- und Nasenschutz, Handschuhe - und wehe, ein Haar oder ein Quadratmillimeter Haut schaut noch hervor. Die gefilterte Luft in den Reinsträumen wird permanent überwacht - wird die erlaubte Partikelzahl überschritten, löst der Alarm aus.

Das muss auch so sein, denn in der Tegernau wird kein Hustensaft produziert und keine Tablette, sondern ausschließlich Medikamente, die injiziert werden. Und unsterile Arzneimitel, die direkt in die Blutbahn gelangen, die können fatal sein, sind sich Herstellungsleiter Hubert Zuber und der oberste Qualitätswächter Edgar Seidling einig.

Angefangen hat das Arzneimittelwerk am Herder vor 38 Jahren als Madaus-Ableger mit einem Gefriertrockner und einer Fertigungslinie. 2000 wurden Labore gebraucht, auf Vorrat auch gleich eine zweite Produktionshalle gebaut - die dann 2004 in Betrieb ging. Mittlerweile sind zwei Gefriertrockner in Aktion, die mit jeweils 77112 Fläschchen bestückt werden können. Aus einer wurden fünf Produktionslinien.

Nach einigen turbulenten Jahren mit schnellen Eigentümerwechseln gehört das Arzneimittelwerk seit 2010 zu Recipharm. Der schwedische Konzern macht an neun Standorten in Europa ausschließlich Lohnfertigung für andere Firmen - in allen vorstellbaren Darreichungsformen, in Wasserburg eben Ampullen und Fläschchen. "Wir haben große lokale Entscheidungskompetenz", freut sich Armin Dallüge, seit sechs Jahren Geschäftsführer des Arzneimittelwerks, - bei den Vorbesitzern aus Australien und den USA war das offensichtlich nicht der Fall.

"280 Mitarbeiter, 28000 Quadratmeter Firmengelände, 8000 Quadratmeter Gebäudefläche, davon 2000 Quadratmeter Sterilfertigung" rattert Dallüge die Eckdaten herunter. Auf eines ist er stolz: das Arzneimittelwerk hat in 38 Jahren nie rote Zahlen geschrieben und keinen einzigen Mitarbeiter aus wirtschaftlichen Gründen entlassen.

20 Berufsbilder lassen sich im Arzneimittelwerk finden. Das geht von technischen und kaufmännischen Berufen bis hin zu Pharmazeuten, Chemikern und Biologen. Für den Geschäftsführer ist das Problem, dass kaum pharmazeutisches Fachpersonal zu finden ist. "Also arbeiten wir unsere Leute selber ein - bis zu 18 Monate lang", so Dallüge. Schließlich gehen die Mitarbeiter mit diffizilen Produkten um.

Wachsen - nicht nur wirtschaftlich

Bei der Gefriertrocknung, da sind sich Produktionsleiter und Geschäftsführer einig, sei man "ganz weit vorn" was sowohl die Qualität als auch die Quantität angeht. Allerdings fahre man mittlerweile an der Obergrenze der Kapazität. Mehr als 40 Millionen Fläschchen verließen im vergangenen Jahr das Werk am Herder. Gefüllt mit allem möglichen lebenswichtigen. Nur Penicillin und Krebsmittel werden in Wasserburg nicht verarbeitet, für die gibt es wieder andere Sicherheitsklassen.

Fragt man Armin Dallüge, wie er die weitere Entwicklung des Arzneimittelwerkes einschätzt, dann klingt das sehr positiv: die Branche habe generell eine Wachstumsrate von rund zehn Prozent, der Bedarf an Gefriertrocknung wachse, große Firmen lagerten verstärkt Produktion aus. "Wir werden sicher wachsen", sagt Dallüge und meint nicht nur den Umsatz. Platz genug ist nebenan ja gerade frei geworden.

Sylvia Hampel/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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