"Keine Kontrastarchitektur"

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Symbolbild

Haag - Zum wiederholten Mal ist das "Wohnhaus Ziegler" im Bebauungsplan Freyung vom Ausschuss des Gemeinderats abgelehnt worden. Kontrastarchitektur passe nicht unter den Schlossturm, hieß es.

Ob es sich noch um "bayerische Bauart mit Pultdach" handelt oder um "gedrehte unsymmetrische" Dächerteile, das vermochte keiner so recht zu bestimmen. Bürgermeister Hermann Dumbs wollte den Architekten "Gestaltungsfreiheit" einräumen, verwies auf die Reduzierung einiger Höhen und die Aussage der Behörden im Landratsamt, es spreche nichts gegen eine Befreiung. Auch der Städteplaner sei zu der Ansicht gekommen, die Planung "schmiege sich ein".

Dagegen sah Herbert Zeilinger (CSU) in der Planung für die Gabelsbergerstraße mit Schlossturmblick nur eine Verschandelung. Die Kontrastarchitektur passe nicht nach Haag. Das Vorhaben widerspreche auch der Bauordnung. Die Räte dürften eine solche Optik nicht befürworten, sonst bestehe die Gefahr, dass auch noch andere Baubewerber Ähnliches hinstellen wollten.

Der Bezugsfall scheidet nach Meinung von Dr. Wolfgang Weißmüller (PWG) aus. Dafür sei das Vorhaben zu klein. Es bestünde aber durchaus die Möglichkeit, "zeitgenössischen Wohnhausbau" zu akzeptieren: "Jeder hat seinen eigenen Geschmack." Alois Eisenauer (PWG) unterstrich den Hinweis des Landratsamtes, der auf Nachfrage an Bürgermeister Hermann Dumbs hin allerdings nur mündlich ohne schriftlichen Beleg zitiert werden konnte.

Formale Fehler fand Zweiter Bürgermeister Dr. Winfried Weiß (CSU) im Bauvorhaben. Zunächst sei es nicht zu dem angeregten Ortstermin gekommen. Weiter habe der Städteplaner mit Auslassungen des Areals unterhalb der Geländeoberfläche die Grundflächenzahl falsch angegeben. Zu dem Kompromiss eines normalen Satteldaches hätten sich die Planer auch nicht durchringen können. Ferner stimme die Wandhöhe immer noch nicht.

Bürgermeister Dumbs wollte die Ansicht mit der Definition eines "verschobenen Satteldaches" retten. Dagegen verwies Winfried Weiß auf die Form, die bei Pult- wie Satteldach symmetrisch sei. Auch ein "Doppelpultdach" könne nicht aus einzelnen versetzten Satteldächern bestehen: "Das ist zuviel für eine Ausnahme."

Sissi Schätz (SPD) hatte zwar das Modell "schockiert", wollte aber eine rechtliche Würdigung durch das Landratsamt. Konrad Kolbinger (CSU) waren die Widersprüche zuviel. Egon Barlag (Freie Wähler Haag) stellte kategorisch fest: "Das passt nicht auf diesen Platz." Dafür stehe der Schlossturm als Wahrzeichen von Haag zu nahe.

Bürgermeister Dumbs schob den Schwarzen Peter weiter: "Ich bin kein Städteplaner." Zweiter Bürgermeister Dr. Winfried Weiß pochte auf das Recht des Haager Gemeinderats, der den Bebauungsplan aufgestellt habe und somit als einzige Institution dafür eine Befreiung erteilen könne. Befreien aber dürfe er nur dann, wenn Grundzüge der Bebauungsplanung unberührt bleiben würden. Wenn schon Satteldach, dann ein symmetrisches. Stefan Högenauer (CSU) erinnerte die Ratskollegen an ihren Auftrag für eine "geordnete städtebauliche Entwicklung". Die dürfe nicht so viele Abweichungen beinhalten.

Der Ausschuss stimmte schließlich mit fünf Mitgliedern gegen, mit vier für das Vorhaben. Mit Protest notierten die Räte ferner, dass der Antragsteller mit Drohungen auf den Lippen nach der Abstimmung den Rathaussaal verlassen habe.

xy/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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