Kein Heiliger, ein Macher mit Humor

+
"Fritz und Franz", den Spitznamen haben sich die Stiftungsvorstände Seipel und Hartl nicht erst bei der Schlüsselübergabe durch den Stiftungsratsvorsitzenden Prälat Hans Lindenberger (Bild links) eingefangen, übernehmen jetzt die Geschicke der Stiftung Attl. Der bisherige Vorstandsvorsitzende Wolfgang Slatosch präsentierte stolz die leibhaftige Antwort auf alle Fragen nach seiner neuen Aufgabe: Enkelin Lea.

Wasserburg-Attel - Humorvoll, kompetent, mit allen Wassern gewaschen, beliebt, gastfreundlich und noch vieles mehr - so viel Lob war dem Gemeinten fast peinlich:

Humorvoll, kompetent, mit allen Wassern gewaschen, beliebt, gastfreundlich, hart verhandelnd, weltläufig, engagiert, kontaktfreudig, keinen Unterschied zwischen Betreuter und Ministerin machend und ein profilierter Manager am Sozialmarkt. So viel Lob war dem Gemeinten fast peinlich. Die trockene Einschätzung, Legenden vom gleichnamigen heiligen Bischof gäb's genug, Wolfgang Slatosch sei definitv kein Heiliger, gefiel dem scheidenden Vorstandsvorsitzenden der Stiftung Attl besser.

Der Chef hatte seit Dienstag Hausverbot. Ins Festzelt durfte er nicht mehr, was ihn bei seiner Verabschiedung erwartete, sollte eine Überraschung bleiben. Blieb es auch, umso größer war Wolfgang Slatoschs Freude, dass ihm "esBRASSivo" den Abschiedsmarsch bliesen und dass fast alle Eingeladenen, "die Personen, die mich zum Teil jahrzehntelang in Attl begleitet haben", auch da waren, um ihn gebührend zu verabschieden.

Otto Zwiefelhofer, Stellvertreter des Wasserburger Bürgermeisters und erster Redner nach dem kurzen Morgenlob, gehalten von Pater Karl Wagner, hatte es fast befürchtet: "Diese Veranstaltung könnte der erste Schritt auf dem Weg zur Seligsprechung werden." Eine gute Stunde später seufzte Nachfolger Franz Hartl schmunzelnd "eben sind die Fußstapfen noch viel größer geworden."

Fast drei Jahrzehnte war Slatosch im Vorstand der Stiftung Attl. Er kam 1984 aus der Rüstungsindustrie, wurde schnell zum Betriebswirt mit Blick für die Pädagogik. Und zog immer mit seinem Co-Vorstand, einem Pädagogen mit Blick für das wirtschaftlich Notwendige, an einem Strang, wie der Stiftungsratsvorsitzende, Prälat Hans Lindenberger, betonte. Gleich, ob das zunächst Alfred Eiblmaier war oder dann Fritz Seipel.

Die Stiftung Attl mit ihren 920 Mitarbeitern, zwei Werkstätten, der Gärtnerei, dem Hof und der Kfz-Werkstatt ist ein mittelständisches Unternehmen. Über 50 Millionen Euro hat Slatosch in den letzten 25 Jahren verbaut - vom Neubau der Inntalwerkstätten bis zum laufenden Bau einer Wohngruppe in Pfaffing. Die Stiftung Attl gehöre zum wirtschaftlichen Rückgrat der Region, stellte Ministerialdirigent Burkard Rappl vom Sozialministerium fest. Slatoschs bleibender Verdienst sei, dass er deutlich gemacht habe, dass die Förderung Behinderter nicht nur eine soziale Aufgabe sondern auch wirtschaftliche Notwendigkeit sei.

Dass er die vielfältigen Aufgaben mit Energie und Schaffenskraft menschlich und wirtschaftlich gut löste, das bescheinigten Slatosch alle Redner. Er selber betonte, wie immer, dass das aber nur zusammen mit seinen Mitarbeitern und den Betreuten gelungen sei. Und dank seiner Frau Heidi, "ein Geschenk Gottes".

Landrat Josef Neiderhell wünschte Franz Hartl, dem 52-jährigen Betriebswirt und Werkzeugmachermeister, der als Nachfolger von der Stiftung Ecksberg kam und sich seit zehn Wochen Seite an Seite mit viel Gelächter in einem Büro mit Slatosch einarbeitet, ein ähnlich glückliches Händchen, "auch wenn Sie selbstverständlich eigenen Wege gehen werden und gehen müssen."

Neiderhell sprach den vielen Festgästen aus der Seele, als er sagte: "Danke, dass Sie fast 30 Jahre hier waren."

syl/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Region Wasserburg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser