Kirchenaustritte wieder auf normalem Maß

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Wasserburg/Haag - Die Zahl der Kirchenaustritte hat sich heuer wieder auf ein normales Maß eingependelt. Im letzten Jahr waren die heimischen Dekanate aber schwer von der Glaubwürdigkeitskrise der Katholischen Kirche betroffen.

Für den Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, war es "das schlimmste Jahr" seines Lebens. Das hatte er im Zusammenhang mit den 2010 gemeldeten vielen Fällen von sexuellem Missbrauch von Kindern durch Geistliche mehrmals bekannt gegeben. Prompt waren letztes Jahr auch die Kirchenaustritte massiv angestiegen, nämlich um 47 Prozent.

In den beiden Zentral-Standesämtern des Wasserburger Raumes, Wasserburg und Haag, war der Anstieg sogar noch höher. Die dort registrierten Kirchenaustritte lagen etwa doppelt so hoch wie in normalen Jahren. In Haag gaben 2010 insgesamt 82 Personen ihren Austritt zu Protokoll, heuer sind es bisher 38. In Wasserburg verließen letztes Jahr 174 römisch-katholische Christen die kirchliche Institution, heuer waren es 77.

Aber auch die Evangelische Kirche wurde letztes Jahr in den Sog der Austritte gezogen. 40 kehrten ihr 2010 den Rücken, heuer sind es 18. Letztes Jahr seien schon "hin und wieder Emotionen geäußert worden", heißt es beim Standesamt Haag. Beim Wasserburger Dekan Josef Reindl dagegen ist so gut wie nichts angekommen. "Leider gibt es praktisch keine Rückmeldungen", so der Ameranger Pfarrer, der jeden Austretenden seiner Gemeinde anschreibt und zu einem Gespräch einlädt. Und auch von den Seelsorgern des Dekanates wurde nicht berichtet, dass es deutliche Kritik gegeben hätte.

Reindl vermutet aber auch, dass die Berichte von den sexuellen Übergriffen in den meisten Fällen nur der letzte Anstoß gewesen seien. Viele der Austretenden hätten wohl schon vorher eine große Distanz zur Kirche gehabt, meist, weil sich in ihren Augen in kritischen Fragen "nichts rührt".

Was die aufgedeckten Vorkommnisse in kirchlichen Einrichtungen angeht, spricht Reindl von einer "Katastrophe". Er merkt aber auch an, dass es bei Priestern keineswegs einen höheren Anteil von Missbrauchsfällen gegeben habe als in der sonstigen Bevölkerung. "Es wird halt anders berichtet und wahrgenommen", so der Dekan: "Wir haben da eine sehr hohe Verantwortung."

Wasserburger Zeitung / Karl Königbauer

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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