Kathrein will deutliche Erleichterungen

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Mit klaren Forderungen konfrontierte Anton Kathrein (Mitte) Landrat Josef Neiderhell (links) und Bürgermeister Gust Voit (rechts).

Amerang - Vor fünf Jahren hat Anton Kathrein das neue Gebäude der damals insolventen SZ Testsysteme in Amerang am Kroit ersteigert.

Jetzt wurde eine Zwischenbilanz des "Technologieparks" gezogen, der seither dort entstanden ist. Dabei standen politische Forderungen im Mittelpunkt.

"Die Krise als Chance" könnte das Motto der Veranstaltung gewesen sein, sowohl beim Blick auf den Anfang des Projekts, als auch auf die aktuelle Wirtschaftslage. Die Chance damals war der günstige Erwerb der Immobilie durch die "Bayerische Elektronik Kommunikationstechnik" (BEB) der Kathrein-Gruppe. Die Chance heute sei es, unter dem wirtschaftlichen Druck deutliche politische Veränderungen zugunsten des Mittelstandes durchzusetzen, so die Hoffnung von Anton Kathrein: Abschaffung der Erbschaftssteuer, massive Reduzierung von Grund- und Gewerbesteuer, die auch vom System her völlig verändert werden müsste, wie der Unternehmer forderte.

Unterstützung erhielt er dabei von Landrat Josef Neiderhell. Der bedauerte, dass sich bei den entsprechenden Reformprojekten "leider nichts getan hat". Nach der Bundestagswahl aber, unter geänderten politischen Verhältnissen, wie der CSU-Politiker hoffte, und unter noch schwierigeren wirtschaftlichen Bedingungen mit deutlich mehr Arbeitslosen, wie er befürchtete, "wird man etwas tun müssen."

"Kurz vor der Katastrophe" stand nach der Einschätzung von Bürgermeister Gust Voit auch die Gemeinde Amerang vor sieben Jahren, als SZ Insolvenz anmeldete und der Ort bei großen Schulden "praktisch keine Gewerbesteuer" mehr hatte. Da sei es nicht schwer gefallen, einen "Deal" mit Kathrein zu machen: "Entgegenkommen gegen Engagement." Amerang senkte schrittweise die Gewerbe- und Grundsteuer, von 315 auf 250 Punkte, inzwischen liegt sie bei 290 und 280 Punkte. Davon hätten "alle Ameranger profitiert", wie Voit betonte.

Das hochmoderne Gebäude des "Technologieparks" mit Büro- und Produktionsflächen ist inzwischen zu 75 Prozent belegt, 130 Arbeitnehmer arbeiten für 15 Firmen. Den Anfang machten mit "CityCom", BEB, Kathrein-RFID und etwas später RSK-1 vier Unternehmen der Kathrein-Gruppe. Dazu kamen andere Unternehmen, überwiegend aus der Umgebung, vom selbständigen Planer bis zum Nachbarn "Somic", der für den Maschinenbau Erweiterungsflächen hier anmietete.

So entsteht teilweise echte Hochtechnologie in Amerang. ProFemto beispielsweise entwickelt elektronische Einzellösungen, darunter ein Messsystem für Brücken, das auch in Lissabon zum Einsatz kam. Aber auch wer in Paris eine örtliche Firmennummer wählt, kann in Amerang landen. So praktiziert es "Auer Packaging", das vom Kroit aus den europäischen Markt betreut.

Anton Kathrein hoffte auf diesem Hintergrund auf eine volle Auslastung in absehbarer Zeit. Allerdings werde man nur passende Unternehmen aufnehmen: "Wirtschaftliche überlegungen sind hier zweitrangig", versicherte er.

Gleichzeitig machte der Unternehmer seine Erwartungen gegenüber dem größtenteils anwesenden Gemeinderat unmissverständlich deutlich: Senkung der Grundsteuer und der - auf den Gewinn zu zahlenden - Gewerbesteuer auf 250 Punkte, "so wie in Grünwald". Amerang müsse seine Standortnachteile, vor allem bei der Straßenanbindung, ausgleichen.

Während Bürgermeister Voit auf diese Forderung nicht direkt einging, meinte Landrat Neiderhell, Amerang könne so etwas "vielleicht wagen".

Noch deutlicher wurde als letzter Redner Sebastian Bauer von der IHK Rosenheim. Der geißelte unter anderem mit dem Beispiel der "wenig dienlichen" Abwrackprämie die Wirtschaftspolitik der Regierung als völlig verfehlt: "Aber vielleicht geht ja eine Frau Merkel nach den Wahlen endlich in Mutterschaftsurlaub."

koe/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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