WS für "stolze Wasserburger"

+
Zogen mit ihren WS-Kennzeichen die Aufmerksamkeit in Wasserburg auf sich: die Studentinnen Nina Hesel (rechts) und Julia Kuhnigk, die die Umfrage der Hochschule Heilbronn durchführten.

Wasserburg - Zwei Buchstaben stiften Identität: Das abgeschaffte Kfz-Kennzeichen WS zog jetzt in Wasserburg bei einer Umfrage eines Teams der Hochschule Heilbronn die Blicke der Passanten auf sich.

Zwei Buchstaben stiften Identität: Das alte, bei der Gebietsreform 1972 abgeschaffte Kfz-Kennzeichen WS zog jetzt in Wasserburg bei einer Umfrage eines Teams der Hochschule Heilbronn zur geplanten Kennzeichen-Liberalisierung die Blicke der Passanten auf sich. Die Möglichkeit, wieder mit dem WS-Schild ein stolzes Bekenntnis zur Heimatstadt und zum Altlandkreis abgeben zu können, stieß bei vielen Bürgern auf positive

An sein erstes Kfz-Kennzeichen kann sich Josef Stellner, der 1966 seinen Führerschein schaffte, noch gut erinnern. "WS - S - 641" lauteten die magischen Zahlen seines ersten Autos, eines vom Vater übernommenen Fords. Jahrelang hat der Pfaffinger das Schild mit dem WS-Zeichen auch nach der Gebietsreform in der heimischen Garage aufbewahrt. Die Initiative zur Kennzeichenliberalisierung begrüßt Stellner, der zu den vielen Bürgern gehörte, die sich gestern am Umfragestand der Hochschule Heilbronn über die geplante Wiedereinführung verschwundener Kfz-Kennzeichen informierten. Viele Passanten suchten das Gespräch mit den Interviewerinnen, den Studentinnen Nina Hesel und Julia Kuhnigk. Erstaunlich, wie viele auch junge Bürger aus Wasserburg und dem Altlandkreis, die das alte WS-Kennzeichen nicht mehr erlebt haben, einer möglichen Wiedereinführung positiv gegenüber stehen. So wie Josef Lux, 22, und Nikolai Wackerbauer, 21, die gerne auch mit ihren Autokennzeichen zeigen möchten, "dass wir stolze Wasserburger sind". "Find ich echt gut, die Aktion", betonten die jungen Männer.

Nicht nur sie nahmen sich eine Minute Zeit, um die drei anonym zu beantwortenden Fragen nach dem Wohnort, der Meinung zur möglichen Wiedereinführung des alten Kennzeichens und zur Person (Autobesitz, Altersgruppe, Geschlecht) zu beantworten. Das sympathische Auftreten der Studentinnen, die sich jeglicher Bewertung enthielten, motivierte viele Bürger, sich mit der ungewöhnlichen Frage nach der Identität stiftenden Wirkung eines Kfz-Kennzeichens auseinander zu setzen. Natürlich mussten Nina Hesel und Julia Kuhnigk, die im fünften Semester internationale Betriebswirtschaft in Heilbronn studieren, auch ein paar patzige Antworten von gestresst vorbei hetzenden Passanten wegstecken. Es gab auch kritische Stimmen, die in der Wiederbelebung der alten Kennzeichen einen unnötigen Verwaltungsakt oder überflüssiges, nostalgisches Verharren in alten Zeiten sahen. "So ein Schmarren", hieß es immer wieder einmal.

Die Mehrzahl der Befragten, so der erste Eindruck des Vormittags in der Wasserburger Salzsenderzeile, befürwortet jedoch die Initiative - zumal viele Nachfragen nach den Kosten für den Autohalter ergaben, dass das WS-Schild wie ein Wunschkennzeichen behandelt wird. Dafür berappen die Bürger elf Euro mehr.

Dass das Auto ein Kulturobjekt und ein symbolträchtiges Trägermedium darstellt, zeigten auch die vielen Geschichten, die zahlreiche der etwa 250 befragten Passanten in Wasserburg rund um das Thema Pkw erzählten. Unvergesslich für viele ältere Bürger: das erste Auto. Wurde es vor der Gebietsreform 1972 angemeldet, trug es das WS-Zeichen. In Wasserburg, mit knapp 13.000 Einwohnern und 9000 Arbeitsplätzen trotz fester Integration in den Landkreis Rosenheim nach wie vor das pulsierende Zentrum des früheren Altlandkreises, würden wohl viele Autofahrer von RO auf WS wechseln, so der Eindruck vom Umfragevormittag.

duc/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Region Wasserburg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser