Kehraus brachte den Tod

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Die Unglücksstelle im Februar 2009 am Tag nach der Tragödie.

Pfaffing/Ebersberg - Den Faschingsdienstag 2009 werden viele Menschen nie vergessen. Damals wurde Josef H. (20) aus Pfaffing von einem Traktor, der einen Faschingswagen zog, überrollt und getötet. Wie kam es zur Tragödie?

Eine Frage, die sich Angehörige und Freunde des Opfers immer wieder stellen. Heute muss sich der Bulldogfahrer (27) - er hatte keinen Tropfen Alkohol getrunken - wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht verantworten.

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Kehraus mit tödlichem Ende

Der 20. Jahrestag der Deutschen Einheit wurde am 3. Oktober in ganz Deutschland gefeiert. Doch für die Familie des Unfallopfers war es ein trauriger Tag, denn Josef H. wäre am Sonntag vor einer Woche 22 Jahre alt geworden. "Du bleibst einfach unvergessen", steht auf der Schleife, die die Familie zum Geburtstag an sein Marterl am Unglücksort gebunden hat.

Die Unfallstelle befindet sich auf der B 304 zwischen Forsting (Gemeinde Pfaffing) und Tulling (Gemeinde Steinhöring). Dort ereignete sich am Faschingsdienstag 2009 - es war der 26. Februar - die unfassbare Tragödie, die heute am Amtsgericht Ebersberg von Neuem aufgerollt wird.

Stunden zuvor hatten viele Faschingsnarren beim Haager Gaudiwurm noch ausgelassen gefeiert - darunter zwölf Burschen aus Jakobneuharting (Kreis Ebersberg) auf ihrem Faschingswagen. Die Heimfahrt durch drei Landkreise - Mühldorf, Rosenheim, Ebersberg - mit einem geliehenen Baywa-Traktor war zunächst problemlos verlaufen. Da waren Josef H. und seine Freundin auch noch mit dem Auto hinter dem Gespann hergefahren - sie am Steuer, er auf dem Beifahrersitz.

Dann überholte der Audi, der junge Mann stieg aus und stellte sich auf die Straße - was der 27-jährige Bulldogfahrer offenbar zu spät bemerkte. Trotz Vollbremsung und obwohl er das Steuer nach rechts riss, um auszuweichen, wurde der 21-Jährige gegen 18 Uhr von dem Traktor erfasst und überrollt. Der Mann starb vor den Augen der Freundin. Sie wurde ebenso wie der Traktorfahrer, die zwölf Burschen auf dem Faschingswagen und rasch eintreffende Angehörige in der Stube eines nahe gelegenen Bauernhofs von Mitgliedern der Feuerwehr, des Rettungspersonals und der Kriseninterventionsteams aus den Landkreisen Rosenheim und Ebersberg betreut. Auch viele Rettungskräfte hatten das Unfallopfer gut gekannt. Sie benötigten ebenfalls seelischen Beistand.

Die Polizei ging nach ersten Ermittlungen davon aus, dass Josef H. die letzten paar Kilometer von Tulling nach Jakobneuharting auf dem Umzugswagen mitfahren wollte - "wohl aus Spaß", hatte ein Polizeisprecher einen Tag nach der Tragödie erklärt. Gleichzeitig sagte die 18-jährige Freundin von Josef H. aus, vom Faschingswagen seien Bierflaschen auf das Auto geworfen worden, weshalb er die Burschen habe zur Rede stellen wollen. Bereits zuvor sei es deshalb auf der Rückfahrt zu einer Meinungsverschiedenheit gekommen.

Der Vorstand des Burschenvereins - selbst nicht auf dem Wagen - hatte dagegen erklärt, seinem Kenntnisstand zufolge seien keine Flaschen geflogen. Er schloss allerdings nicht aus, dass Bierflaschen vom Wagen auf die Straße gefallen sein könnten, weil die Laderampe offen stand.

Der Traktorfahrer hatte beim Kehraus in Haag und auf der Heimfahrt die ganze Zeit über Spezi getrunken und war "absolut nüchtern", so die Polizei. Trotzdem ist die Staatsanwaltschaft nach der Auswertung der unfallanalytischen Gutachten und der Zeugenaussagen der Auffassung, dass den 27-Jährigen eine Teilschuld an der Tragödie trifft. Sie wirft ihm fahrlässige Tötung vor.

ls/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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