"Wir wollen unseren Biergarten behalten!"

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Diese Ansicht wird es so bald nicht mehr geben. Die Garagen an der Palmanostraße weichen ebenso wie der dahinter liegende Biergarten einem Neubau, das kleine Gebäude am linken Bildrand wird zum Salettl umgebaut und dem Gastgarten der Wirtschaft an der Palmanostraße zugeschlagen, der einstöckige Anbau (dunkleres Gelb) an das Hotel Fletzinger wird abgerissen, das Hotel selbst soll saniert werden und was mit den ehemaligen Brauereigebäuden (linke Bildhälfte) geschehen soll, wissen KSS-Immobilien und Architekten noch nicht genau. 

Wasserburg - Diese Forderung wurde bei der Informationsveranstaltung zum Fletzinger-Areal mal emotional geäußert, mal auf dem Umweg über einen Bebauungsplan.

"Wir wollen unseren Biergarten/die Kastanie behalten", diese Forderung wurde mal emotional, mal auf dem Umweg über einen Bebauungsplan, besonders häufig geäußert, als die Wasserburger zur Informationsveranstaltung zum Fletzinger-Areal geladen waren.

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Es war aller Voraussicht nach das letzte Mal, dass die Posthalterei bis auf den letzten Platz gefüllt war. Passenderweise ging es unter anderem darum, was mit diesem Raum, dem Hotel drumherum und dem gesamten Fletzinger-Areal geschehen soll und wird. KSS-Immobilien, die eine Kaufoption für das gesamte Gelände haben, stellten ihre Pläne vor und sich den Fragen der Wasserburger.

Architekten informieren über geplantes Großprojekt

Johannes Sewald von KSS-Immobilien sowie die Architekten Thomas Gerhager und Ludwig Labonte informierten über das in drei Bauabschnitte eingeteilte Großprojekt. Wobei der am wenigsten umstrittene erste Bauabschnitt, Teilabriss, Sanierung und Umbau dreier Häuser in der Salzsenderzeile und der Fletzingergasse, die meiste Zeit beanspruchte. Da allerdings sind auch die Planungen schon am weitesten gediehen: Dort sollen hochwertige Wohnungen entstehen. Und wenn der Nachbar mitspiele, so Sewald, werde eine alte Passage von der Salzsenderzeile in die Fletzingergasse wieder geöffnet.

Bauabschnitt zwei ist ein Neubau an der Ecke Fletzingergasse/Palmanostraße (wir berichteten). Dafür werden die Bäume im ehemaligen Biergarten gefällt, die Garagen an der Palmanostraße abgerissen. Zu dem viergeschossigen Haus mit zwölf bis 14 Wohnungen kommt die Einfahrt zu einer Tiefgarage mit über 30 Plätzen und rund um das Haus sind etwa ein Dutzend weitere Stellplätze geplant.

Bauabschnitt drei ist die Sanierung des Hotels sowie der Brauereigebäude. "Das ist sehr komplex, da haben wir und die Architekten noch eine richtige Denksportaufgabe zu bewältigen", so Sewald, der sich in einem Teil der ehemaligen Brauereigebäude sehr wohl einen großen Veranstaltungsraum als Ersatz für die Posthalterei, den Saal des Hotels, vorstellen kann.

Die Frage, wie denn der Zeitplan sei, wurde von Sewald nur für den Bauabschnitt I, die Wohnungen an Salzsenderzeile und Fletzingergasse beantwortet, da geht es so bald als möglich los - wenn der Bauantrag gestellt und genehmigt ist. Erste Abbrucharbeiten finden laut Nachbarn in der Fletzingergasse 20 bereits statt.

Überfüllter Saal und zahlreiche Diskussionsbeiträge

Die meisten Fragen und Diskussionsbeiträge im überfüllten Saal - Spätkommer bekamen nur noch Stehplätze, mangels Mikrofon ließ die Verständlichkeit im hinteren Bereich je nach Stimmkraft des Redners zu wünschen übrig - galten aber den Bauabschnitten zwei und drei beziehungsweise deren Folgen. Immer wieder wurde der Verlust des Biergartens beklagt. Die deutliche Vergrößerung des Gastgartens der benachbarten Wirtschaft sah kaum jemand als vollwertigen Ersatz an, es war unter anderem von einem "geschleckten Straßencafé" die Rede. Immer wieder wurde die Kastanie angesprochen, die daneben stehende Linde ist anscheinend nicht so im Bewusstsein. Grundtenor der Beiträge: "Wir wollen unseren Biergarten behalten." Der sei aber - im Gegensatz zur verbreiteten Meinung - beileibe kein Riesengeschäft für den Pächter gewesen, so der Hinweis eines Tourismus-Profis. Die Nachfrage des Fremdenverkehrsvereinsvorsitzenden, wer den denn nach der Umwandlung des Hotels Fletzinger in ein Hotel Garni bewirtschaften solle, wurde von einer Frau aus dem Publikum beantwortet, der müsse gar nicht bewirtschaftet werden, man könne sich auch so dort hinsetzen.

Mehrfach wurde ein Bebauungsplan für das Areal thematisiert, so erhofften sich einige Anwesende Einfluss unter anderem bei der Gestaltung des Neubaues, eine Festschreibung des Hotels als Hotel und möglicherweise der Ausweisung des Biergartens als Grünfläche. Letzteres dürfte wegen des bestehenden Baurechtes im Innenbereich schwierig werden, eine dauerhafte Festschreibung der Hotelnutzung sah Architekt Ludwig Labonte als Eingriff ins Eigentumsrecht. Sewald räumte ein, dass es für KSS-Immobilien natürlich einfacher sei, das Hotel in Wohnungen zu verwandeln. Man habe aber reges Interesse, das Hotel zu verpachten, "sonst hätten wir nicht 20000 Euro für eine Hotelstudie ausgegeben." Gespräche mit möglichen Pächtern gebe es bereits, es seien auch Interessenten im Saal. Und wenn man wirklich keinen Pächter finde, dann bräuchte KSS "kreativen Input" auch von den heimischen Großfirmen und von der Stadt, so Sewald.

Die Nachfrage nach der Notwendigkeit des Neubaus im ehemaligen Biergarten beantwortete Sewald mit einem Wort: "Wirtschaftlichkeit". Dass der derzeit noch nicht existente Entwurf der Fassade dieses Neubaus irgendwann öffentlich zu sehen sein wird, hoffte ein Anwesender. Das wird zumindest in einer Bauausschusssitzung der Fall sein, eventuell zudem im Rathaus, so Sewald nach Blickkontakt mit dem im Publikum sitzenden Bürgermeister. Die Frage, warum man denn nicht auf den Neubau im Biergarten verzichte und statt dessen die ehemaligen Brauereigebäude - von denen man laut Sewald ohnehin noch nicht genau weiß, was damit passieren soll - in Wohnungen verwandle, blieb unbeantwortet.

Kritik an den Veränderungen im Stadtbild

Mehrfach wurde Kritik an den Veränderungen im Stadtbild laut, angeführt wurden unter anderem das Greinbräu-Gelände, das ehemalige Schlachthaus, der Finanzamtsgarten, das Parkhaus Kellerstraße und der Busbahnhof. Da fehle nun einfach das Vertrauen, dass das lebenswerte Stadtbild nicht noch weiter beeinträchtigt werde.

Das wird es sicher: Am 29.Februar schließt das Hotel, ist das Gebäude leer.

syl/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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